Ausverkaufte Hallen, hier bei „The International“ 2019, sind bei großen E-Sport-Turnieren die Regel. Foto: unsplash.com/Stackie Jia

Das Thema E-Sport ist weltweit auf dem Vormarsch. Die Branche boomt, Preisgelder und Zuschauerzahlen entwickeln sich explosionsartig. Deutschland hat großes Potenzial, kann es aber nicht vollständig nutzen.

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Esslingen - Kennen Sie Johan „N0tail“ Sundstein? Nein? Dann aufgepasst – denn Sundstein ist aktuell einer der erfolgreichsten Sportler der Welt. Dass der 27-jährige Däne dennoch nur sehr wenigen Menschen ein Begriff sein dürfte, liegt daran, dass er weder bei Real Madrid oder Paris Saint-Germain Fußball spielt, noch zu den Wimbledon- oder Super-Bowl-Gewinnern der vergangenen Jahre zählt. Sundsteins Arbeitsplatz besteht aus Stuhl, Tisch, Bildschirm, Maus, Tastatur und Headset. Er ist E-Sport-Profi im Spiel „Dota 2“, einem Computerspiel aus dem Genre Multiplayer Online Battle Arena (MOBA), das zu den Echtzeit-Strategiespielen zählt.

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Mehr als 40 Millionen Preisgeld

Durch zahlreiche Erfolge bei „The International“, dem prestigeträchtigsten Turnier der „Dota-2“-Szene und gleichzeitig am höchsten dotierten eSports-Turnier der Welt, hat es „N0tail“ bis heute auf ein Preisgeld von knapp sieben Millionen US-Dollar gebracht. Insgesamt wären bei dem Event 2020 mehr als 40 Millionen US-Dollar im Preispool gewesen, doch das Turnier fiel der Corona-Pandemie zum Opfer. Im August 2021 soll „The International“ nun als das mit großem Abstand höchstdotierte E-Sport-Turnier der Welt in Stockholm stattfinden. Zum Vergleich: Beim eingangs erwähnten Tennis-Grand-Slam-Turnier in Wimbledon wurden 2019 38 Millionen britische Pfund an die Spielerinnen und Spieler ausgeschüttet.

Im Video: Fünf Fakten zum Thema E-Sport in Deutschland

Auch die Zahl der weltweiten Zuschauer von E-Sport-Veranstaltungen, die unter anderem in sogenannten Streams über Online-Plattformen wie „Twitch“ live übertragen werden, hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich nach oben entwickelt. Waren es 2016 noch 281 Millionen Nutzer, die sich zumindest gelegentlich E-Sport-Events anschauten, belief sich der Wert im Jahr 2019 bereits auf rund 443 Millionen weltweit. Bis 2023 sollen es etwa 646 Millionen Zuschauer sein.

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E-Sport entwickelt sich zum Massenphänomen

Das Thema E-Sport boomt, es ist ein Massenphänomen. Und dennoch hat das kompetitive Spielen von Computer- und Videospielen in Deutschland ein Problem. Denn während E-Sport in über 60 Nationen von etablierten Verbänden des organisierten Sports anerkannt und teilweise vom Staat gefördert wird, schwelt hierzulande seit geraumer Zeit ein Konflikt um die offizielle Anerkennung durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Diese würde vielen professionellen Spielern mittelfristig mehr Sponsorengelder, eine bessere Konkurrenzfähigkeit im internationalen Vergleich und langfristig möglicherweise sogar die Perspektive auf eine Olympiateilnahme ermöglichen. Der DOSB gibt sich bislang jedoch ablehnend und stellte 2019 in einem Gutachten fest, dass sich die E-Sport-Branche in „einer anderen Galaxis“ bewege. Die Fronten sind also verhärtet, ein Ende der Diskussion ist aktuell nicht in Sicht.

Anmeldephase zur Esslinger eSports-EM läuft

E-Sportler mit Potenzial, die von einer Anerkennung profitieren würden, gibt es in Deutschland mehr als genug. So wurde etwa Mohammed „MoAuba“ Harkous als Spieler des eSports-Teams von Fußball-Bundesligist Werder Bremen 2019 in London „FIFA“-Weltmeister. Apropos „FIFA“: Vom 3. bis 6. Juni haben Zocker aus der Region die Möglichkeit, sich bei der Esslinger eSports-EM, die die Eßlinger Zeitung und die Stadtwerke Esslingen gemeinsam veranstalten, im Spiel „FIFA 21“ miteinander zu messen. Gut eine Woche vor dem Beginn der realen Fußball-Europameisterschaft wird die EM dabei als Turnier vor dem Turnier vorab durchgespielt. Gezockt wird in Zweier-Teams, die Anmeldephase läuft noch bis zum 25. April.

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