Leyla und Arif Yunus. Foto: Bulgrin - Bulgrin

Am Donnerstagabend wurde das Festival, das von der Stadtbücherei und der Eßlinger Zeitung gemeinsam veranstaltet wird, von den aserbaidschanischen Menschenrechts-Aktivisten Leyla und Arif Yunus eröffnet.

EsslingenLiteratur kann beglücken, Inspiration und Freude schenken, sie kann unterhalten, nachdenklich machen, Position beziehen, und manchmal wird sie auch zum (Über-)Lebenselixier – so wie für Leyla und Arif Yunus. Die beiden kämpfen seit vielen Jahren für Freiheit und Menschenrechte in ihrer Heimat Aserbaidschan. Dafür mussten sie Bedrohung, Verfolgung und Haft erdulden. Für ihren politischen Mut und ihre Aufrichtigkeit wurde Leyla Yunus 2013 mit dem Theodor-Haecker-Preis der Stadt Esslingen ausgezeichnet.Und es war ein wohl gesetztes Zeichen, dass sie und ihr Ehemann Arif gestern die 24. Esslinger Literaturtage eröffnet haben. Immerhin spielt die Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftspolitischen Themen während des Lektüre-Festivals, das von der Stadtbücherei und der Eßlinger Zeitung gemeinsam veranstaltet wird, stets eine wesentliche Rolle.

Während ihrer Zeit im Gefängnis entstand ein Buch, in dem Leyla und Arif Yunus über ihr Engagement gegen die Willkürherrschaft und Korruption in Aserbaidschan und über ihre Erfahrungen in der Zeit der Gefangenschaft schreiben. Was die beiden daraus zum Auftakt der Literaturtage lasen, hat viele Zuhörer tief berührt.

Bis 2. Dezember verspricht die LesART noch viele literarische Begegnungen, die beim Publikum lange nachklingen werden. 33 Autorinnen, Autoren und Musiker werden in 34 Veranstaltungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu erleben sein. Und wie immer haben Bücherei-Leiterin Gudrun Fuchs und ihre Programm-Macherinnen Renate Luxemburger und Bettina Langenheim einige der bemerkenswertesten Vertreter des aktuellen Literaturbetriebs engagiert.

OB Zieger: Literaturtage sind "Markenzeichen"

Das lässt OB Jürgen Zieger ein gelungenes Festival erwarten: „Ich wünsche der Stadtbücherei und ihrem Publikum, dass sich die 24-jährige Erfolgsgeschichte der Esslinger Literaturtage LesART fortsetzen wird, damit sie unsere Stadt in der Region und darüber hinaus ins Gespräch bringt und Esslingen einmal mehr in einen unverwechselbaren Ort des literarischen Lebens verwandelt. Im anhaltend großen Erfolg der LesART spiegelt sich auch die Bedeutung der Stadtbücherei als zentrale Bildungs- und Kultureinrichtung wider.“ Dass es gelungen ist, die Literaturtage zum Markenzeichen zu machen, rechnet Zieger nicht nur den Organisatorinnen hoch an, sondern auch dem Mitveranstalter Eßlinger Zeitung, der das Festival „von Anfang an mit uns präsentiert und dazu beiträgt, die LesART einem breiten Publikum nahe zu bringen“.

In seinen Dank schloss der OB die Stiftung Kreissparkasse, den örtlichen Buchhandel und vor allem das Publikum ein, das die Literaturtage „mit großem Interesse und aufgeschlossen für Neues“ begleite. Besonders freute sich der OB über die Eröffnungs-Gäste: „Mit Leyla Yunus und Arif Yunus kommen zwei aufrechte Kämpfer für demokratische Grundwerte und Menschenrechte nach Esslingen, die stets Mut zu eigenständigem Denken und Handeln bewiesen haben bis hin zur Gefährdung des eigenen Lebens.“

EZ-Chefredakteur Gerd Schneider hätte sich keinen passenderen LesART-Auftakt wünschen können: „Angesichts der politischen Umbrüche in der Welt ist die Frage nach Freiheit, Demokratie und Menschenrechten aktueller denn je. Dabei denken wir nicht nur an Länder wie Aserbaidschan. Die Entwicklung in den USA, Ungarn, Polen oder Italien muss uns zu denken geben.“ Dass Veranstaltungen wie die LesART immer wieder daran erinnern, dass Freiheit jeden Tag aufs Neue bewahrt und verteidigt werden will, macht sie nach Schneiders Einschätzung umso wichtiger.

Und er verwies auf ein Büchlein des US-Historikers Timothy Snyder, der in 20 Lektionen erläutert, was zu tun ist, um drohende Tyrannei abzuwehren. Einige wesentliche Gedanken des Historikers legte Gerd Schneider dem Publikum ans Herz: „Geht sorgsam mit der Sprache um, lest Bücher, liebt die Wahrheit und abonniert Zeitungen.“ Dass Tyrannen und Autokraten eine große Aversion gegen Autoren und Journalisten an den Tag legen, zeige die Bedeutung von Literatur und Journalismus. Gefordert sei jedoch jeder, dem Freiheit und Demokratie am Herzen liegen: „Es ist höchste Zeit, dass wir unsere passive Haltung aufgeben. Die Bedrohung ist so greifbar wie lange nicht. Deshalb sind Festivals wie die LesART so wichtig.“

Eine ausführliche Besprechung der Lesung von Leyla und Arif Yunus aus ihrem neuen Buch „Vom sowjetischen Lager zum aserbaidschanischen Gefängnis“ folgt in unserer Samstagausgabe.

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