In der Kläranlage Baltmannsweiler fallen jährlich 420 Tonnen Schlamm an. Quelle: Unbekannt

Die neue Düngemittelverordnung setzt die Kommunen im Kreis unter Druck. Zudem haben die Gemeinden mit weiteren Problemen zu kämpfen

Wendlingen/BaltmannsweilerWasser ist ein kostbares Gut. Während Menschen in vielen Ländern der Welt oft stundenlange Märsche auf sich nehmen, um an sauberes Wasser zu kommen, dreht man hierzulande einfach den Wasserhahn auf und schon fließt reines Wasser. Doch zusehends werden Schadstoffe im Wasser Problem. So ist die Belastung des Grundwassers mit Nitrat in manchen Regionen viel zu hoch.

Nitrat entsteht, wenn beispielsweise zu viel Gülle auf den Feldern ausgebracht wird. Vorwiegend besteht dieses Problem in Norddeutschland. Die Europäische Union drohte Deutschland wegen der Überschreitung von Grenzwerten mit einem Strafverfahren. Daraus resultierte die verschärfte Düngemittelverordnung. Doch im Kreis Esslingen, nicht nur hier, haben die Kommunen als Kläranlagenbetreiber noch ganz andere Probleme. Das Gruppenklärwerk Wendlingen produziert durch die Klärung des Abwassers aus mehreren Städten und Gemeinden zwischen 50 000 und 80 000 Tonnen Klärschlamm im Jahr, berichtete im November der Geschäftsführers Rainer Hauff in seinem Jahresbericht. Der muss entsorgt werden. Doch die seit Jahren im Landkreis tätigen Entsorgungsunternehmen haben die Verträge gekündigt. Nur ein Unternehmen zeigte Interesse, über einen neuen Vertrag zu verhandeln. Daran änderte auch eine EU-weite Ausschreibung nichts. Nur ein Anbieter ist bereit, den Klärschlamm in eine Verbrennungsanlage zu schaffen. Dies bekamen in den vergangenen Wochen praktisch alle Klärwerksbetreiber im Kreis Esslingen zu spüren.

Die Gemeinde Baltmannsweiler zum Beispiel entsorgt 420 Tonnen Klärschlamm im Jahr, muss aber durch die Monopolstellung des Entsorgers mit Preiserhöhungen von rund zehn Prozent rechnen. Diese Verteuerung sorgt auch in Filderstadt für Sorgenfalten. Tiefbauamtsleiter Norbert Branz hofft auf den technischen Fortschritt: „Die Phosphorrückgewinnung ist schwierig, aber die Wissenschaft ist zwischenzeitlich agil und es sind verschiedene Verfahren in Erprobung.“ In Filderstadt fallen jährlich 3100 Tonnen Klärschlamm an. Bisher konnte der Schlamm in der Zementindustrie mitverbrannt werden. Jedoch blieb die Phosphorgewinnung dabei unter den bald geltenden gesetzlichen Bestimmungen. Diese fordern, dass 80 Prozent des Klärschlamms dem Recycling zugeführt werden. „Die Monoverbrennung gilt derzeit als einziges funktionierendes Verfahren“, sagt Branz. Aus der Asche des verbrannten Klärschlamms kann Phosphor gut zurückgewonnen werden.

Die neue Düngemittelverordnung verpflichtet Kommunen ab 100 000 Einwohner ab 2026 dazu, Phosphor aus dem Klärschlamm zurückzugewinnen. Kommunen ab 50 000 Einwohner haben sechs Jahre mehr Zeit, die Vorgabe umzusetzen. Der Tiefbauamtsleiter gibt zumindest Entwarnung für Filderstadt: „Die Entsorgungssicherheit besteht weiterhin und die Erfahrung zeigt, wenn der politische Druck steigt, werden schneller Lösungen gesucht.“

Phosphor ist wie Stickstoff einer der wichtigsten Nährstoffe. Da der Bedarf an Düngern weltweit zunimmt, gewinnt Phosphor immer mehr an Bedeutung. Die Gemeinden im Kreis Esslingen hoffen daher auf die geplante Monoverbrennungsanlage in Böblingen, die 2026 in Betrieb gehen soll. Die Baukosten liegen bei 105 Millionen Euro.

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