Das Tischtuch ist zerschnitten – ganz bildlich. Foto:  

Mehr als 10 000 Mann waren beteiligt: Die Ritterschlacht von Döffingen im Jahr 1388 hat die Position des landhungrigen Grafen Eberhard II. von Württemberg gefestigt und die der Reichstädte geschwächt, aber sie blieben unabhängig.

Die Ritterlichkeit hat an diesem Tag auf der Schlachtbank der Geschichte geendet. Es war die wohl letzte und eine der größten und blutigsten Ritterschlachten im 14. Jahrhundert in Süddeutschland. Vor 635 Jahren, am 24. August 1388, wurde der legendäre Waffengang bei Döffingen geschlagen. Er stellte die Weichen für die Geschichte Württembergs, denn an diesem Tag siegte mit Eberhard dem Greiner (der Zänker) die Grafschaft Wirtemberg über den aufstrebenden Bund der freien Reichsstädte.

Die Schlacht war Teil des deutschen Städtekriegs (1387–1389). Hier kam es zum Schlagabtausch zwischen zwei erstarkenden und von Expansionsbestrebungen gekennzeichneten Mächten: den freien Reichsstädten und den Territorialherren. Einer der erfolgreichsten, wenn es darum ging, das Herrschaftsgebiet zu vergrößern, war Graf Eberhard II. von Württemberg (1315–1392).

Doch wie ein Pfahl im Fleisch steckte da immer wieder eine freie Reichsstadt mittendrin im Herrschergebiet. Wirtschaftsstark und selbstbewusst, nur dem Kaiser untertan, fürchteten die Bürger um ihre Freiheiten und Privilegien. Zu Recht, denn der Kaiser, der notorisch in Geldnöten war, verpfändete alles an Landesherren, und dann fehlte das Geld, um sie auszulösen. Wurde ihnen ein Fürst vor die Nase gesetzt, um sie zu kontrollieren und Steuern einzutreiben, versprach das Ungemach.

Das Schlachtfeld Foto: privat

Der Zänker hatte sich als Landvogt in Niederschwaben bei den Städten höchst unbeliebt gemacht. Um ihre Rechte zu bewahren, schlossen sich im Jahr 1376 zwölf Reichsstädte zum Schwäbischen Städtebund zusammen. Ein Jahr später kam es zur ersten Machtprobe: Die Reutlinger verwüsteten württembergisches Gebiet und bereiteten Graf Ulrich, Eberhards Sohn, und seinem zahlenmäßig unterlegenen Gefolge eine schmerzliche Niederlage.

Ausgangspunkt für das Gemetzel bei Döffingen zwölf Jahre später im Jahr 1388 war der Konflikt Eberhards mit Esslingen und Reutlingen. Als Eberhard diese bedrohte, riefen sie ihre Verbündeten zu Hilfe: Ulm, Konstanz, Nördlingen, Heilbronn, Gmünd, Rottweil, St. Gallen, Memmingen, Rotenburg, Biberach, Nürnberg, Straßburg, Basel, Speyer, Worms, Mainz und Frankfurt. Die Städte konnten 1000 Lanzenreiter, 1000 Bogenschützen, 1000 leichte Reiter und Fußsoldaten sowie 1000 Mann ohne Rüstung – insgesamt also 4000 Mann aufstellen.

Unter Konrad Besserer aus Ulm zog das Heer gen Weil der Stadt

Ziel war es, von Augsburg und Ulm aus einen Verwüstungsfeldzug zu unternehmen. Anfang August im Jahr 1388 zog das Heer unter der Führung des Ulmer Städtehauptmanns Konrad Besserer nach Esslingen und über die Filder weiter nach der Reichsstadt Weil der Stadt. Das gut gerüstete Städteheer wollte den Württemberger nachhaltig schädigen, indem die reifen Kornfelder angezündet, die Erntevorräte vernichtet, das Vieh fortgeführt wurde. Bauern wurden ausgeplündert und Häuser in Brand gesteckt. Von Westen her wollte man die Residenzstadt Stuttgart angreifen.

In Döffingen verschanzten sich die Bauern mit ihrem Hab und Gut im mit Mauern umwehrten Friedhof und warteten auf Hilfe aus Stuttgart. Doch Bewaffnete aus dem Kriegslager bei Weil der Stadt griffen den Friedhof an. Dies war ein Verstoß gegen geltendes Kriegsrecht, denn ein Friedhof galt im Mittelalter als Freistatt, als Stätte des höheren Friedens für Schutzsuchende. Dort durften keine Kämpfe stattfinden.

Eberhard selbst war bei seinen Gegnern als „Zänker“ verschrien, aber das Volk verehrte ihn als „Rauschebart“, weil er es vor den teilweise zu Raubrittern verkommenen Adligen zu schützen vermochte. Foto: privat

Graf Eberhard forderte von seinen verbündeten Fürsten Hilfe ein. Der Pfalzgraf Ruprecht, der Markgraf von Baden, die Grafen von Öttingen und andere sandten insgesamt mehr als 1000 Reiter. Damit hatte Eberhard eine Streitkraft von 1100 Reitern und 6000 Fußsoldaten, vorwiegend Bauern. Der Greiner hatte sein Heer bei Leonberg aufgestellt und eilte am Sonntag Bartholomä, dem 23. August, nach Döffingen.

Am 24. August erreichte er Döffingen. Vor allem sein Sohn Ulrich drängte zum Angriff in der Hoffnung, seine bei Reutlingen erlittene Niederlage wieder auszugleichen. Ulrich stieg nach Rittersitte mit seinen Soldaten vom Pferd, um dem Feind mit gleichen Waffen zu begegnen. Mit seinen Kämpfern stürmte er auf das gegnerische Heer zu. Aber die Soldaten der Reichsstädte waren gut vorbereitet. Sie töteten Graf Ulrich sowie die Grafen von Löwenstein, Zollern und Werdenberg und viele weitere adlige Ritter.

Weil der Stadt zahlte einen hohen Blutzoll

Im Schlachtengetümmel glaubten Soldaten der Reichsstädte, dass Männer aus den eigenen Reihen fliehen würden. Zuerst rannten die Nürnberger Soldtruppen davon; andere folgten und schwächten so das Heer der Städte. Zudem wurde das Heer vom kriegserfahrenen Ritter Wolf von Wunnenstein von der Flanke her angefallen. Wunnenstein, sonst ein Feind der Württemberger, war ein noch größerer Feind der Reichsstädte, und nur deshalb kämpfte er aufseiten von Graf Eberhard. Auch der Herrenberger Vogt Werner von Rosenfeld kam von Süden her zu Hilfe geeilt und fiel den Städtern in den Rücken. Die flüchteten hinter die Mauern von Weil der Stadt.

Das städtische Heer wurde von Konrad Besserer, Bürgermeister von Ulm, befehligt. Als er niedergestochen wurde, fiel mit ihm das Hauptbanner der Reichsstädte. Um die 1000 tote Soldaten aus dem Heer der Reichsstädte bedeckten das Schlachtfeld, 600 Mann wurden gefangen genommen. Aufseiten der Württemberger wurden um die 600 Soldaten getötet, darunter 60 Ritter und Edelleute. In Döffingen erinnert heute ein Kleindenkmal an den Schlachtentod Ulrichs, der in der Stuttgarter Stiftskirche bestattet ist.

Einen hohen Blutzoll hat auch Weil der Stadt gezahlt. Bis zum Anschluss an Württemberg im Jahr 1802 und dem Ende der Reichsfreiheit ist hier alljährlich an Bartholomä der bei Döffingen Gefallenen gedacht worden. Deren Namen sind alle bekannt. Auch heute erinnert in der Heilig-Kreuz-Kapelle in der Kepler-Stadt ein Gedenkstein an Anshelm Reinhart, den Anführer der Weiler Schlacht bei Döffingen sowie eine Gedenktafel an die 66 in der Schlacht gefallenen Weil der Städter.

Mit der Schlacht bei Döffingen war die Macht des Städtebunds gebrochen. Er wurde aufgelöst. Die Landesfürsten waren zwar die Sieger, aber das Ergebnis dieser Auseinandersetzungen war eine Pattsituation: Die Städte behielten ihre Unabhängigkeit. Die territorialen Zugewinne Württembergs während der Regierungszeit Eberhards waren dennoch beträchtlich – so kamen Calw und Böblingen dazu. Eberhard selbst war bei seinen Gegnern als „Zänker“ verschrien, aber das Volk verehrte ihn als „Rauschebart“, weil er es vor den teilweise zu Raubrittern verkommenen Adligen zu schützen vermochte.

Nachdem Eberhards Sohn Ulrich bei Döffingen gefallen war, wurde sein Enkel Eberhard III., genannt „der Milde“ (1362–1417) Graf von Württemberg von 1392 bis 1417. Ihn zeichnet eine friedenserhaltende Bündnispolitik mit den benachbarten Fürstenhäusern und Reichsstädten aus. Zum gegenseitigen Schutz ging er 1405 mit dem Markgrafen von Baden, dem Kurfürsten von Mainz, mit Straßburg und 17 schwäbischen Städten den Marbacher Bund ein. Seine bedeutendste territoriale Erwerbung war die Grafschaft Mömpelgard (heute Montbéliard in Frankreich), die durch die Verlobung seines Sohns, des späteren Grafen Eberhard IV., mit Henriette von Mömpelgard entstand.

Dem „Milden“ kam die führende Rolle bei der Zerschlagung des Schleglerbunds zu. Der wollte in den 1390er Jahren die Rechte des Niederadels gegen die Vormacht der Grafenhäuser in der Kurpfalz, Baden, Württemberg sowie der freien Städte wahren. Der Bund hoffte, die Schwäche der Städte nach dem Städtekrieg und den Konkurrenzkampf der Fürsten nutzen zu können, um mit der Unterstützung König Wenzels seine Position zu stärken. Der wiederum wollte die Zentralgewalt stärken. Unter dem Fehdevorwand betrieben die Schlegler Straßenraub und Plünderei im Gebiet des Nordschwarzwalds und der Pfalz. Im Sommer 1395 wurden die Schlegler auch in Württemberg aktiv und zogen sich mit ihren Angriffen die Gegnerschaft des Grafen Eberhard III., des Herzogs Leopold von Österreich und der 14 Reichsstädten zu.

In der Stuttgarter Stiftskirche ist er bildlich verewigt: Graf Eberhard Foto: privat

Am 24. September 1395 gelang es Eberhard, die drei Schleglerkönige bei Heimsheim gefangen zu nehmen. Daraufhin gab auch König Wenzel die Unterstützung auf und ordnete die Auflösung des Bunds an. Ein am 18. Dezember 1395 geschlossenes Bündnis zwischen Eberhard III., Leopold von Österreich und den Städten zwang die Schlegler zum Einlenken. Am 6. April 1396 löste sich der Bund anlässlich des Friedens von Brackenheim auf.