Dass für sie ihre Schule die beste Wahl ist, das machten die Jugendlichen Sandra Detzer (links) deutlich. Foto: Andreas Kaier - Andreas Kaier

Sandra Detzer, Landesvorsitzende der Grünen, hat die Esslinger Gemeinschaftsschule Innenstadt besucht – und einen langen Wunschzettel von Schülern, Lehrern und Eltern mitgenommen.

EsslingenDie gymnasiale Oberstufe, mehr Lehrer und der Schülerwunsch, in der Mittagspause trotz gebundener Ganztagsschule das Schulgelände verlassen zu können: Das stand auf dem Wunschzettel von Schülern, Eltern und Lehrern, mit dem Sandra Detzer, Landesvorsitzende der Grünen, nach einem zweistündigen Besuch der Esslinger Gemeinschaftsschule Innenstadt wieder in den Zug gestiegen ist.

Detzer hat die Woche der Gemeinschaftsschulen genutzt, um sich an der größten Gemeinschaftsschule in Esslingen einen Eindruck von der noch jungen Schulart zu verschaffen. Dabei bekam sie ein lebhaftes Bild davon, wie die Vielfalt einer Innenstadtschule mit einem Einzugsbereich auch über den Stadtrand hinaus im Alltag gelebt wird. Aber auch davon, wie steinig der Weg war, sich als zwei junge Gemeinschaftsschulen auf Beschluss des Gemeinderats zusammengetan zu haben – die eine große mit ihrer Realschulvergangenheit, die andere kleinere mit all ihrer Erfahrung im Grund- und Werkrealschulbereich. Und das auch noch an zwei 500 Meter voneinander entfernten Standorten. Denn die Schule Innenstadt ist ein Fusionsprodukt.

Immer wieder hieß es, Konzepte schreiben, Konzepte wieder über Bord werfen, berichtete Schulleiterin Christel Binder. Für Detzer sind die Gemeinschaftsschulen nicht nur Pioniere in der Schullandschaft. Sie verkörpern aus ihrer Sicht auch die Schulart, die sich konzeptionell am stärksten auf die Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft vorbereitet. Dass das ebenfalls bunt gemischte 60-köpfige Kollegium die 830 Schüler bei aller notwendigen Experimentierbereitschaft nicht aus den Augen verloren hat, haben die Kinder ihren Lehrerinnen und Lehrern vor dem Gast aus der hohen Politik eindrücklich bestätigt.

Zum Beispiel Philipp, der in der vierten Klasse Konzentrationsschwierigkeiten hatte und auf der Kippe zwischen einer Empfehlung fürs Gymnasium oder der Realschule stand. Heute ist er in einer Lerngruppe der Stufe neun und sagt: „Für mich war die Gemeinschaftschule die besten Entscheidung, die ich treffen konnte. Ich konnte mich steigern und hatte Erfolgserlebnisse.“ Oder Georg, der sich in der Grundschule vor allem mit den Fächern schwer tat, die ihn nicht interessierten. Heute in der Stufe acht arbeitet er in den Hauptfächern auf gymnasialem Niveau, in den Nebenfächer auf mittlerem Niveau. „Hier müssen die Kinder nach der vierten Klasse nicht einsortiert werden, sondern haben Zeit, sich zu entwickeln.“ Darin sieht auch Elternvertreter Gebhard Mehrle den großen Vorteil der Schulart. Aber wer drei Niveaustufen anbiete, müsse den Kindern dementsprechend auch alle Abschlüsse anbieten. Deshalb hat Mehrle mit anderen Eltern auch vehement für die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe an der Schule Innenstadt gekämpft – gegen den Willen der allgemeinbildenden und beruflichen Gymnasien vor Ort, aber mit Erfolg und einer knappen Ratsmehrheit von zwei Stimmen. Zum Schuljahr 2021/22 soll sie in Esslingen an den Start gehen. Gegenwind kam auch jüngst wieder vom Landkreis, der sich um die Zukunft seiner beruflichen Schulen sorgt und eine entsprechende Stellungnahme ins Genehmigungsverfahren eingebracht hat. Mehrle verweist auf die amtierende Kultusministerin Susanne Eisenmann, die ja zusagt habe, die Oberstufe zu genehmigen, wenn die Schule die formalen Kriterien dafür erfülle. „Ich bitte Sie, Ihren Koalitionspartner gegebenenfalls an diese Zusage zu erinnern“, so Mehrle.

Es sei zentral für eine Gemeinschaftsschule, „die drei Niveaus auch in Gänze abbilden zu können“, stellte sich Detzer hinter den Wunsch von Schule, Eltern und Schülern. „Wir wollen auch, dass die Oberstufe kommt. Wir wollen sie, weil hier in Esslingen die rechtlichen Voraussetzungen dafür gegeben sind“, versprach Detzer, in Stuttgart nachzuhaken. Zudem müssten die Schulen weg von dem Pfründen-Denken. Kooperationen, Schulverbünde oder Schulfusionen seien ein Weg, um in Zeiten knapper Ressourcen „starke, funktionsfähige Einheiten“ zu schaffen.

Zudem macht der Lehrermangel einer Schulart besonders zu schaffen, die sich an Schüler aller Leistungsstärken richtet und mit Inklusion und Ganztagsbetrieb weitere personalintensive Aufgaben bewältigen muss. Wenn sich bei der Lehrerversorgung wieder Licht am Ende des Tunnels zeige, müsste der schulartspezifische Personalmehrbedarf auch wieder erfüllt werden, betont Schulleiterin Christel Binder. Das sah auch Detzer so. Allein es fehlen derzeit die Lehrer. Den Wunsch etlicher Eltern und ihrer Kinder, Schüler ab der achten Klasse vom Mittagessen in der Schule zu befreien und in die Stadt gehen zu lassen, konnte die Grünen-Politikerin zwar nachvollziehen. Allerdings müsse man aufpassen, die politischen Diskussionen über den Ausbau der Ganztagsschulen damit nicht in eine – sicher auch von den Eltern nicht gewollte – Richtung zu lenken.

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