Aufsteigen ist eine nasse Angelegenheit. Foto: Rudel - Rudel

Von Stefanie Gauch-Dörre

Neuhausen – „Eins, zwei, drei – heul net“, stand mit goldenen Buchstaben auf dem Aufstiegsshirt, das sich die Handballer des TSV Neuhausen übergezogen hatten. Dieses Motto begleitete die Neuhausener seit der Vorrunde, als die Mannschaft trotz großer Verletzungssorgen das Ziel Wiederaufstieg nicht aus den Augen verlor. Am vorletzten Spieltag der Baden-Württemberg Oberliga machte das Filder-Team mit einem 31:21 (16:10)-Sieg gegen die HSG Konstanz II alles klar.

Es war keine einfache Saison. Zahlreiche Ausfälle zwangen die Neuhausener in der Vorrunde immer wieder dazu, zu improvisieren. Das tat die Mannschaft gekonnt und überzeugte dann in der Rückrunde durch Konstanz – nur vier Punkte wurden abgegeben. Trainer Ralf Bader zweifelte nie am Aufstieg. Zwei Wochen vor dem Saisonende hatte er betont: „Ich habe den Job angetreten, um aufzusteigen.“ Als es dann soweit war, lobte Bader: „Wir sind trotz Rückschlägen unbeirrt unseren Weg gegangen. Die Mannschaft hat mir von Anfang an großes Vertrauen entgegengebracht. Das ist nicht selbstverständlich.“ Gelohnt hat es sich jedenfalls.

Nur ein Punkt fehlte den Neuhausenern am vorletzten Spieltag, um als Tabellenzweiter in die 3. Liga aufzusteigen. Von der ersten Minute an, ließen sie keinen Zweifel daran, dass sie nicht bis zum letzten Spieltag auf ihre Aufstiegsfeier warten wollten. Alle waren überzeugt, dass es klappt. Ein Blick in die Gesichter der Spieler reichte: volle Konzentration und absoluter Wille.

Die Abwehr stand gewohnt sicher und im Angriff sahen die Zuschauer immer wieder sehenswerte Spielzüge. „In der Trainingswoche ist die Überzeugung bei jedem gereift, dass uns Konstanz nicht aufhält und wir zu Hause ungeschlagen bleiben“, betonte Kapitän Timo Flechsenhar. Dabei ging es für die Konstanzer auch noch um wichtige Punkte für den Klassenverbleib. Es war daher nicht mit einem so deutlichen Ergebnis zu rechnen.

Vier Minuten vor dem Spielende hielt es die Zuschauer dann nicht mehr auf ihren Plätzen und um 18.21 Uhr knallten die Sektkorken, die Spieler vollführten ein Freudentänzchen, aus den Lautsprechern dröhnte: „Es ist so geil wie wir zu sein“. Zuvor hatten die MadDogs sechs Minuten nicht mehr getroffen. Bei einer Zehn-Tore-Führung ist das verschmerzbar. Timo Durst stellte eine Vermutung auf, warum schon zwischen den Treffer 29 und 30 einige Zeit verstrichen war: „Der 30. Treffer kostet immer einen Kasten Bier.“ Da musste es wohl etwas besonderes sein. Nachdem Hannes Grundler (48.), Flechsenhar (51.) und Dominik Eisele (53.) scheiterten, legte Daniel Roos von links außen auf Lucca Holder, der mit einem Kempa-Treffer das 30:19 erzielte (54.).

„Trotz einer durchwachsenen Vorrunde haben wir es geschafft, das umzusetzen, was der Trainer wollte“, betonte Flechsenhar und ergänzte: „Unser Spielsystem wurde komplett umgestellt.“ Die größte Veränderung war wohl die offensive 3-2-1-Deckung. Bader lobte, dass das Kollektiv immer im Mittelpunkt stand und jeder Einzelne dem Mannschaftserfolg seine eigenen Ziele untergeordnet habe. In der Rückrunde war die Bank wieder voll besetzt und die Konkurrenz groß. So kam es vor, dass einige Spieler länger auf ihr Platz nehmen mussten, als ihnen lieb war. „Keiner hat dem anderen etwas missgönnt“, sagte Bader.

Es ist für die MadDogs der fünfte Gang in die dritthöchste Spielklasse nach 2005, 2007, 2011 und 2014. Der langjährige Co-Trainer Markus Locher war bei allen Aufstiegen dabei und hat nun auch ein gutes Gefühl, dass es mit dem Klassenverbleib klappt: „Die Mannschaft muss sich sicher noch weiterentwickeln. Aber ein großer Vorteil ist, dass sie eingespielt ist und kein großer Umbruch bevorsteht.“ Und auch Flechsenhar hat vor, länger in der Liga zu bleiben. „Wir spielen eine unangenehme Abwehr, auch für die 3. Liga. Sicher müssen wir noch etwas an uns arbeiten, aber das bekommen wir hin“, betonte der Rückraumspieler.

Nach den ersten Freudentänzchen folgte der offizielle Teil des Abends. Zwei Spieler wurden verabschiedet und etlichen Beteiligten gedankt. Rechtsaußen Valentin Weckerle tritt nach zwei Jahren im TSV-Trikot berufsbedingt kürzer und Kreisläufer Sebastian Schmidt kehrt nach einem Praktikum in seine fränkische Heimat zurück. Anschließend ging es ausgelassen weiter. Wer noch keine Bier- oder Sektdusche bekommen hatte, musste nicht mehr darauf warten, die Mannschaft ließ Bader hochleben und die Zuschauer gratulierten den Spielern. Mit dabei war auch der TSV Neuhausen II, der bereits seit einer Woche als Aufsteiger in die Bezirksklasse feststand – doppelt feiern macht eben gleich noch mehr Spaß.

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