Der Zeremonienmeister Christoph Lenk bei seiner feurigen Arbeit. Foto: Werner Kuhnle

Wenn Zuckerhüte in Flammen aufgehen: Hunderte Besucher in Steinheim haben bei der traditionellen Aufführung des Kultfilms „Die Feuerzangenbowle“ gefeiert.

Ein rötliches Licht flackerte über das Klosterparkdeck in Steinheim. Hans Christoph Lenk stand an einem riesigen Topf, goss Rum auf eine ganze Heerschar Zuckerhüte, Flammen züngelten hoch. Ein magischer Augenblick – Höhepunkt einer Kult-Veranstaltung, die am Samstag bereits zum 24. Mal nicht nur Steinheimer in die Stadtmitte gelockt hat: die öffentliche Vorführung des Filmes „Die Feuerzangenbowle“ von 1943, in dem Heinz Rühmann als Schüler Hans Pfeiffer verkleidet die „Penne“ auf den Arm nimmt.

„Ich muss aufpassen, ab 78 Grad verdunstet der Alkohol.“

Christoph Lenk, Zeremonienmeister

Dampfende Bowle gab es nicht nur auf der Leinwand, sondern vor allem auch für die vielen Besucher – einige Hundert – zu schmecken. Gebraut von Lenk, dem Zeremonienmeister, Veranstaltungstechniker und -Organisator aus Waiblingen. Schon seit Jahren bereitet er die Bowle für diesen Anlass in Steinheim zu.

Süffiger Rotwein von Graf Adelmann

Mit mehr als einem Meter Durchmesser und einer Höhe von rund 60 Zentimetern fasst der Topf einige hundert Liter. „Das Rezept ist einfach,“ so Lenk. Süffiger Rotwein vom Gut von Graf Adelmann, Orangensaft, Zimt, Nelken, die dazu gegeben werden, schließlich Zucker und Rum. Rund 100 Zuckerhüte hatte der Meister bereitgestellt - und dann dampfte die Bowle ihrer geschmacklichen Vollendung entgegen. Unter strenger Aufsicht: „Ich muss aufpassen, ab 78 Grad verdunstet der Alkohol.“ Schließlich sollten die Besucher schon mehr bekommen als „nor einen wänzägen Schlock“ – wie ihn der Film-Professor Crey seinen Schülern zu kosten gab.

Zur Bowle an die Zehn-Meter-Bar

Einige hundert Besucher genossen das Open-Air-Kino. Bürgermeister Thomas Winterhalter betonte: „Es ist eine Tradition, dass sich die Steinheimer am Samstag vor Heiligabend hier einfinden, um die Vorweihnachtszeit zu beenden und die Weihnachtszeit einzuläuten.“ Er würdigte das Engagement der HABO SG Handballer, der Freiwilligen Feuerwehr und des Fasnetsvereins, die Speis und Trank anboten. Der Schultes lud ein „an unsere Zehn-Meter-Bar“. Dort gaben Gemeinderäte und Vertreter der Stadtverwaltung die Bowle aus, während die ersten Szenen des Films liefen.

Nicht nur Steinheimer gucken vorbei

Nicht nur Steinheimer wollten sich diesen doppelten Genuss nicht entgehen lassen. Silke und Georg aus Freiberg zum Beispiel waren zum ersten Mal da. Silke hatte im Sommer im Ort gearbeitet und damals von der Feuerzangenbowle gehört. Und so kam sie, gespannt auf die Stimmung – „obwohl ich den Film ja schon gut kenne.“

Das Ambiente zog etliche Dauergäste an wie die Steinheimer Christine und Anja, Oskar und Peter. „Wir sind jedes Mal hier. Das ist was Besondere . . . auch wenn es natürlich nicht ganz so ist wie drüben am alten Rathaus,“ merkte Anja an. Sie freuten sich „auf die Gags,“ und dann wurde sogleich die Filmlegende Erich Ponto, der im Film den steifen Professor Crey spielt, zitiert.

Kultur, die man pflegen soll

Sie kamen oft in Gruppen, Paare und Freunde, nicht nur um zu schauen, sondern auch um Bekannte zu treffen. Andrea und Claudia, Gerhard und Jogi waren sich einig. „Jetzt vor Weihnachten, da sind alle da, da triffst du viele, die du sonst nicht siehst.“ Bei einem Film, den man schon kennt? „Wir gehen jedes Jahr hierher, denn das Fernsehen ist ja so schlecht!“ Eine Lieblingsszene im Film? Nach kurzem Nachdenken kam ein weiteres Film-Original, Lehrer „Bömmel“ zu Wort. „Dat is änne Dampfmaschin!“ Auch Felix war immer wieder dabei. Was gefällt ihm an dem Streifen aus dem Jahr 1943? „Na, alle 90 Minuten!“ Und, gab er zu bedenken: „Das ist doch Kultur, und die sollten wir pflegen.“

300 Liter Feuerzangenbowle

90 Minuten, die für die Zuschauer schnell verflogen, egal, ob sie Rühmanns Streiche auf der Leinwand verfolgten oder mit Nachbarn redeten. Als Hans Pfeiffer im Finale seine Eva bekam, da hatten bis zu diesem Zeitpunkt rund 300 Liter Feuerzangenbowle die Besucher auch innerlich gewärmt, und so, die Auskunft an der Ausgabe, „es reicht noch ein bisschen für länger.“ Heiter gestimmte Gruppen machten sich auf den Heimweg, andere plauschten noch eine Zeit lang weiter.