Mächtig Stimmung in der Wir-Machen-Druck-Arena – auch Andrea Berg ist unter den Zuschauern. Foto: Eva Herschmann

Beim Fußball-Pokalspiel der SG Sonnenhof Großaspach gegen Bayer Leverkusen hat sich wieder gezeigt, dass beim Dorfklub Spieler, Ehrenamtliche und Fans zusammenstehen.

Vor dem Pokalspiel der Fußballer der SG Sonnenhof Großaspach gegen die von Bayer 04 Leverkusen sind die fünf Städlers – Dauerkartenbesitzer aus Bad Friedrichshall – optimistisch. Junus, acht Jahre, hat am Freitag seinen Glücksbringer übergestreift, ein Trikot vom FC Barcelona. Die 16-jährige Laura, ihre zwei Jahre ältere Schwester Leonie, Papa Jörg und Mama Katja sind im Trikot der Heimmannschaft in die ausverkaufte Wir-Machen-Druck-Arena gekommen. Während sie sich vor dem Spiel mit Pommes und Getränken gestärkt haben, laufen hinter den Kulissen die letzten Vorbereitungen für das Spiel zwischen dem selbsternannten „Dorfklub“ aus der Regionalliga und dem amtierenden deutschen Vize-Meister.

Für den Heimverein und seinen Trainer Pascal Reinhardt ist die Erstrundenbegegnung im deutschen Pokalwettbewerb ein Jahrhundertspiel. Das gilt auch für die Ehrenamtlichen. Schiedsrichterbetreuer Markus Jung hat um 16 Uhr die Unparteiischen persönlich in Empfang genommen und in die Kabine gebracht, in der Kaffee, Kuchen, gekühlte und ungekühlte Getränke für Michael Bacher und seine beiden Assistenten Felix Grund und Luca Schlosser bereitgestanden sind. „Und eine Tafel mit allen wichtigen Informationen zu den örtlichen Begebenheiten in der Wir-Machen-Druck-Arena“, so Jung.

Ohne Ehrenamtliche läuft im Verein nichts

„Der Dorfklub ist anders als andere Vereine, wir würden es ohne Ehrenamt gar nicht packen, und das zeichnet uns auch aus“, sagt Andrea Shakoor, die hauptberuflich bei der Gemeinde in Aspach arbeitet und bei der SG Sonnenhof-Großaspach für die VIP-Betreuung zuständig ist. Im Alter von sechs Jahren ist sie in die Spvgg Großaspach eingetreten, in der ihr Vater in der Fußballabteilung engagiert war.

Andrea Shakoor ist für die VIP-Betreuung zuständig. Foto: Eva Herschmann

Andrea Shakoor ist am Freitag an allen Ecken und Enden gefragt. Der Auflauf an Prominenz ist nicht zu vergleichen mit dem Aufkommen an einem gewöhnlichen Regionalligaspiel. „Es sind Scouts und Vertreter aus Vereinen von der dritten Liga bis zur Bundesliga da.“ Die Leute kämen halt gerne nach Aspach, fühlten sich hier wohl und gut betreut, erzählt sie. „Sie loben das ganze Drumherum. Wir haben aber auch ein Schmuckkästchen als Stadion, eine gute Gastronomie und bieten mehr als nur sportliches Stadionflair.“ Vom Spiel bekommt Andrea Shakoor bis auf das Ergebnis nicht viel mit. „Aber wenn alle satt und versorgt sind, können wir normalerweise schon mal spicken.“

Markus Jung hat eigentlich frei, sobald das Schiedsrichtergespann auf dem Spielfeld gefordert ist. Dann kann er sich unter die Zuschauer auf der Haupttribüne mischen, auf der am Freitag auch Schlagerkönigin Andrea Berg und ihr Gatte Ulrich Ferber den Gastgebern die Daumen drücken. Doch diesmal ist Jung, der seit 1977 im Verein ist und in der Jugend selbst Fußball gespielt hat – „Da haben unsere Herren noch in der Kreisliga A gekickt“ – auch während des Spiels gefordert. Als nach dem Starkregen noch ein Gewitter mit Hagel über Großaspach ausbricht und Bacher die klatschnassen Spieler in die Kabine schickt, spurtet er sofort los. „Ich hab schnell vier Handtücher zum Abtrocknen vom Zeugwart der ersten Mannschaft organisiert“, sagt Markus Jung. An alles haben die Organisatoren gedacht und alle Auflagen des Deutschen Fußball-Bunds erfüllt – und sie stellen sich auch gegen die Unbilden des Wetters.

An Sieg für die SG Sonnenhof Großaspach geglaubt

Familie Städler verlässt nach dem Abpfiff, der wegen der Unterbrechung erst gegen 20.30 Uhr erfolgt, rasch ihre Plätze auf der Haupttribüne, um sich auf den rund einstündigen Heimweg zu machen. Leonie hatte fest an einen knappen Sieg für die SG Sonnenhof Großaspach geglaubt, ebenso Papa Jörg. „Die zweite Pokalrunde wäre schon toll gewesen“, sagt er traurig, ist aber auch stolz auf seinen Herzensverein, der sich gegen den Favoriten achtbar verkauft hat.

Jürgen Beerkircher, der Vorstandsvorsitzende der SG Sonnenhof Großaspach, hat insgeheim gehofft, dass sich der Dorfklub mit den Grundtugenden des Fußballs gegen den Bundesligisten durchsetzt. „Wir haben eine Chance, denn es heißt, elf Freunde sollt ihr sein, und genau das sind unsere Jungs“, hat er vorher erklärt. Auch nach dem Ausscheiden durch das 0:4 gegen Leverkusen ist der Club-Präsident nicht allzu enttäuscht. Und mit einer ebenfalls im Vorfeld der Partie getätigten Aussage hat Beerkircher den Nagel auf den Kopf getroffen. „Egal, wie die Begegnung ausgeht, wir haben schon vor dem Anpfiff gewonnen.“ Auch dank der engagierten Ehrenamtlichen des Vereins.