Am Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine haben die drei Filderkommunen Filderstadt, Leinfelden-Echterdingen und Ostfildern bekundet, dass sie an der Seite der Partnerstadt Poltawa stehen.
Überall kleine und große ukrainische Fahnen, kyrillische Schriftzeichen über den Beamer an die Wand geworfen, und Benjamin Dihm, der Erste Bürgermeister aus Leinfelden-Echterdingen, hatte sich demonstrativ Sportschuhe in Blau-Gelb angezogen: Der 24. Februar stand in Filderstadt ganz im Zeichen der Ukraine. An diesem Tag jährte sich der russische Angriff auf die Ukraine zum dritten Mal, und einmal mehr hatte der Filderstädter Oberbürgermeister Christoph Traub deswegen zu einer Gedenk- und Solidaritätsveranstaltung eingeladen.
Filderstadt, Leinfelden-Echterdingen und Ostfildern haben im überfallenen Land die gemeinsame Partnerstadt Poltawa. Und auch dort, das berichtete der Erste Stellvertretende Bürgermeister Valerij Parkhomenko in der Liveschalte, die in der Filharmonie auf eine große Leinwand übertragen wurde, ist der Krieg allgegenwärtig, obwohl Poltawa etwa 150 Kilometer von der Frontlinie entfernt liegt. Den Tod von rund 500 Menschen aus der Stadt seit Kriegsbeginn gibt es zu beklagen, erst vor wenigen Wochen, am 1. Februar, schlug eine russische Rakete in ein Wohnhaus ein und riss 15 Menschen aus dem Leben. Etwa zehn Raketen seien in den vergangenen drei Jahren in der Stadt detoniert. Der bislang verheerendste Fall: Am 3. September 2024 wurden etwa 60 Zivilpersonen getötet und zahlreiche weitere verletzt. 55 000 registrierte Binnenvertriebe lebten aktuell in Poltawa, etwa 50 000 Menschen seien indes aus der Stadt geflohen.
Die Filderkommunen unterstützen das mehr als 2000 Kilometer entfernte Poltawa mit Spenden. Seit Kriegsbeginn wurde immer wieder Geld ausbezahlt, am Montag waren auf dem Konto fast 63 500 Euro. Und die drei Städte unterstützen die Menschen in der Ukraine mit ihrer Solidarität.
„Das ist die im Moment stärkste Ausdrucksform, die wir auf unserer kommunalen Ebene haben, indem wir zusammenstehen, zeigen und formulieren, dass der Krieg Russlands gegen die Ukraine Unrecht ist“, sagte Christoph Traub. Es sei „völlig absurd“ einem angegriffenen demokratischen Staat von außen vorzuwerfen, er würde bewusst seine Demokratie aussetzen, und das vor Kriegsausbruch demokratisch gewählte Staatsoberhaupt würde eine Wahl umgehen. „Wer zu einer solchen Einschätzung kommt, verkennt die konkreten weltpolitischen Zusammenhänge und Ursachensetzungen. Einem völkerrechtswidrig angegriffenen demokratischen Staat vorzuhalten, er würde seine Demokratie nicht leben, ist mehr als ein Affront“, betonte er.
Der US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj als „Diktator“ bezeichnet, der sich weigere, Wahlen abzuhalten. Auch aus Russland gibt es immer wieder derartige Narrative. In der Ukraine setzt das geltende Kriegsrecht Wahlen während eines Krieges jedoch aus.
Valerij Parkhomenko bedankte sich für konkrete Hilfen, für die Aufnahme von Geflüchteten und auch die ideelle Rückenstärkung aus der Ferne. „Wir schätzen jeden Schritt, den Sie auf uns zugehen, und glauben, dass wir gemeinsam eine Zukunft in Frieden, Gerechtigkeit und Einheit schaffen werden.“