Linda Kyei mit ihrer Geige und der Saxophonist Carsten Netz swingen in der Schlosskapelle. Foto: Markus Brändli - Markus Brändli

Mit 25 Titeln aus dem Real Book des Jazz begeisterten Linda Kyei und ihre Swing Combo das Publikum in der Schlosskapelle in Köngen. Der Jazzclub setzte mit dem erfolgreichen Auftritt einen perfekten Schlusspunkt unter das erste Jahr mit neuer Leitung.

KöngenIm großartigen Ambiente des Köngener Schlosses hatte der Jazzclub am Freitag zu seinem Dezemberkonzert eingeladen. Glücklich, wer in dem bis auf den letzten Platz ausverkauften Konzertraum noch einen Platz ergattern konnte. Linda Kyei und ihre Swing Combo standen auf dem Programm. Sie boten ein rundes und gefälliges Konzert, das beim Publikum sehr gut ankam.

Mit Titeln wie „Take the A Train“, „Puttin on the Ritz“, „Ain’t Misbehavin“ oder „It don’t mean a thing“ ging die Reise quer durch das Real Book. Die „Bibel des Jazz“, wie dieses Standardwerk auch genannt wird, ist eine Fundgrube für Jazzmusiker. Linda Kyei und ihre fünf Mannen, mit denen sie sich den engen Platz auf der Bühne teilte, gestalteten ihr Swingkonzert wie ein musikalisches Stilleben, sehr ausgewogen, allerdings ohne Ecken und Kanten. Musikalische Perfektion paarte sich mit professioneller Routine. Das Programm mit seinen 25 Titeln ging wie im Flug vorbei. Schön und wohltemperiert präsentierte die Combo ihre Stücke wie eine sauber aufgefädelte Perlenkette. Linda Kyei, die Frontfrau der Truppe, sang alles makellos und mit einem guten Feeling für die Stücke. Allerdings blieb sie immer in ihrer Wohlfühltonlage, ganz selten mal ein Gluckser oder Quietscher nach oben oder unten, der das Hörspektrum erweitert hätte. Ihr weiches Timbre schmeichelte den Songs. Mit Schlagzeuger Andrew Andrews leitete sie die Band zielsicher durch den Abend. Andrews bearbeitete sein kleines Drumset präzise wie ein Uhrwerk mit den Besen. Sein flotter Swinggroove zog sich wie ein roter Faden durch das Programm und mit dem Kontrabassisten Sir Steffen Holley bildete er das musikalische Rückgrat der Combo. Holley führte mit seinem swingenden Walkingbass eher ein Schattendasein. Er war dafür umso wichtiger als solide Basis und Teppich, auf dem sich die anderen Bandmitglieder satt ausbreiten konnten. Andy Shepherd an der halbakustischen Gibson groovte sich grundsolide durch die Titel, mal mit Slides auf dem Gitarrengriffbrett, mal mit Powerchords. Sein Können blitzte bei kleinen Soloeinlagen auf. An Saxophon und Klarinette glänzte Carsten Netz. Seine flirrenden, knarrenden oder singenden Sounds überraschten und begeisterten die Zuhörer.

Immer wieder gab das konzerterfahrene Publikum ihm oder auch den anderen Solisten Zwischenapplaus. Der angekündigte Pianist Sascha Kommer steckte aufgrund eines Streiks in Paris fest. Somit trat mit Benedikt Moser die Überraschung des Abends auf die Bühne. Zum guten Glück hatte er schon früher mit der Swing Combo gespielt, sodass er es sich zutrauen durfte, die höchst ausgefeilten Arrangements zu spielen.

„Die Anfrage kam erst heute im Lauf des Tages. Und ich habe gleich zugesagt“, gab der sympathische Tastenzauberer preis. Er spielte großartig und wirbelte in dem Mammutprogramm über die Tastatur, dass die Finger zu glühen schienen. Mit diesem elften Event fand das Konzertjahr des rührigen Köngener Jazzclubs für dieses Jahr sein Ende. Die musikalische Reise geht aber bereits im Januar mit dem nächsten Konzert weiter.

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