Auf die Spur eines Urzeitaffen begeben sich die Besteller-Autoren Klüpfel und Kobr im zwölften Fall ihres Allgäuer Kommissars Kluftinger. Sie lesen am 13. Juli in Nürtingen.
Mit ihrem neuen und mittlerweile zwölften Kriminalroman „Affenhitze“ hat das Autorenduo Volker Klüpfel und Michael Kobr wieder die Bestsellerlisten gestürmt. Sehnsüchtig erwartet von den Fans ihres bärbeißigen Kommissars Kluftinger, entwickeln die beiden die Figur immer weiter. Die beiden Autoren kennen sich seit ihrer gemeinsamen Schulzeit im Allgäu. Am Mittwoch, 13. Juli, liest das Autoren-Duo von 20 Uhr an bei der Nürtinger Krimizeit in der Stadthalle K3N. Im Interview sprechen die beiden über ihr besonderes Verhältnis zu der Kultfigur.
Im neuen Kluftinger-Roman „Affenhitze“ geht es um einen Urzeitaffen. Er spielt im wissenschaftlichen Umfeld. Sie waren oft in Pforzen im Allgäu präsent, fühlten sich quasi in der Lehmgrube zuhause, wo die Knochen ausgegraben wurden. Wie haben Sie recherchiert?
Klüpfel: Nach allen Regeln der Recherchekunst: vor Ort, um die Atmosphäre der Ausgrabungsstelle zu erspüren, im Gespräch mit den Wissenschaftlern, im Internet, in paläontologischen Fachzeitschriften … Das klingt jetzt alles sehr anstrengend, aber das Thema hat uns fasziniert und ging uns deswegen auch sehr leicht von der Hand.
Der Fall basiert auf einem realen Fund, den Überresten des Menschenaffen Udo, die 2019 gefunden wurden. Sie haben darum eine Mordgeschichte gestrickt. Was hat Sie an diesem Setting und am Udo-Hype im Allgäu denn gereizt?
Kobr: Eigentlich war uns schon nach der ersten Pressemeldung klar, dass wir das nutzen müssen. Eine Weltsensation ausgerechnet in einem Dorf im Ostallgäu, das war ja praktisch auf dem Silbertablett serviert. Wir waren dann vor Ort mit den Forschenden: Die ganz besondere Atmosphäre in der Grube und die Begeisterung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die für ihre Sache brennen, hat uns beide dann völlig in den Bann gezogen.
„Der aufrechte Gang kommt aus dem Allgäu“ – die zwölf Millionen Jahre alten Knochen haben die bisherigen Prämissen der Wissenschaft auf den Kopf gestellt. Wie gehen Sie denn mit Fakt und Fiktion um?
Klüpfel: Eigentlich so, wie wir es immer gehalten haben. Wenn wir historische, wissenschaftliche, geografische Fakten und so weiter verwenden, sollen die auch exakt so stimmen. Alles darum herum ist erfunden und dient der Dramaturgie der Geschichte – und/ oder dem Humor.
Einer der schönsten Auftritte ist der des (fiktiven) bayerischen Ministerpräsidenten. Markus Söder war auch selbst an der Ausgrabungsstelle. In „Affenhitze“ hat er eine schräge Begegnung mit dem Interims-Polizeipräsidenten Kluftinger. Was macht für Sie den Reiz der Politikerfigur aus?
Kobr: Erstens ist Söder Franke, wo meine halbe Familie herstammt und wo ich zehn Jahre gelebt habe. Das freut mich vor allem bei den Lesungen, wenn ich mal wieder „frängisch“ reden kann. Und dann ist er eben ein ziemlich volksnaher Politiker, der zu einer literarischen Verarbeitung auch ein wenig einlädt.
Das Schöne an den Kluftinger-Krimis ist, dass die persönliche Geschichte viel zum Tragen kommt. Seine Frau Erika unterstützt das Flüchtlingsheim, „Klufti“ kümmert sich um die Erziehung der Enkelin. Das ist für Kriminalromane nicht unbedingt typisch. Wie nahe kommt das Publikum dem Kommissar?
Klüpfel: So nahe, dass sie das Gefühl haben, der Klufti ist ein alter Bekannter. Vielleicht möchten nicht alle mit ihm befreundet sein – er übrigens auch nicht, er hat ja gern seine Ruhe – aber sympathisch ist er wohl doch den meisten. Vielleicht haben einige aber auch nur Mitleid mit ihm, weil er immer wieder in so schlimme Situationen gerät.
Wer von Ihnen beiden ist „Klufti“ ähnlicher – Klüpfl oder Kobr?
Kobr: Na ja, ehrlich gesagt fühle ich mich ihm in letzter Zeit immer mehr verbunden: Auch mir sagen inzwischen die Kinder, wie ich mit Handy und Tablet umgehen muss und wie man am besten bei Insta postet. Ich weiß jetzt nicht, wie das bei Volker ist, aber in letzter Zeit fühle ich mich schon manchmal wie Klufti. Ich scheine ihn altersmäßig allmählich einzuholen.
Das Fernsehgesicht von Kluftinger ist der Schauspieler Herbert Knaup, der selbst im Allgäu aufgewachsen ist. Er hat Ihrer Figur ein ganz besonderes Profil verliehen. Lassen sich die Autoren von dem Bild inspirieren, oder geht der literarische „Klufti“ eigene Wege?
Klüpfel: Ganz klar eigene Wege. Es gab den Kluftinger schon lange, bevor Herbert Knaup sich überreden ließ, ihn zu spielen. Und es gibt inzwischen zwölf Kluftinger-Romane, aber lediglich fünf Verfilmungen. Da hat der literarische Klufti ganz klar die Nase vorn.
Was macht für Sie den Reiz aus, gemeinsam Romane zu schreiben?
Kobr: Man kann sich wunderbar die Bälle zuwerfen, wenn es darum geht, den Plot zu entwickeln oder die Geschichte voranzutreiben. Dafür braucht es aber länger, weil alles durch mehrmalige Korrekturschleifen geht. Der Zeitvorteil, der dadurch kommt, dass man nur die Hälfte des Textes schreibt, wird dadurch wieder geschluckt. Und man hat immer jemanden, mit dem man sich über Erfolge freuen und über Kritik lamentieren kann.
Wann darf sich das Publikum auf den 13. Kluftinger-Fall freuen?
Klüpfel: Auweh, da erwischen Sie uns ganz auf dem falschen Fuß. Wir haben gerade ein Buch fertiggestellt, das nichts mit Kluftinger zu tun hat und in Südfrankreich spielt. Das kommt im Herbst auf den Markt. Dazu schreiben wir dann auch gleich eine Fortsetzung, die im Frühjahr 2023 erscheinen wird. Und dann … mal schauen.
Die Nürtinger Krimizeit
Ausverkauft
„Fast alle Veranstaltungen der Krimizeit waren ausverkauft“, zieht Michael Maisch ein positives Fazit der Nürtinger Krimitagetage. Mit ganz unterschiedlichen Formaten und mit bekannten Namen habe man ein breites Publikum erreicht, ist der Geschäftsführer der Stadthalle K3N rundum zufrieden.
Neue Formate
Nicht nur wegen der Coronapandemie gingen die Veranstalter der Krimizeit vom Kulturamt neue Wege. Mit einem Krimidinner und Krimi-Spaziergang habe man neue Besucher angesprochen, sagt Maisch. In der Sammlung Domnick gab es eine Lesung mit Musik, die mehrmals wiederholt wurde.
Bestseller
Die Lesung der Bestseller-Autoren Klüpfel und Kobr aus „Affenhitze“ setzt nun am 13. Juli einen Schlusspunkt unter die Reihe. Karten für die Lesung, die um 20 Uhr im K3N beginnt, gibt es im Stadtbüro der Nürtinger Zeitung, Am Obertor 15, oder an der Abendkasse. Sie kosten zwischen 20 und 25 Euro.