Vermummte Menschen, erloschene Sterne und ein vereinsamter Maibaum: Claudia Bitzer nimmt im Rückspiegel die vergangene Woche ins Plastik-Visier.
Esslingen - So. Jetzt sind wir auch soweit. Seit Montag gehört es zum guten Ton, nur noch maskiert eine Bankfiliale zu betreten. Die Maskenpflicht für Läden, Busse und Bahn bereichert den Corona-Knigge um einen weiteren Paragrafen. Nach der Husten- und Niesetikette und dem Sicherheitsradius jetzt auch noch der Mund- und Nasenschutz. So heißt der Sammelausdruck für all die medizinischen und/oder kreativen Teile, die einen schon nach fünf Minuten im Supermarkt verzweifelt die beschlagene Brille hochschieben lassen. Mit jedem Einatmen zieht man sich die mehrfachen Baumwolllagen noch dichter vor den Mund, die schon bald gut durchfeuchtet sind. Aber wenn es anderen hilft und einem selbst ein Stückchen Freiheit wiedergibt ...
Die Veranstalter der „Flammenden Sterne“ wären vermutlich auch über ein vermummtes Publikum dankbar gewesen. Doch die Stadt Ostfildern hat das Himmelsevent für dieses Jahr ganz abgesagt – und damit trotz allen Mitleids mit den Betroffenen das notwendige Fingerspitzengefühl bewiesen. Das Leiden des Veranstalters ist allerdings nachvollziehbar. Die Klimadebatte hat das Feuerwerksspektakel im Scharnhauser Park im vergangenen Jahr gerade noch überlebt. Man wird sehen, wie es dergestalt angeschlagen die Covid-19-Attacke übersteht.
Auch die Rexer-Busse haben schon vor Corona zur Risikogruppe gezählt. Lange hatte das Volk über orientierungs- und sprachlose Busfahrer und das tägliche Hin- und Herdieseln von 24 leeren Bussen zwischen Schlierbach und Esslingen geschäumt. Und keiner hat sich wirklich gewundert, als das Calwer Unternehmen im vergangenen Sommer Insolvenz anmeldete. Stattdessen haben sich etliche Esslinger zuletzt erstaunt die Augen gerieben, warum die Stadt nicht auch schon gleich die Sofortlösung aus dem Hut zaubern konnte, als in der Vorwoche der endgültige Rexer-Rückzug publik wurde.
Dennoch gab es auch erfreuliche Nachrichten. Die Sanierung der Esslinger Pliensaubrücke ist so gut wie fertig. Jedenfalls der erste Bauabschnitt. Fortsetzung folgt. Während Wernau und Reichenbach in diesem Frühjahr auf ihren Maibaum verzichten, hat ihn der beherzte Plochinger Bürgermeister Frank Buß als grünes Zeichen der Hoffnung doch noch aufstellen lassen. Politisch korrekt als geheime Kommandosache, aber vor laufender Kamera. Facebook und Instagram machen’s möglich, dass im Nachhinein trotzdem alle Plochinger daheim um ihren Bildschirm tanzen können.
Nach den Geschäften werden auch die Büchereien langsam hochgefahren, am Montag müssen viele Schüler wieder ran. Das Erfreulichste: Der Landrat sieht vorerst keinen Anlass mehr, die Notbetten auf der Messe aufgebaut zu lassen, das Klinikum Esslingen denkt wieder an Regelbetrieb. Kein Anlass zur Entwarnung, aber immerhin ein Grund zum Lächeln.
Wie das unter einer Maske auch für andere erkenntlich ist? Man muss die Mundwinkel richtig hochziehen, sodass sich die Lachfältchen in den Augenwinkeln zeigen. Hat ein Experte im Radio gesagt. Wenn man trotz Maske freundlich schauen will, helfe es auch, beide Augenbrauen hochzuziehen. Bevor sich unsere vermummten Leserinnen und Lesern jetzt vor dem Spiegel abmühen: Beide Augenbrauen hochziehen und gleichzeitig bis zu den Schlitzaugen grinsen – das ziert einen nicht sonderlich. Aber einen schönen Menschen entstellt bekanntlich nichts.