„Udo. Der erste Fußgänger“ wird auf Schloss Hohentübingen erstmals präsentiert. Foto: picture alliance/dpa/Marijan Mu - picture alliance/dpa/Marijan Murat

Im Museum der Universität Tübingen (MUT) ist unter dem Titel „Udo – der erste Fußgänger“ der Sensationsfund Danuvius guggenmosi zum ersten Mal ausgestellt.

TübingenEtwa einen Meter groß soll er gewesen sein – und heute eine Sensation. Die Knochen des Primaten mit dem Spitznamen „Udo“ haben jüngst Vermutungen über die Evolution der Menschenaffen infrage gestellt. Jetzt zieht eine Kopie unseres möglichen Vorfahren ins Museum der Universität Tübingen ein.

Vor knapp drei Monaten drehte die Meldung vom Fund des Menschenaffen „Udo“ aus dem Allgäu den Forschungsstand zur Evolution kurzerhand auf links. Nun kommen Rekonstruktionen des Danuvius guggenmosi – des bislang ersten aufrecht gehenden Menschenaffen – ins Museum. Unter dem Titel „Udo. Der erste Fußgänger“ bietet die Universität Tübingen einen hautnahen Blick auf das Skelett aus der Tongrube Hammerschmiede, das für Furore sorgte. Im Zentrum der Ausstellung im Museum der Universität im Schloss Hohentübingen steht bis zum 31. Mai eine etwa einen Meter große Nachbildung von „Udo“ aus Lehm. Was aus der Ferne eher an eine Sandfigur vom Nordseestrand erinnern mag, zeigt sich erst beim genaueren Hinsehen. Denn Repliken der Knochenfossilien sind in die Nachbildung integriert und gut auszumachen. So wird dem Betrachter bewusst, dass erst ein kleiner Teil des Skeletts freigelegt wurde und etliche Teile noch in der Tongrube auf die Archäologen warten. Das Forschungsteam um die Entdeckerin, der Tübinger Professorin Madelaine Böhme, und vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment hatte von 2015 bis 2018 die versteinerten Fossilien der bislang unbekannten Primatenart entdeckt. Arm- und Beinknochen gehörten dazu, Wirbel, Finger- und Zehenknochen auch. So ließ sich rekonstruieren, wie sich „Udo“ vor 11,62 Millionen Jahren fortbewegte – wahrscheinlich sowohl auf zwei Beinen als auch kletternd. Nach Überzeugung Böhmes weisen die Funde darauf hin, dass sich der aufrechte Gang in Europa statt in Afrika entwickelt haben könnte. „Der Gang von vier auf zwei ist umstritten und sagenumwoben“, sagt Kurator Frank Dürr. Es sei ziemlich wahrscheinlich, dass es abgesehen von dem Menschenaffen aus dem Allgäu auch noch andere Ursprünge für diesen Evolutionsschritt gebe. „Aber dieser hier ist hoch spannend, weil es derzeit der älteste Fund ist.“ Die bis dahin ältesten Belege für den aufrechten Gang sind rund sechs Millionen Jahre alt und stammen von der Insel Kreta und aus Kenia.

Die Ausstellung ist bis zum 31. Mai mittwochs bis sonntags 10 bis 17 Uhr geöffnet, donnerstags von 10 bis 19 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Euro, ermäßigt drei Euro. Für Studierende der Universität Tübingen ist der Eintritt frei.

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