Fertig aufgebautes Wandelement Foto: Techno Carbon Technologies

Er soll eine sehr gute CO 2-Bilanz haben und günstiger als Stahlbeton sein: Privatunternehmen und Forscher der Deutschen Institute für Textil- und Faserforschung (DITF) in Denkendorf (Kreis Esslingen) entwickeln einen klimafreundlichen Baustoff.

Der Bausektor ist ein großer Treibhausgas-Emittent – unter anderem, weil allein die Herstellung des Baustoffes Beton sehr klimaschädlich ist. Seit Jahren gibt es Bemühungen, die negativen Auswirkungen zu verringern oder Beton als Baustoff zu ersetzen. Einen neuen Baustoff hat nun eine Gruppe aus Unternehmen und Forschungseinrichtungen unter Leitung der DITF in Denkendorf vorgestellt. Ihn zeichne eine besonders gute CO2-Bilanz aus.

Wie die Deutschen Institute für Textil- und Faserforschung (DITF) in ihrer Pressemitteilung erläutern, sei Grundidee des Verbundprojektes „DACCUS-Pre*“, einen neuen Baustoff zu entwickeln, der langfristig Kohlenstoff speichere und der Atmosphäre sogar mehr CO2 entnehme, als bei seiner Herstellung freigesetzt werde. Demnach sei man bereits weit fortgeschritten in der Entwicklung.

Komponenten sind Naturstein, Carbonfasern und Biokohle

Die ersten Demonstratoren, also Hauswandelemente zur Vorführung, seien schon recht gut, sagt Erik Frank, der stellvertretende Leiter des Kompetenzzentrums Hochleistungsfasern der DITF in Denkendorf und Koordinator des Projekts. „Sie können einige Tonnen Gewicht tragen“, sagt Frank. Besonders eigne es sich für das serielle Bauen, also in Form von Fertigbauteilen für Häuser. Der Verbundwerkstoff soll als Alternative zu Stahlbeton dienen – sei aber zehn Prozent preisgünstiger und habe eine deutlich bessere CO2-Bilanz.

Erik Frank Foto: DITF

Die sogenannten Sichtwände der Bauelemente bestehen aus Natursteinplatten. Durch die mechanische Bearbeitung dieses Materials, also Zusägen, falle Gesteinsstaub an. Und dieser ist offenbar nicht nur ein Abfallprodukt, sondern kann, wenn es sich um Silikatgesteine handelt, in einer Art Verwitterungsprozess CO2 aus der Atmosphäre binden. Für die Demonstratoren wurde ein Gabbro aus Indien verwendet. Der Gesteinsstaub könne beispielsweise einfach im Feld ausgebracht werden, erklärt der Experte Erik Frank. Entsprechende Projekte gebe es hierzulande nicht, aber in Großbritannien.

Gewebe aus Carbonfasern verstärken den weiteren Angaben zufolge die Seitenwände der Wandelemente. „Sie nehmen Zugkräfte auf und sollen, analog zu Verstärkungsstahl in Beton, den Baustoff stabilisieren“, heißt es in der Pressemitteilung. Die verwendeten Carbonfasern seien biobasiert, für den Demonstrator auf Algenbasis hergestellt, künftig sei eine Ligninbasis – also aus Holzabfällen – angedacht. Lignin-basierte Carbonfasern werden an den DITF Denkendorf technisch optimiert. Neben der guten CO2-Bilanz seien sie nicht, wie Verstärkungsstahl, anfällig für Oxidation und wesentlich länger haltbar, erklären die DITF.

Carbonfasern seien zwar in der Herstellung energieintensiver als Stahl, es werde jedoch nur eine vergleichsweise geringe Menge für den Einsatz im Baustoff benötigt. Die dritte Komponente des neuen Baumaterials besteht aus Biokohle, basierend auf Pflanzenmaterial. Diese kommt als Dämmmaterial zwischen die beiden Gesteinsplatten.

Bauindustrie meldet Interesse an

Treiber des Projekts sind laut Frank kleine und mittelständische Unternehmen, beteiligt waren etwa Techno Carbon Technologies in München, das Beratungsunternehmen AHP, das Labor für Stahl- und Leichtmetallbau GmbH, das Institut für Geologie der Uni Hamburg und das Institut für Future Fuels des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt Köln. Nun schauen sich die Beteiligten nach einer neuen Förderung um. Wann der Baustoff auf den Markt komme, dazu kann Frank noch nichts sagen. „Interesse der Bauindustrie ist da“, meint er aber.