Damit einem glücklichen Au-pair-Aufenthalt nichts im Wege steht, sollten Aufgaben vorab geregelt werden. Foto: Westend61 - Westend61

Eine fremde Familie, eine ungewohnte Sprache, Hunderte neue Eindrücke: Au-pairs tauchen im Ausland ins große Abenteuer. Vorab sollten aber Aufgaben und Arbeitszeiten gut geregelt werden.

Rheda-Wiedenbrück/HamburgBei einer Gastfamilie leben, sich um die Kinder kümmern und kleine Aufgaben im Haushalt übernehmen – die Arbeit als Au-pair ist für junge Menschen ein guter Weg, um nach dem Schulabschluss eine Weile ins Ausland zu gehen. Damit keine bösen Überraschungen drohen, lohnt es sich, Zeit in die Vorbereitung zu stecken und die wichtigsten Regeln zu kennen.

Zunächst müssen sich Interessierte überlegen, ob eine Au-pair-Stelle der richtige Job für sie ist. „Wer als Au-pair arbeiten möchte, sollte neben Spaß an der Arbeit mit Kindern auch Eigenschaften wie Anpassungsfähigkeit, Toleranz und Verantwortungsbewusstsein mitbringen“, sagt Jane Jordan von der „Initiative Auslandszeit“ in Rheda-Wiedenbrück. „Der beste Zeitpunkt dafür ist nach dem Abitur. Man hat den ersten grLebensabschnitt abgeschlossen und Zeit, um einen Blick über den Tellerrand zu werfen.“ Für die Suche sollte man Zeit einplanen. „Ich selbst habe bereits zwölf Monate vor der Abreise mit der Bewerbung über eine Au-pair-Organisation begonnen“, erzählt Jordan. Wer sich innerhalb Europas bewirbt, könne dies auch recht kurzfristig angehen: Aufgrund der Freizügigkeit in der EU ist meist kein besonderes Visum notwendig.

Bei der Entscheidung für ein Land sind die Sprachkenntnisse wichtig. „Man sollte sich in der Sprache des Ziellandes ausdrücken können, um die einfachen Dinge des Alltags meistern können“, sagt die Expertin. Gleichzeitig sei es Zweck des Aufenthalts, etwas zu lernen. Perfekte Sprachkenntnisse werden also nicht erwartet.

Es ist möglich, Au-pair-Stellen in Eigeninitiative zu suchen – üblich ist der Weg über Beratungsstellen, die Au-pairs auch während des Aufenthalts unterstützen. Solche Agenturen gleichen vorab Gastfamilien und Au-pairs ab. „Es werden längere Gespräche mit beiden Seiten geführt“, sagt Regine Rosner von „In Via“. „Bei der Vermittlung ins Ausland arbeiten wir mit Agenturen vor Ort zusammen, die die Familien kennen und einschätzen können, ob ein Au-pair zu ihnen passt“, erklärt Rosner. Dabei geht es nicht nur um Eckdaten wie Zeitraum und Region: Persönliche Vorstellungen werden ebenso abgestimmt. Die Aufgaben sollten bei allen Au-pairs ähnlich sein: „Der Schwerpunkt liegt in der Regel auf der Kinderbetreuung, hinzu kommen leichte Hausarbeiten“, sagt Rosner, also etwa Frühstück machen oder die Kinderzimmer aufräumen. Mit Fensterputzen oder schwerer Gartenarbeit sollten Au-pairs nicht beauftragt werden. Die genaue Aufteilung hänge oft von persönlichen Absprachen ab: „Viele Au-pairs freuen sich, wenn sie mal für die Familie kochen und verbringen auch ihre Freizeit gerne mit den Kindern. Andere legen Wert auf klare Arbeitszeiten“, sagt Rosner. „Da muss man in der Anfangszeit zueinander finden.“

In der Regel arbeiten Au-pairs maximal 30 Stunden wöchentlich und haben mindestens einen freien Tag pro Woche. „Vor Beginn des Aufenthalts wird ein Vertrag geschlossen, in dem alle wichtigen Punkte genau geregelt sind“, erklärt Silke Busse vom Verein für internationale Jugendarbeit in Hamburg. „Au-pairs erhalten von den Gastfamilien neben der kostenlosen Unterbringung und Verpflegung ein festgelegtes Taschengeld pro Monat, dazu kommen Zuschüsse zu Fahrtkosten, Sprachkursen und der Abschluss einer Versicherung.“

Nicht mehr als sechs Stunden

Die Arbeitszeit sollte sechs Stunden am Tag nicht überschreiten. „Eine Notsituation, die eine Kinderbetreuung über diese Zeit hinaus erforderlich macht, kann aber mal entstehen“, sagt Silke Busse. „Auch wenn Eltern zum Beispiel mal sonntags arbeiten müssen, kann Wochenendarbeit notwendig sein.“ Abweichungen könne es mal geben – solange sie abgesprochen und nicht zur Regel werden.

Gibt es Probleme, sollten sich Au-pairs nicht scheuen, diese auch anzusprechen. „Das ist für viele junge Menschen natürlich anfangs schwierig – aber es ist wichtig“, sagt Busse. „Es ist ein Weg, um zu lernen, handlungsfähig in Konfliktsituationen zu sein.“

Im Ernstfall können Au-pairs ihren Aufenthalt abbrechen: „Der Vertrag kann von beiden Seiten gekündigt werden, hier gilt eine Frist von zwei Wochen“, erklärt Busse. Möchte ein Au-pair weiter im Land bleiben, kann er oder sie sich um eine neue Gastfamilie bemühen. Gelingt das nicht, verfällt im Normalfall das Visum. „Der Wechsel in eine andere Gastfamilie in dieser kurzen Zeit ist nicht einfach und sollte deshalb immer gut überlegt und geplant sein.“

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