Das Land möchte die Oehlerkreuzung im Sommer umgestalten, weil die Strecke dann ohnehin wegen der Arbeiten an der Murrbrücke gesperrt sein wird. Foto: KS-Images.de/Karsten Schmalz)

Im Sommer soll auf der Straße von Marbach nach Murr (Kreis Ludwigsburg) nicht nur die Murrbrücke erneuert, sondern auch die Oehlerkreuzung umgestaltet werden. Das sorgt für Zoff.

Im Hinblick auf all das, was im und bis zum Sommer auf der Landesstraße 1100 zwischen Marbach und Murr geschehen soll, überschlagen sich gerade die Ereignisse. Am Wochenanfang hatte das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) mitgeteilt, dass die Murrbrücke vor dem Abzweig nach Benningen unter Vollsperrung, aber dafür im Expresstempo, neu gebaut werden soll. Zuvor hatte es geheißen, der Verkehr werde so gut wie immer an der Engstelle vorbeifließen können, weil die jetzige abgängige Brücke durch zwei neue Brücken ersetzt werde. Die alte Konstruktion wäre erst abgerissen worden, sobald die erste der beiden neuen hätte passiert werden können.

In der Gemeinderatssitzung am Donnerstag in Marbach ließ Andreas Klein vom Baureferat West der Behörde nun gleich zwei neue Bomben platzen.

Klein verkündete zunächst, dass alsbald eine separate Busspur entlang der Kläranlage Häldenmühle und parallel zur Landesstraße 1100 errichtet werden soll. Damit will man sicherstellen, dass der ÖPNV zumindest nicht zu lange und insbesondere nicht ab dem Schulbeginn nach den großen Ferien durch die Baustelle ausgebremst wird. Die Busspur soll als Provisorium angelegt werden.

Überraschend ist die Nachricht deshalb, weil das Projekt zuletzt auf Eis lag. Die Gemeinde Oberstenfeld hatte kein Geld dafür bereitgestellt. Und Bedingung für die Realisierung war eigentlich, dass sich alle Kommunen im Bottwartal zwischen Marbach und Beilstein an den Kosten beteiligen. Doch nun die Kehrtwende, zumindest im Hinblick auf das Provisorium. Dieses sei „Teil der Baumaßnahme“ an der Murrbrücke und werde darüber finanziert, erklärt Franziska Schuster, Pressesprecherin des Landratsamts. Bis zum Beginn der Vollsperrung der Brücke Ende Juli solle die Trasse fertiggestellt sein.

An der Oehlerkreuzung sollen die Bagger anrücken

Gegen Ende seines Vortrags im Gemeinderat wartete Andreas Klein vom Regierungspräsidium schließlich mit der zweiten Neuigkeit auf. Das Land wolle in diesem Jahr auch an der Oehlerkreuzung bei Marbach die Bagger anrücken lassen. Der Knotenpunkt liegt nur wenige hundert Meter vor der Murrbrücke auf derselben Straße. Seit Jahren wird auch über dieses Projekt diskutiert. Angestrebt wird, die Kreuzung auszubauen, um den Verkehrsfluss zu verbessern. Zudem soll für Radler und Fußgänger eine Unterführung entstehen. Der Zeitpunkt der Umsetzung stand jedoch in den Sternen – bis Donnerstagabend.

Wobei es noch nicht endgültig in trockenen Tüchern ist, dass die neuralgische Stelle tatsächlich 2026 modifiziert wird. Dazu muss auch die Stadt Marbach mitspielen. Und wie Andreas Klein betonte, bestehe mit der Kommune noch Klärungsbedarf. „Es gibt zwei Möglichkeiten. Die Oehlerkreuzung wird im Sommer umgebaut – oder es gibt nur eine Deckensanierung“, sagte Klein.

„Es gibt zwei Möglichkeiten. Die Oehlerkreuzung wird im Sommer umgebaut – oder es gibt nur eine Deckensanierung.“

Andreas Klein, Regierungspräsidium Stuttgart
Die Murrbrücke hat Schäden, muss deshalb erneuert werden. Foto: Werner Kuhnle

Das Land würde die Umgestaltung des Knotenpunkts im großen Stil gerne im Windschatten der Bauarbeiten an der Murrbrücke in Angriff nehmen, wenn auf der Strecke ohnehin keine Autos rollen. Bei der Verbreiterung des Straßenraums in Richtung Neckar müsste man aber auch auf städtische Flächen zugreifen, sagt RP-Pressesprecherin Andrea Panitz. Man brauche das Einverständnis der Kommune für Gehölzarbeiten in diesem Bereich. Diese müssten jedoch bis Ende Februar über die Bühne gegangen sein, um im Sommer die Kreuzung umbauen zu können.

Stellt sich die Stadt quer, wird das RP laut Panitz im Sommer lediglich den schadhaften Belag ausbessern lassen. Die Umgestaltung müsse dann zu einem späteren Zeitpunkt angepackt werden. Und das werde eine neuerliche Vollsperrung nach sich ziehen. Ein Szenario, mit dem schon Andreas Klein im Gemeinderat gedroht hatte.

Stadt will lieber eine Brücke statt einer Unterführung

Konfliktpotenzial zwischen Stadt und Land gibt es aber auch hinsichtlich der Art der Umgestaltung. Die Kommune wurde zum Beispiel nie richtig warm mit der Unterführung. Sie hätte eine Brücke als Querungshilfe bevorzugt und favorisiert diese Variante weiter – obwohl sich diese Lösung als sehr kostspielig entpuppt hatte.

Richtig verschnupft ist die Stadt aber, weil sie die Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium und dessen Informationspolitik, vorsichtig formuliert, für verbesserungsfähig hält. „Vieles passiert im Hauruckverfahren über unseren Kopf hinweg. Es erfolgt keine rechtzeitige und vernünftige Abstimmung zu so zentralen Punkten wie dem Verkehr“, bemängelt der Bürgermeister Jan Trost. Seit dem Sommer sei beim RP bekannt gewesen, dass die Brücke per Schnellbauweise unter Vollsperrung erneuert werden solle. Da hätte man erwarten können, frühzeitig einbezogen zu werden, um die lokale Expertise einfließen lassen zu können, findet Trost.

Nachricht zur Busspur kommt wie aus heiterem Himmel

Die Brücke über die Murr soll innerhalb von nur 75 Tagen erneuert werden. Foto: Werner Kuhnle

Erst am Mittwoch sei man zudem per Anruf darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass die Oehlerkreuzung ebenfalls ausgebaut werden soll. „Davon sind wir völlig überrumpelt worden“, erklärt Trost. Die Nachricht mit dem provisorischen Bau der separaten Busspur sei ebenfalls wie aus heiterem Himmel gekommen.

Der Bürgermeister betont jedoch auch, dass man im Hinblick auf den Ausbau der Oehlerkreuzung im Sommer gesprächsbereit sei. Aber daran hingen einige Dinge, die erst geklärt werden müssten. „Und es bedarf einer Kommunikation auf Augenhöhe und vor allem einer frühzeitigen und vertrauensvollen Einbindung einer Kommune bei so etwas“, erklärt er.