Walter Reber freut sich über den guten Rückhalt, den die ARGE in der Gemeindeverwaltung hat. Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger - Ulrike Rapp-Hirrlinger

Um sich zu unterstützen, hat sich die Arbeitsgemeinschaft Denkendorfer Vereine vor 50 Jahren gegründet. Der Rückhalt in der Gemeinde sei gut, sagt der Vorsitzende Walter Reber.

DenkendorfVor 50 Jahren wurde die Arbeitsgemeinschaft Denkendorfer Vereine (ARGE) gegründet. Sie vertritt gemeinsame Interessen der örtlichen Vereine und organisiert regelmäßig zwei große Veranstaltungen – das Schlehenfest und den Weihnachtstreff. Doch sie will auch Stimme und Vertretung der Vereine gegenüber der Gemeinde sein und das Ehrenamt fördern. Walter Reber ist seit knapp vier Jahren Vorsitzender der ARGE. Im EZ-Interview spricht er über die Anfänge und die aktuellen Herausforderungen.

Wie entstand die Idee zur Gründung der ARGE?
Die Gemeinde Denkendorf wuchs in den 1960er-Jahren stark und damit auch die Mitgliederzahlen der Vereine. Veranstaltungen wie Jubiläen und Feste der einzelnen Vereine wurden größer und personalaufwendiger. Einzelne Vereine hatten Schwierigkeiten größere Veranstaltungen wie ein mehrtägiges Fest alleine zu stemmen. So entstand das Bewusstsein, dass man sich gegenseitig helfen muss. Dazu kam ein gestärktes Selbstbewusstsein der Vereine. Die Anerkennung ihrer kulturellen Bedeutung innerhalb der Gemeinde sollte verstärkt werden. Gründungsvereine waren Gesangverein (heute Liederkranz Eintracht), Freiwillige Feuerwehr, CVJM, RKV, Musikverein, Kleintierzuchtverein, Obstbauverein (heute Obst- und Gartenbauverein), TSV und Schwäbischer Albverein.

Welche Rolle spielte die Kommune?
Die Gemeindeverwaltung – insbesondere Altbürgermeister Walter Dieterich – förderte den Zusammenschluss der Vereine unter dem Dach der ARGE. Er wünschte sich einen direkten Ansprechpartner, den er mit der ARGE bekam. Bis heute unterstützt uns die Gemeinde sowohl finanziell als auch personell. So helfen uns die Mitarbeiter des Bauhofs bei Festen etwa bei Auf- und Abbau. Das Hauptamt unterstützt uns bei administrativen Aufgaben. Außerdem deckt die Kommune ein eventuelles Defizit bei Schlehenfest und Weihnachtstreff ab. Wir haben einen guten Rückhalt in der Gemeinde.

Wie ist die ARGE organisiert?
Jeder Mitgliedsverein hat eine Stimme, egal ob klein oder groß. Für bestimmte Aufgaben wie Programmplanung oder Auf- und Abbau bei Festen gibt es Ausschüsse. Jeder steuert bei, was er kann. Wir sind kein eingetragener Verein. Mitglied werden kann bei uns jeder Verein mit Ausnahme politischer oder parteiähnlicher Vereinigungen. Es ist uns wichtig, unabhängig zu sein. Die Mitgliedschaft ist kostenlos. Wir wünschen uns aber natürlich eine möglichst aktive Mitarbeit.

Was waren die Ziele des Zusammenschlusses?
Ziele der ARGE waren und sind die Zusammenarbeit bei größeren Festen. Auch wollte man sich gegenseitig sowohl bei der Programmgestaltung als auch bei der Bewirtschaftung der jeweiligen Vereinsfeste unterstützen. Wichtig war auch, Termine abzustimmen, damit möglichst keine zwei Veranstaltungen an einem Tag stattfinden. 1973 hat die ARGE das erste Gemeindefest organisiert. 1975 und 1977 folgten ein weiteres Gemeindefest und ein Straßenfest. Ein besonderes Highlight war 1979 die 850-Jahr-Feier, die ARGE und Kommune gemeinsam durchführten. Inzwischen organisieren wir jedes zweite Jahr das Schlehenfest, zu dem an den drei Festtagen zwischen 15 000 und 20 000 Besucher kommen, und jährlich den Weihnachtstreff. Wir verstehen uns aber auch als Interessensvertreter und Sprachrohr der Vereine gegenüber der Kommune.

Welche Rolle spielen die Vereine?
Ohne die Vereine gäbe es keine ARGE. Sie sind Garant für das Fortbestehen der ARGE. Anfangs gab es noch ein gewisses Konkurrenzdenken unter den Vereinen. Davon sind wir heute weit entfernt. Anders als in der Anfangszeit ist es inzwischen selbstverständlich, dass die Vereine sich gegenseitig unterstützen.

Wie hat sich die ARGE in 50 Jahren entwickelt?
Anfangs waren wir neun Vereine mit rund 2000 Mitgliedern. Heute gehören 52 Vereine mit etwa 5000 Mitgliedern der ARGE an. Wir freuen uns, wenn neue Vereine gegründet werden und eine Mitgliedschaft in der ARGE beantragen. Neben den traditionellen Veranstaltungen wie Schlehenfest und Weihnachtstreff sowie der Koordination der Termine unterstützen wir die Vereine bei Fragen von allgemeiner Bedeutung, wie der Anerkennung des Ehrenamts, Rechtsfragen bei der Vereinsarbeit, etwa der Jugendschutz.

Welche Herausforderungen stellen sich aktuell?
Es ist schwieriger geworden, Menschen zu gewinnen, die in den Vereinen auf Dauer Funktionen ausüben. Eher gelingt es, Bürgerinnen oder Bürger für ein zeitlich begrenztes Projekt zu gewinnen. Eine feste Bindung über einen längeren Zeitraum von mehreren Jahren ist wegen unseres geänderten Freizeitverhaltens und der beruflichen Situation oft schwierig. Das bringt die Vereine auch organisatorisch in Schwierigkeiten. Wir versuchen, unsere Mitglieder bei Fragen und Aufgaben, die alle betreffen, zu unterstützen. Außerdem ist unsere Idee, dass vor allem administrative Aufgaben zentral von der Gemeinde übernommen werden könnten. Aber da sind wir noch im Findungsprozess. Auch überlegen wir derzeit, wie man das Ehrenamt halten und auch würdigen kann.

Was tut die ARGE dafür?
Derzeit wird durch die Gemeinde Denkendorf in Verbindung mit der ARGE die Aktion „mit Denkendorf machen“ durchgeführt. In Zusammenarbeit mit den Vereinen und interessierten Bürgern wollen wir herausfinden, welche Bedürfnisse in unserer Gemeinde vorhanden sind, um unser intaktes Vereinsleben aufrecht zu erhalten und entsprechende Ehrenamtliche für eine Mitarbeit zu gewinnen. Wir wollen auch erfahren, wo die Vereine Unterstützung brauchen. Außerdem überlegen wir, wie wir die ehrenamtlich in den Vereinen Tätigen stärker fördern können.

Das Interview führte Ulrike Rapp-Hirrlinger.

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