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Stuttgart (dpa/lsw) - Die Verbände der Berufsschul-, Realschul- und Gymnasiallehrer greifen die Gemeinschaftsschule im Südwesten an. Die im kommenden Schuljahr startenden Oberstufen an dieser Schulart seien ein kostspieliges Experiment und führten zu Verwerfungen in der Schullandschaft, betonten die Verbände am Montag in Stuttgart. Diese Oberstufen kämen durch «Trickserei» zustande, sagte die Landeschefin des Realschullehrerverbandes, Karin Broszat. So dürften Gemeinschaftsschulen nicht nur die eigenen Schüler, sondern auch die der Nachbarschulen und der Umlandgemeinden einrechnen, um die erforderliche Zahl von mindestens 60 Schülern zu erreichen.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) wies den Vorwurf zurück. Die Bildungsexpertin der Landtags-Grünen, Sandra Boser, warnte vor einer Gegnerschaft der Schulen: «Neiddebatten sind völlig fehl am Platz und schaden allen.» SPD-Fraktionschef Andreas Stoch sprach von einem Feldzug gegen die Gemeinschaftsschule zum Beginn der Anmeldewoche für die weiterführenden Schulen. Tricksen würde derzeit nur die CDU, indem sie unter Federführung von Eisenmann zusätzliche Hürden bei der Genehmigung einführe.

Die Gemeinschaftsschule führt die Klassen fünf bis zehn, kann aber auch die Grundschule und/oder eine dreijährige Oberstufe umfassen. Wenn mindestens 60 Schüler zusammenkommen, kann auch eine gymnasiale Oberstufe eingerichtet werden. Für das kommende Schuljahr ist der Einstieg in die gymnasiale Oberstufe in Tübingen und Konstanz vorgesehen. Die bereits genehmigte Oberstufe in Konstanz weist derzeit weniger als die nötigen 60 Schüler auf.

Eisenmann betonte: «Die Schulaufsicht prüft die mögliche Einrichtung anhand abgestimmter Prognosekriterien, um stabile Schülerzahlen zu erreichen.» Die Kriterien sind in einer Handreichung für die Regierungspräsidien festgehalten, auf deren Grundlage diese die zu erwartenden Schülerzahlen in der Oberstufe berechnen. Dabei können neben den Aspiranten der Gemeinschaftsschule auch Kandidaten aus Umlandgemeinden eingerechnet werden, wenn die beteiligten Kommunen zustimmen.

Der Berufsschullehrerverband argumentierte, dass Berufliche Gymnasien und Berufskollegs bereits Absolventen von Werkreal-, Realschulen und Abgänger allgemeiner Gymnasien zur Hochschulreife führten. Abgänger aus der Gemeinschaftsschule könnten problemlos integriert werden. Doppelstrukturen würden damit verhindert. Auch die Landtags-FDP wandte sich gegen «unnötige Konkurrenz». Nach Prognose des Philologenverbandes werden die Gemeinschaftsschulen für ihre Oberstufe keine Gymnasiallehrer gewinnen. Schon jetzt sei es schwer, Lehrer für die unteren Klassen zu finden.

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