1000 bis 4000 Euro und mehr pro Abend für die Miete des Esslinger Neckar Forum oder der Osterfeldhalle – das muss ein Verein erst einmal erwirtschaften. In Esslingen wurde deshalb über eine Förderung diskutiert.
Modern und mit allen technischen Neuerungen ausgestattet – so wirbt das Esslinger Stadtmarketing für das Neckar Forum. Die 2005 eröffnete Halle habe sich zu einem „Magneten“ in der Branche entwickelt. „Hier tagen Veranstalter aus dem In- und Ausland“, heißt es weiter. Und die lokalen Akteure? Die könnten sich das oft nicht mehr leisten, kritisiert die Esslinger CDU-Gemeinderatsfraktion und wünscht sich, dass es für hiesige Vereine einmal im Jahr einen Rabatt auf die Miete von Neckar Forum und Osterfeldhalle gibt. Dass Esslinger Veranstaltungen weiterhin hier stattfinden, stärke nicht zuletzt die Identifikation mit der Stadt. Jüngst hatte auch der Präsident der Esslinger Karnevalsfreunde öffentlich mehr Unterstützung der Stadt eingefordert. Seine beliebte Prunksitzung feiert der Verein mittlerweile in der Gemeindehalle Altbach. „Aus Kostengründen“, wie Markus Szogas bedauerte.
30 000 bis 50 000 Euro Kosten pro Jahr – „Das ist nicht im Budget“
Wie man Esslinger Vereinen bei der Hallennutzung unter die Arme greifen könnte, war jetzt Thema im Kulturausschuss. Unter anderem hat die Verwaltung als Antwort auf den von der CDU gestellten Berichtsantrag mögliche Fördermodelle vorgestellt. Wie hoch die Mietkosten für die Hallen sind, lässt sich aber ohne Weiteres gar nicht sagen, denn das hängt nicht nur von der gebuchten Zeitdauer ab. Richtig zu Buche schlägt der Einsatz von Personal und Technik, der je nach Art der Veranstaltung sehr stark variiert. Bei den Modellrechnungen blieben sie deshalb außen vor.
Durchgerechnet hat die Verwaltung die Varianten mit einem Mietzuschuss für beide Hallen von entweder 50 Prozent oder von 80 Prozent. Dritter Vorschlag war ein Zuschuss von 50 Prozent auf die Osterfeldhalle, für die in allen Modellen eine Miete von rund 1200 Euro zugrundegelegt wurde, und von 80 Prozent für das Neckar Forum. Hier wurde jeweils knapp 4400 Euro reine Miete angesetzt. Für die Stadt würde sich bei angenommenen acht Buchungen des Neckar Forum und 15 Belegungen der Osterfeldhalle je nach Modell Kosten zwischen rund 32 000 Euro und 52 000 Euro pro Jahr ergeben. „Das Kulturamt sieht keine Möglichkeit, dies in seinem Budget zu erbringen“, heißt es in der Sitzungsvorlage.
Ein finanzielles Risiko bleibt
Zugute käme der Zuschuss zudem nur jenen wenigen Vereinen, die so große Veranstaltungen überhaupt stemmen können, so das Fazit von Kulturamtsleiterin Alexa Heyder. Vor allem das Neckar Forum bliebe trotzdem ein finanzielles Risiko für die Vereine. Heyder erinnerte auch daran, dass die generelle Hallenförderung Ende 2018 im Zuge der Haushaltskonsolidierung abgeschafft wurde. Es gibt aber die Projekt- und Konzeptionsförderung für neue und innovative Projekte. Bei einem generellen Zuschuss gäbe es eine solche kulturpolitische Steuer nicht. Vier ausgewählte Berkheimer Vereine haben zudem ein aus den 1970er Jahren im Zuge der Eingemeindung stammendes Nutzungsrecht für die Osterfeldhalle, die sie drei Mal pro Jahr unentgeltlich belegen dürfen, teilt ein Sprecher der Stadt mit. Rabatte für Esslinger Schulen gebe es nicht. Vorteile haben die Sportvereine. Im Rahmen der Sportförderung wird für nicht-sportliche Veranstaltungen die Grundmiete mit 50 Prozent bezuschusst. Das werde aber kaum genutzt, so die Stadt.
Im Ausschuss wurden die Ideen lebhaft diskutiert – auch wenn gar keine Abstimmung anstand. Eine Förderung sei „ein klares Signal der Wertschätzung an die ehrenamtlich Engagierten“, sagte Alexander Mauz (CDU). Ob die Fraktion einen Beschlussantrag für das von ihnen favorisierte erste Modell einbringt, sei noch offen, so Aglaia Handler. Eher ablehnend äußerte sich Jörg Freitag von den Grünen. Bei knappen Kassen müsse man „leider“ Prioritäten setzen. „Kultur braucht Räume“, appellierte Ulrike Gräter (SPD). Von der vom früheren Oberbürgermeister Jürgen Zieger oft zitierten „guten Stube“, mit der das Neckar Forum an die abgerissene Stadthalle anknüpfen sollte, sei wenig übrig geblieben.
Den Catererzwang überdenken
Jörn Lignau (FDP/Volt) brachte deshalb die Idee ins Spiel, das Neckar Forum gar nicht, die Osterfeldhalle dafür stärker zu fördern. Marco Di Pilla (Freie Wähler) brach eine Lanze für die Vereine. „Sie müssen Feste machen können, die bezahlbar sind“, sagte er. „Ohne Kirchen wären viele Konzerte gar nicht möglich“, zeigte sich Edda Höfer, beratendes Mitglied, enttäuscht von der Rolle des Neckar Forum. Es sei als Konzerthaus unerschwinglich. Stephan Köthe (AfD) sprach sich gegen eine pauschale Förderung aus. Dass man Lehren aus dieser Diskussion zieht, wünschte sich Tobias Hardt (Linke). So könnte etwa der Catererzwang überdacht werden.
Städtische Räume zum Feiern
Vermarktung
Die Esslinger Veranstaltungshallen – neben dem Neckar Forum und der Osterfeldhalle sind das noch der Dicke Turm und das Alte Rathaus – werden von Esslingen Live, einer Tochtergesellschaft der Stadt, verwaltet und vermietet. Mögliche Zuschussmodelle für Vereine würden bei der Abwicklung einen großen Aufwand bedeuten, heißt es in einer Vorlage der Verwaltung.
Umfrage
Die Stadt hat zur Hallenmiete eine Umfrage durchgeführt. 33 Vereine haben sich daran beteiligt, von denen aber 22 keine der beiden Hallen nutzen, denn der Großteil (60 Prozent) würden generell keine so großen Veranstaltungen durchführen. 40 Prozent aller Befragten kritisieren, dass die Kosten zu hoch seien und es zu wenig Flexibilität gebe. Die höheren Kosten könnten nicht auf die Eintrittspreise umgelegt werden, so die Vereine. Andere Einnahmen seien schwierig, etwa weil eine eigene Bewirtung nicht möglich ist.