Deutlicher Hinweis auf der Anzeigetafel in der Mercedes-Benz-Arena – daran gehalten haben sich allerdings nur die wenigsten. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Wegen der Corona-Warnstufe gilt in der Mercedes-Benz-Arena jetzt die Maskenpflicht auch am Platz. Beim VfB-Spiel gegen Bielefeld haben sich viele Fans nicht daran gehalten. Das löst Diskussionen aus.

Stuttgart - Die Vorfreude ist groß bei dem Mann aus dem Stuttgarter Umland. Lange ist er nicht im Stadion gewesen, jetzt hat er für sich und seinen Enkel Karten für das Spiel des VfB Stuttgart gegen Arminia Bielefeld gekauft. Was er da von seinem Sitzplatz in der Cannstatter Kurve aus zu sehen bekommt, gefällt ihm allerdings ganz und gar nicht. Weder das 0:1 auf dem Rasen – noch das, was um ihn herum passiert. „Obwohl man ständig darauf hingewiesen worden ist, dass auch am Platz eine Maskenpflicht gilt, haben sich viele nicht daran gehalten“, sagt der Mann. Gerade mit Blick auf die dicht besetzten Stehränge habe er angesichts der aktuellen Coronalage nur den Kopf schütteln können. Und er will für sich Konsequenzen ziehen: „Wenn das Stadion beim Gesundheitsschutz ein rechtsfreier Raum ist, werde ich es lieber meiden.“

Der VfB Stuttgart hat sich für das sogenannte 2-G-Optionsmodell entschieden. Das bedeutet, dass nur Personen Zutritt ins Stadion erhalten, die genesen oder geimpft sind und dies digital nachweisen können. Der Vorteil daran: Es gibt keine Kapazitätsbeschränkungen, und es ist kein Mindestabstand nötig. Bisher konnte am Platz auch auf die Maske verzichtet werden. Ein Kompromiss, mit dem sich viele Fangruppen auch erst arrangieren mussten.

Das Problem ist schwer zu lösen

Die Partie gegen Bielefeld war nun allerdings die erste, in der in Baden-Württemberg die Corona-Warnstufe gegolten hat. Für die 33 550 Besucher hat das bedeutet, dass die Maske ständig getragen werden muss, selbst am Platz. Auch im Stehbereich, wo auf engstem Raum tausendfach gesungen, gehüpft und angefeuert wird. Eine Vorstellung, die vielen Fußballfans ziemlich grotesk erscheinen mag – und so haben sich zahlreiche Stadiongänger offensichtlich gegen das Maskentragen entschieden.

Beim VfB sieht man das Problem, tut sich mit einer Lösung aber schwer. „Wir haben auf unserer Homepage sowie auch alle Ticketinhaber noch einmal persönlich auf die Maskenpflicht hingewiesen. Sie haben vor dem Spiel einen Newsletter mit den Regelungen bekommen“, sagt ein Vereinssprecher. Auch im Stadion seien die Besucher darauf aufmerksam gemacht worden, etwa mit Durchsagen und Einblendungen auf den Anzeigetafeln. Zudem werde beim Einlass von den Ordnern auf das Tragen der Masken hingewiesen und darauf geachtet, dass die Fans sich auch daran hielten.

Das Ministerium verweist auf die Coronalage

Doch was passiert im Stadion? Zu deutlich will man sich beim Verein nicht dazu äußern, doch es ist klar, dass es unmöglich scheint, die Regelung durchzusetzen, wenn sich Tausende nicht daran halten. Der Sprecher sagt dazu: „Wir haben im Stadion eine 2-G-Regelung, das heißt, dass die Zuschauer genesen oder geimpft sind. Wir befinden uns an der frischen Luft. Insgesamt gehen die Fans bei uns sehr verantwortungsbewusst mit dem Thema Corona um.“

Ganz so einfach dürfte das Thema allerdings nicht erledigt sein. Denn intern fragt man sich auch beim VfB, wie man aus dem Dilemma herauskommen könnte. Und da ist von Lösungen die Rede, die realitätsnaher sind – etwa wie in anderen deutschen Stadien, wo die Maskenpflicht auch jetzt noch überall im Stadion gilt außer am Platz. Doch dafür braucht es Verhandlungen mit dem zuständigen Sozialministerium. Die sollen jetzt offenbar auch folgen.

Aus dem Ministerium klingt die Ansage zumindest offiziell eindeutig. „Die Coronaverordnung gilt, und sie ist auch einzuhalten“, sagt Sprecher Florian Mader. „Wir sind mittlerweile in der Warnstufe und vermutlich demnächst in der Alarmstufe, da die vierte Welle mit voller Wucht rollt und sich die Intensivstationen in den Krankenhäusern rasant füllen.“ Man müsse deshalb die vierte Welle möglichst rasch stoppen. „Die Maske ist neben den anderen Hygienemaßnahmen dafür ein gutes und geeignetes Mittel“, so der Sprecher. Und wenn sie im Stadion nicht getragen wird? „Es ist die Aufgabe der örtlichen Ordnungsämter, Verstöße zu ahnden und gegebenenfalls Bußgelder zu verhängen“, sagt Mader.

Stadt will das Konzept diskutieren

Also liegt die Verantwortung beim Amt für öffentliche Ordnung der Stadt Stuttgart. „Erstellt werden muss ein Hygienekonzept. Ein solches haben die Behörden geprüft und freigegeben. Neben der Kontaktnachverfolgung und weiteren Schutzmaßnahmen ist die Maskenpflicht am Einlass, auf den Bewegungsflächen und – wegen der aktuellen Warnstufe – auch am Platz vorgesehen“, sagt Sprecher Niklas Junkermann. Doch offenbar kommt Bewegung in die Sache, denn er fügt hinzu: „Allerdings haben wir grundsätzlich die jetzt spielfreie Zeit zum Anlass genommen, um das bestehende Hygienekonzept und die konkrete Umsetzung mit dem Veranstalter zu besprechen.“ Was immer das heißt.

Zumindest genug Zeit bleibt den Beteiligten. Wegen der Länderspielpause trägt der VfB sein nächstes Heimspiel gegen Mainz 05 erst am 26. November aus. Bis dahin, heißt es, brauche man eine tragbare Lösung.