Lina Baach gefällt, dass ihr Heimatort Reichenbach so schön im Grünen liegt. Sie macht sich dafür stark, dass nicht weitere Flächen zugebaut werden. Foto: Bulgrin - Bulgrin

Lina Baach war gerade 20, als sie zum ersten Mal für die Grünen in den Reichenbacher Gemeinderat gewählt wurde. In diesem Jahr führt sie die grüne Liste an und kandidiert auch für den Kreistag.

Reichenbach Das Leben in einer eher ländlich geprägten Kommune ist nicht bei allen jungen Leuten angesagt. Kaum haben sie den Schulabschluss in der Tasche, machen sich viele Richtung (Groß-)Stadt vom Acker. Nicht so Lina Baach. Die 25-Jährige ist in Reichenbach aufgewachsen und ihrem Heimatort treu geblieben. „Städte reizen mich gar nicht“, sagt sie. „Ich finde es toll, dass ich von zuhause aus in zwei Minuten in der Natur bin.“ Und sie genießt es, „durch den Ort zu gehen und viele Leute zu treffen, die ich kenne“.

Lina Baach wohnt aber nicht nur in Reichenbach. Die junge Frau engagiert sich auch dort. Sie war gerade 20, als sie für die Grünen in den Gemeinderat gewählt wurde. Obwohl sie in den vergangenen Jahren erlebt hat, wie schwer sich mitunter Studium, Nebenjob, Praktika und Abschlussarbeiten mit dem kommunalpolitischen Engagement vereinbaren lassen, stellt sie sich am 26. Mai wieder zur Wahl – dieses Mal führt sie die grüne Liste sogar an. „Ich finde es einfach wichtig, dass aus allen Altersgruppen Leute im Gemeinderat vertreten sind“, sagt sie. Ein wenig möchte sie auch Vorbild sein und Jugendliche motivieren, „sich für den Ort, in dem sie leben, einzusetzen“ – ob in einem Verein, einer Partei oder eben im Gemeinderat. „Noch haben wir eine ganze Reihe Vereine in Reichenbach. Wenn man nur nimmt, aber nichts gibt, dann wird das eines Tages nicht mehr funktionieren.“

Dass sie einmal im Gemeinderat die Stimme erheben wird, gehörte nicht zu Lina Baachs Lebensplan. Zur Kommunalpolitik ist sie eher zufällig gekommen. „Auf einer Anti-AKW-Demo gegen Fukushima in Stuttgart habe ich einen Reichenbacher getroffen, der bei den Grünen ganz aktiv ist“, erinnert sich die junge Frau. Auch damals stand die Kommunalwahl bevor. „Und da hat er mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte auf der grünen Liste zu kandidieren.“ Lina Baach zögerte nicht lange. „Ich wollte einfach die gute Sache unterstützen und dabei helfen, Stimmen zu sammeln. Denn ich finde es beängstigend, dass vielen Leuten inzwischen alles egal ist.“ Der überraschende Wahlerfolg hat sie damals fast ein wenig erschreckt. „Mir war schon klar, dass es bei der Kommunalwahl um Personen geht“, sagt die studierte Umwelttechnikerin, die gerade ihre Masterarbeit schreibt. „Aber dass ich so großes Vertrauen genieße und man mir so viel Verantwortung überträgt, hätte ich nie gedacht.“ An ihr Debüt im Reichenbacher Gemeinderat kann sich Lina Baach noch gut erinnern. „Am Anfang habe ich mich nicht getraut, was zu sagen. Denn da sitzen ja viele Ältere mit ganz viel Erfahrung drin.“ Dank ihrer „coolen Fraktion“ und den Kolleginnen und Kollegen der anderen Fraktionen, „die alle sehr nett und offen waren“, ist die anfängliche Schüchternheit längst verflogen.

Wie viel Zeit das Ehrenamt beansprucht, wurde Lina Baach bald klar. „Fürs Handballspielen habe ich leider keine Zeit mehr.“ Das Studium und die Kommunalpolitik unter einen Hut zu bringen, auch das war nicht immer einfach. „Ein Wahlfach konnte ich nicht belegen, weil die Vorlesungen mit den Sitzungen des Gemeinderats kollidiert sind.“ Besonders stressig waren die Prüfungsphasen. „Da habe ich dann nach der Sitzung oft noch was fürs Studium getan“, erzählt die 25-Jährige, die seit ihrem 16. Lebensjahr nebenher in einem Laden in Stuttgart jobbt. „Das frisst natürlich auch Zeit.“ Dass sie mit dem Zug sowohl problemlos zum Studium nach Esslingen, als auch zum Job nach Stuttgart kommt, freut die Gemeinderätin, die auch im Ausschuss für Technik und Umwelt sitzt. „Es ist schon ein bisschen Luxus, in einem Dorf mit Bahnhof zu leben.“ Den ÖPNV weiter auszubauen und das Radfahren attraktiver zu machen, steht ebenso auf ihrer kommunalpolitischen Agenda, wie den Flächenfraß zu stoppen. „Es ist mir ganz wichtig, dass wir in Reichenbach keine Außenentwicklung mehr betreiben.“

Ob sie bei den diesjährigen Kommunalwahlen noch einmal kandidiert, „habe ich mir lange überlegt“, erzählt Lina Baach. Da sie bald ihren Masterabschluss in der Tasche haben wird, steht die 25-Jährige vor einer Zäsur. In die Ferne zieht es sie nicht. „Mir ist auch meine Familie sehr wichtig, und deshalb möchte ich zum Arbeiten nicht allzu weit weg.“ So hofft die Ingenieurin, dass sie in der Region eine Stelle findet. Oder sie entschließt sich doch noch, zu promovieren. „In die Wissenschaft zu gehen, das würde mich auch sehr reizen.“

In dieser Serie stellt die EZ Gemeinderäte und -rätinnen sowie Kreisräte und -rätinnen aus verschiedenen Gemeinden vor. Sehr junge Ratsmitglieder, sehr erfahrene Räte, Personen mit unterschiedlichsten Erfahrungshorizonten.

Kandidaten zu den Gemeinderatswahlen im Kreis Esslingen finden Sie im Wahlportal der Eßlinger Zeitung unter https://wahlen.esslinger-zeitung.de.

Zur Person

Lina Baach, die für die Grünen im Reichenbacher Gemeinderat sitzt, war gerade 20 Jahre alt, als sie vor fünf Jahren zum ersten Mal gewählt wurde. Geboren wurde sie im März 1994 in Kirchheim, ihr Leben hat sie jedoch in Reichenbach verbracht und dort unter anderem Handball gespielt. Nach dem Abitur am Plochinger Gymnasium hat sie zunächst in der Diakonie Stetten ein Freiwilliges Soziales Jahr gemacht. Da ihr Mathe und Physik in der Schule großen Spaß gemacht haben, hat sie an der Hochschule Esslingen Umwelttechnik studiert, als Bachelor abgeschlossen und den Masterstudiengang Umweltschutz draufgesattelt, bei dem die Hochschulen in Esslingen, Reutlingen, Stuttgart und Nürtingen-Geislingen kooperieren. Zurzeit schreibt die 25-Jährige ihre Masterarbeit. Lina Baach kandidiert sowohl für den Reichenbacher Gemeinderat, als auch für den Kreistag.

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