Manuel Späth. Foto: Roberto Bulgrin - Roberto Bulgrin

Manuel Späths fünfte EM-Kolumne.

EsslingenMit den beiden Siegen gegen Österreich und Tschechien zum Abschluss der Hauptrunde hat es die deutsche Handballnationalmannschaft doch noch nach Stockholm geschafft. Allerdings spielt das Team dort nicht wie erhofft um die Medaillen, sondern in einem undankbaren Spiel um den fünften Platz. Nicht zuletzt aufgrund der zusätzlichen Belastungs- und Reisestrapazen scheint dieses Spiel mehr als unnötig, für die Nationalmannschaft und insbesondere Bundestrainer Christian Prokop hat aber auch dieses Spiel eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Nach dem verpassten Halbfinaleinzug und der immer wiederkehrenden Kritik an Prokop, kann das deutsche Team mit einem Sieg gegen die starken Portugiesen nicht nur ihrem Trainer weiter den Rücken stärken, sondern auch positiv in Richtung der enorm wichtigen Olympiaqualifikation blicken. Nicht auszudenken, welche Folgen es für den DHB hätte, wenn sich das Team im April in Berlin nicht für die Olympischen Spiele in Tokio qualifizieren würde.

Bis es soweit ist, geht es aber am Wochenende zunächst einmal da-rum, wer neuer Europameister wird.

In den beiden Halbfinalpartien stehen sich zunächst Titelverteidiger Spanien und Slowenien sowie Norwegen und Kroatien gegenüber.

Gegen das erfahrene Team aus Spanien traue ich den Slowenen lediglich Außenseiterchancen zu. Allein der Halbfinaleinzug ist für das Team von Ljubomir Vranjes freilich ein Riesenerfolg mit dem aufgrund der Gruppeneinteilung vor dem Turnier wohl niemand gerechnet hätte.

Auch wenn mit den abgezockten und kämpferischen Kroaten immer zu rechnen ist, sehe ich Norwegen in diesem Duell klar im Vorteil. Zu stark und konstant ist ihr bisheriges Auftreten. Aus einem sehr gut funktionierenden Team sticht ein Mann besonders heraus. Die Rede ist von Topstar Sander Sagosen. Wie er trotz seines noch jungen Alters dieses Team auf dem Spielfeld führt, ist absolut bemerkenswert. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob sie dem Druck der Favoritenrollen standhalten und den kleinen Fluch von zuletzt zwei verlorenen WM-Finalspielen ablegen können. Andererseits könnten am Ende wieder einmal die Spanier jubeln und sich über eine weitere Goldmedaille freuen. Für alle deutschen Fans bleibt nur zu hoffen, dass diese Finalspiele auch bald wieder mit deutscher Beteiligung stattfinden.

Manuel Späth stammt aus Ostfildern, wohnt in Esslingen und spielt für den Handball-Bundesligisten TVB Stuttgart. Für diese Zeitung analysiert der 40-fache Nationalspieler das Geschehen bei der Handball-EM.

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