Deizisaus Torschütze und zukünftiger Fußball-Rentner Tobias Mora (rechts) kämpft mit dem Nellinger Marius Koch an der Seitenlinie um den Ball. Foto: Rudel - Rudel

Der TSV Deizisau II gewinnt das Relegations-Finale gegen den TV Nellingen II mit 1:0 und bleibt in der Kreisliga A.

EbersbachEs lief gerade die 59. Minute als sich Deizisaus Tobias Mora den Ball ein Stückchen vorlegte und einfach mal abzog. Der Ball flog – nur eben nicht ins Tor. Stattdessen strich das Spielgerät mindestens 15 Meter über das Gehäuse des Nellinger Torhüters Patrick Magnani und landete auf der roten Tartanbahn des Ebersbacher Stadions. Der Deizisauer Aushilfstrainer Tonio Pepe, der für den urlaubenden Jugoslav Lukic für ein Spiel aus der Fußball-Rente zurückgekehrt war, vergrub das Gesicht in seiner Hand und schüttelte mit dem Kopf. „Wahnsinn“, rutschte ihm über die Lippen. Die Szene war sinnbildlich für den Auftritt des TSV Deizisau II im Relegations-Finale zur Kreisliga A gegen den TV Nellingen II. Aus dem Spiel heraus gelang den höherklassigeren Deizisauern so gut wie nichts. Stattdessen gab der TVN II, Vizemeister der Kreisliga B, Staffel 2, lange Zeit den Ton an. Einzig die Chancenverwertung der Nellinger ließ zu wünschen übrig, weshalb am Ende dann doch die Spieler des TSV den Klassenverbleib bejubeln durften. Für das Tor des Tages sorgte ausgerechnet Mora (74.), der in seinem letzten Spiel als aktiver Fußballer noch einmal goldrichtig stand.

„So kann man abtreten, auch wenn er den Ball eher reingestolpert hat“, sagte Deizisaus erleichterter Spielleiter Thomas Stiehl kurz nach dem Abpfiff mit einem Augenzwinkern. Nach einem weit getretenen Freistoß von Benjamin Widmaier kam Mora – der künftig kürzer treten möchte, um mehr Zeit für seine Familie zu haben – etwas glücklich an den Ball. Den ersten Versuch parierte TVN-Schlussmann Magnani noch, hielt den Ball aber nicht fest. Vom Pfosten fand dieser erneut den Weg zu Mora, der jetzt nur noch einschieben musste. „Eigentlich war klar: Das Team, das den ersten Fehler macht, verliert. Das waren dieses Mal die Nellinger“, sagte Stiehl, der sich über den ersten Klassenverbleib einer Deizisauer zweiten Mannschaft nach Aufstieg in die Kreisliga A freuen durfte. Bisher war der TSV jedes Mal direkt im Jahr darauf wieder abgestiegen.

Aushilfstrainer Pepe lobt Gegner

Auch Deizisaus Aushilfstrainer Pepe war angesichts seiner erfolgreichen Rückkehr nach zwei Jahren Pause erleichtert. „Das war echt eine schwere Geburt! Die Nellinger waren in der ersten Hälfte ganz klar besser, sie waren deutlich frischer und dynamischer“, sprach Pepe den Unterlegenen ein großes Lob aus. „Der TVN hätte es absolut verdient gehabt, in Führung zu gehen.“ Daraus wurde jedoch nichts. Weshalb die Nellinger, die im Vorjahr abgestiegen waren, nun ein weiteres Jahr in der Kreisliga B verbringen müssen. „Wenn man so ein starkes Spiel macht, ist es einfach nur sehr, sehr bitter, wenn man sich nicht dafür belohnt“, sagte Nellingens Spielertrainer Daniel Bohusch mit gesenktem Kopf. „Zu keiner Sekunde des Spiels war ein Klassenunterschied erkennbar.“

Im Gegenteil: Von Beginn an war es der vermeintliche Underdog, der mehr Einsatz zeigte und mutiger nach vorne spielte. Den Deizisauern dagegen fehlte es an Durchschlagskraft: Die erste und einzige Chance der ersten Hälfte ergab sich für Verteidiger Marvin Lösche nach einer Ecke. Sein Kopfball ging jedoch ein, zwei Meter rechts vorbei – zu diesem Zeitpunkt waren schon 41 Minuten vorbei. Ganz anders der TVN, dem sich gleich mehrere gute Möglichkeiten zur Führung boten: Ein Distanzschuss (13.) sowie ein Abschluss aus ganz kurzer Entfernung (42.) von Janos Török gingen allerdings jeweils über die Querlatte. „Kurz vor der Pause müssen wir das 1:0 machen“, haderte Bohusch.

Nach dem Seitenwechsel fanden die Deizisauer dann etwas besser ins Spiel. Auch dank einer taktischen Umstellung: Pepe beorderte Außenverteidiger Robin De Bary ins defensive Mittelfeld und zog Denis Leovac zurück in die Innenverteidigung. Aus dem Spiel heraus strahlte der TSV – abgesehen von einem Lattentreffer durch Mora (62.) – aber weiterhin kaum Gefahr aus. Für diese sorgten stattdessen die nimmermüden TVN-Spieler. Die letzte nennenswerte Gelegenheit (66.) köpfte der eingewechselte Hannes Scheuer allerdings knapp links am Tor vorbei.

„An diesem Spiel haben wir bestimmt noch ein paar Wochen zu knabbern, erst recht, weil es so knapp war“, gab Bohusch zu. „Aber dann kommen wir zurück und wagen einen neuen Versuch.“ Die Deizisauer Tonio Pepe und Tobias Mora genießen dann vermutlich längst die Vorzüge des Daseins als Fußball-Rentner.

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