Mit ihren Skulpturen will Gaby Pühmeyer Mensch und Natur miteinander vereinen. Foto: Diana Birk - Diana Birk

Mit ihren Skulpturen verarbeitet Gaby Pühmeyer die Beziehungen zwischen Tier und Mensch. Bis zum 11. August sind ihre Werke in der Städtischen Galerie Filderstadt zu sehen.

EsslingenEine wunderschöne, junge Frau mit einem kleinen Vogel auf der Schulter. Eine weitere, ebenso schön und einzigartig wie die erste, mit kleinen Eidechsen auf ihrem Kopf und am Hals. Ein junges Mädchen, aus dessen Kopf ein Hirschgeweih wächst. Das sind handgefertigte Skulpturen der Esslinger Künstlerin Gaby Pühmeyer.

Die Skulpteurin bezieht sich auf ihre eigene Sprache, der Fusion zwischen Tier und Mensch. Der Mensch habe den Bezug zur Natur verloren, Tiere müssten häufig in einem nicht mehr intakten Ökosystem leben. „Das wird schon lange thematisiert“, sagt die Künstlerin, „Ich greife es einfach wieder auf.“ Selber hat Gaby Pühmeyer einen kleinen Hund. Die Beziehung, die Höhen und Tiefen, gerade nach dem Tod eines Haustieres, verarbeitet sie ebenfalls in ihrer Arbeit. „Dieser enge Kontakt mit einem Tier lehrt mich unglaublich viel.“

Mitte der Neunziger begann die Esslingerin sich vermehrt mit der Thematik Tier und Mensch zu beschäftigen. Auslöser für ihre Tätigkeit war ihr Studium an der freien Kunstakademie in Nürtingen. „Studiert haben das damals fast nur Frauen, und das auch nur wenige. Das bildhauerische Arbeiten mit Ton hatte längere Zeit ein Tief, kommt aber wieder zurück.“ Auch Jüngere seien immer mehr interessiert. Das merke Pühmeyer an den regelmäßigen Anfragen für ein Praktikum. „Das kann ich nur leider nicht anbieten. Wir Künstler arbeiten ja nicht zu geregelten Zeiten. Da wird ein Praktikum schwierig.“

Während der Arbeit an einer Skulptur vergisst die Künstlerin gerne mal die Zeit. „Ich kann die Frage, wie lange ich an einem Objekt arbeite, nie genau beantworten.“ Der Prozess fordere Konzentration und Fingerspitzengefühl. Einzig und allein das Material, der Ton, mit dem sie arbeitet, zwingt sie Pausen zu machen. „Das Objekt muss, vor allem ab einer bestimmten Größe, zwischendurch etwas trocknen. Ansonsten bricht die Skulptur zusammen.“ Während des Arbeitens lässt sich Gaby Pühmeyer sehr gerne von ihrer Inspiration leiten. Sie habe vorher meist schon ein Konzept, aber „währenddessen kann es auch in eine ganz andere Richtung gehen.“

Am 14. Juli eröffnete Pühmeyer mit Maler Simon Odischo eine Ausstellung in der Städtischen Galerie Filderstadt. Zu sehen sind die Kunstwerke der beiden noch bis zum 11. August. Auf solche Ereignisse arbeitet die Esslinger Skulpteurin stets sehr lange und intensiv hin. „Sobald die Ausstellungsobjekte und alles andere um die Ausstellung herum stimmen und abgeschlossen sind, brauche ich eine kleine Kreativ- und Ruhepause.“ Nur so könne wieder etwas Neues entstehen.

Sie gestaltet auch Tierurnen

Zu den Spezialitäten von Gaby Pühmeyer gehören unter anderem Tierurnen. Diese Unikate fertigt sie mit viel Liebe und Hingabe an. „Anfangs wurde ich etwas schräg dafür angeschaut. Heute möchten immer mehr Menschen ihr geliebtes Haustier angemessen bestatten.“ Auf Anfrage werden die Urnen mit echtem Gold beschriftet. Die Farbe wird im Ofen auf die Glasur gebrannt und verewigt.

Für die Tierurnen, aber auch für ihre Skulpturen wendet Pühmeyer am liebsten die sogenannte Raku-Technik an. Diese stammt aus Japan und zeichnet sich durch ihre besonderen Risse aus. Bei tausend Grad werden die Objekte im Ofen gebrannt. Gaby Pühmeyer entnimmt sie anschließend mit einer Zange. Durch diesen Temperaturschock entsteht ein einzigartiges Craquelé-Muster. Das Objekt legt Pühmeyer dann in einen mit Sägemehl gefüllten Eimer. Das Sägemehl entzündet sich und färbt die Risse schwarz. „Ich bezeichne das als einen schnellen Alterungsprozess“, erklärt die Künstlerin. „Das Spannende ist, ich weiß vorher nie, wie es aussehen wird. Es ist ein Zusammenspiel der Elemente Luft, Feuer, Erde und Wasser. Das Ergebnis ist Zufall.“ Mit ihrer Kunst äußert Gaby Pühmeyer den Wunsch mehr Respekt vor Tieren und vor der Natur zu entwickeln. „Mit meinen Skulpturen möchte ich ein Zeichen setzen.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: