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Während bei der CDU ein Zweikampf entbrennen könnte, haben sich die Grünen festgelegt: Veronika Kienzle soll OB werden. In der Union wird nun Backnangs OB Nopper favorisiert.

StuttgartWährend bei der CDU einen Tag nach der Absage des Wunschkandidaten Richard Arnold noch Verunsicherung herrscht, wie es nun weitergeht, ist die politische Konkurrenz der Union schon einen Schritt voraus. Am Dienstag wollen die Grünen ihren Bewerber für die Nachfolge des Parteifreunds Fritz Kuhn präsentieren – und die Entscheidung scheint gefallen zu sein: Nach Informationen unserer Zeitung soll die bisherige Bezirksvorsteherin des Bezirks Mitte, Veronika Kienzle, für die Grünen ins Rennen gehen. Der Parteivorstand wollte dies zunächst weder bestätigen noch dementieren, sondern verwies auf die für Dienstagvormittag anberaumte Pressekonferenz.

Kienzle war schon in den vergangenen Tagen hoch gehandelt worden, nachdem sich die Partei nach dem überraschenden Verzicht von OB Fritz Kuhn auf eine zweite Amtszeit diverse Absagen prominenter Grünen-Politiker eingehandelt hatte, darunter Landtagspräsidentin Muhterem Aras und der Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir. Die 57-Jährige ist hauptberuflich Referentin im Staatsministerium bei der Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung, Gisela Erler. Bekannt ist Kienzle aber vor allem als jahrelange ehrenamtliche Bezirksvorsteherin von Stuttgart-Mitte. Sie saß zudem für die Grünen von 1997 bis 1999 im Stuttgarter Gemeinderat. Schon bei der Wahl vor acht Jahren war Kienzle im Gespräch gewesen, bevor dann der Amtsinhaber Fritz Kuhn seinen Hut in den Ring warf.

Rücksicht auf Kaufmann?

Bei der CDU ist dagegen noch alles offen. Nach Informationen unserer Zeitung hatte die Findungskommission eigentlich geplant, den Schwäbisch Gmünder Rathauschef Arnold am kommenden Wochenende zum offiziellen Bewerber zu küren. Aus Parteikreisen heißt es, mit Arnold wären die Chancen, den nächsten Stuttgarter Oberbürgermeister zu stellen, wohl am größten gewesen. Doch das ist Schnee von gestern: In einem Schreiben an die Parteifreunde in der Landeshauptstadt hatte Arnold am Mittwoch zwar wortreich ein Programm für den nächsten Stuttgarter Rathauschef entworfen, am Ende aber doch erklärt, er sehe auch aus persön­lichen Gründen seine Zukunft und Aufgaben weiterhin in Schwäbisch Gmünd.

Parteifreunde vermuten freilich, dass auch andere Gründe ausschlaggebend gewesen sind. Arnold ist mit dem Stuttgarter CDU-Kreischef Stefan Kaufmann befreundet, dem selbst Ambitionen auf eine Kandidatur nachgesagt werden. Vor einer Kampfkandidatur gegen den Bundestagsabgeordneten habe Arnold zurückgescheut, heißt es. Arnold hatte offenbar Signale, dass Kaufmann, der seit Monaten intern keinen Zweifel an seiner Eignung als OB-Kandidat lässt, antreten will. Erklärt hat er diese Absicht am Donnerstag nicht – aber auch nicht seinen Verzicht.

Auch deshalb herrscht in der Union nun eine gewisse Ratlosigkeit über das weitere Prozedere. Die vom CDU-Kreisvorstand unter Führung von Kaufmann eingesetzte Findungskommission hatte sich eigentlich wie berichtet einmütig darauf verständigt, einen Bewerber mit Verwaltungs- und OB-Erfahrung von außerhalb ins Rennen zu schicken. Das war als Wink mit dem Zaunpfahl an die drei einheimischen Aspiranten Kaufmann, den Ratsfraktionschef Alexander Kotz und die Bundestagsabgeordnete Karin Maag zu verstehen, dass man ihnen keine Siegchancen einräumt. Es fehle den Lokalmatadoren an Charisma, sagen Parteifunktionäre hinter vorgehaltener Hand. Während Kotz und Maag die Ausbootung zur Kenntnis genommen haben, betonte Kaufmann, das letzte Wort habe der Nominierungsparteitag am 21. März.

Zerreißprobe um Kandidatur

In der CDU werden nun verschiedene Szenarien diskutiert. Führende Köpfe der Kreispartei rechnen fest damit, dass Kaufmann nach Arnolds Rückzieher nun selbst sein Interesse offiziell kundtut. In diesem Fall hat die Findungskommission mehrere Möglichkeiten: Sie könnte Kaufmann doch noch auf den Kandidatenschild heben, um Streit in der Partei zu vermeiden. Das Gremium könnte sich aber auch auf einen anderen Bewerber – etwa den Backnanger OB Frank Nopper, der ebenfalls viele Fürsprecher in Stuttgart hat – einigen. Nopper stamme aus Stuttgart und habe in Backnang gute Arbeit geleistet, heißt es in Parteikreisen. Der 58-Jährige, der sich schon 2012 als Kompromisskandidat im Konflikt zwischen dem parteilosen Werbeprofi Sebastian Turner und seinem Konkurrenten Andreas Renner angedient hatte, sei wild entschlossen, anzutreten, notfalls gegen Kaufmann.

In diesem Fall hätte der Kreisvorsitzende die Wahl: Entweder lässt er es auf eine Kampfkandidatur ankommen, die die CDU wie schon vor acht Jahren anlässlich der vorigen OB-Wahl spalten könnte, oder er überlässt dem Konkurrenten das Feld – aus Einsicht, dass er auf dem Parteitag keine Mehrheit hinter sich bringen würde. Einflussreiche CDU-Granden schließen auch eine andere Konstellation nicht aus. Die beiden aussortierten Lokalmatadore Kotz und Maag könnten sich im Fall von Kaufmanns Bewerbung ermutigt fühlen, selbst wieder auf den Plan zu treten. Auch das würde die CDU vor eine Zerreißprobe stellen. Der oder die Verlierer müssten sich nachsagen lassen, ihr persönlicher Ehrgeiz habe den Wahlsieg verhindert. Dass sich die Partei geschlossen hinter einem der Stuttgarter versammelt, halten Insider für unwahrscheinlich.

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