Hörbücher stehen auch bei jungen Leuten hoch im Kurs. Foto: dpa - dpa

Die bundesweite Woche der Sprache und des Lesens möchte auch in Esslingen zeigen, wie facettenreich der Umgang mit Sprache sein kann.

EsslingenSprache ist viel mehr als nur ein Mittel der Verständigung: Sie hilft uns, unsere Gedanken auf den Punkt zu bringen, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, Brücken zu ihnen zu bauen, Unterschiede zu überwinden, Übereinkunft herzustellen und Differenzen auszutragen, und sie eröffnet uns einen Weg, um unserer Fantasie Ausdruck zu verleihen. Wer mit Sprache umzugehen versteht, hat es im Leben leichter. Mit seiner Woche der Sprache und des Lesens hat der Berliner Verein Aufbruch Neukölln eine Initiative gestartet, um Menschen jeden Alters und jeder Kultur durch vielfältige Veranstaltungen den Reichtum der Sprache und des Lesens zu vermitteln. Und was vor einigen Jahren in der Hauptstadt begonnen hatte, zeigt mittlerweile vielerorts Wirkung – nun auch in Esslingen. Dort finden am 21. und 22. Mai vier Veranstaltungen statt, die zeigen sollen, wie facettenreich der Umgang mit Sprache sein kann.

Die Künstlerin Heidi Graf ist Berlinerin, doch sie lebt seit 30 Jahren in Esslingen. Als sie auf die Woche der Sprache und des Lesens aufmerksam wurde, fand sie den Gedanken nicht nur charmant, sondern auch sehr wichtig. Und so beschloss sie, in Esslingen Partner zu suchen, mit denen sie den Gedanken des Berliner Initiators Kazim Erdogan umsetzen könnte: „Teilnehmen und damit Werte mitgestalten kann jeder. Die selbstorganisierten Veranstaltungen dienen der Stärkung demokratischer Haltungen.“ Erdogan gilt als ausgewiesener Fachmann: Er ist Psychologe und Soziologe und ein geschätzter Experte für die Integration von Zugewanderten in Deutschland – als Schirmherrin der Woche der Sprache und des Lesens hat er in diesem Jahr die Bundespräsidenten-Gattin Elke Büdenbender gewonnen.

Auch Stadtbücherei mit im Boot

Und mit Heidi Graf hat der Aufbruch Neukölln auch in Esslingen eine engagierte Fürsprecherin gefunden. Als sie mit dem Gedanken bei möglichen Partnern anklopfte, fand sie sofort offene Ohren – allen voran bei der Stadtbücherei und dem Kommunalen Kino. „Sprache braucht Orte der Begegnung“, weiß die Esslinger Künstlerin, die gespannt ist, ob die Saat aus Neukölln auch hierzulande aufgehen wird. Das Beispiel vieler anderer Städte macht ihr Mut: Schaut man sich in der Republik um, findet man mittlerweile eine ganze Reihe ähnlicher Veranstaltungen, die sich dem gemeinsamen Gedanken verpflichtet fühlen: Sprache zum Erlebnis zu machen und mit ihrer Hilfe für Toleranz, Zusammenhalt und Gemeinsamkeit in unserer Gesellschaft zu werben – auch über kulturelle Grenzen hinweg.

Dass die Esslinger Stadtbücherei mit im Boot ist, ist für deren Vize-Chefin Katrin Hellerich keine Frage: „Sprache und Lesen gehören zu unseren originären Anliegen. Da ist es selbstverständlich, dass wir mitmachen.“ Weil man Literatur nicht nur schwarz auf weiß genießen kann, erläutert Hellerich, wie man sich Hörgenuss auch online in der Bücherei verschaffen kann. „Durch Smartphone und Tablet ist die Nutzung ganz einfach geworden. So kann sich jeder Musik und Hörbücher ganz einfach draufladen und überall hin mitnehmen. Das trägt dazu bei, dass die Nachfrage nach Hörbüchern stetig steigt. Dementsprechend haben wir unsere Angebote ausgebaut.“ Dass junge Leute im digitalen Zeitalter das Schreiben verlernen könnten, fürchtet sie nicht: „Früher hat man oft stundenlang mit Freunden telefoniert – heute nutzt man Möglichkeiten wie Twitter, Instagram oder WhatsApp. Wer darüber mit anderen kommuniziert, muss mit dem geschriebenen Wort umgehen können. Das ist heute eher sogar noch mehr geworden als früher.“

Stadtbücherei: In der Reihe „Leseminis extra“, der Vorlesezeit für Kinder ab fünf Jahren, liest Constanze Schargan am Dienstag, 21. Mai, ab 16 Uhr in der Bücherei (Heugasse 9) die Geschichte „Die Anderen“. Weil die Plätze begrenzt sind, wird um Anmeldung unter Telefon 07 11/35 12-2960 gebeten. Katrin Hellerich zeigt am Mittwoch, 22. Mai, ab 18 Uhr in der Bücherei, wie „Hörgenuss online“ funktioniert. Die Bibliothekarin erklärt, wie Musik und Hörbücher per Smartphone und Tablet genutzt werden können. Wer mag, darf eigene Geräte mitbringen. Anmeldung unter Telefon 07 11/35 12-23 37.

Entenmanns: Im Bistro und Laden am Rathausplatz 6 heißt es am Dienstag, 21. Mai, „Ich lese, also bin ich“. Dann wird der Schauspieler Gerhard Polacek Meisterwerke der humoristischen Literatur vorstellen. Ab 17 Uhr wird ein Dinner serviert, die Lesung beginnt um 19 Uhr. Anmeldung unter Telefon 07 11/255 12 440.

Kommunales Kino: Der Dokumentarfilm „Halbmondwahrheiten“, der die erste deutsche Selbsthilfegruppe für türkischstämmige Männer vorstellt, läuft am Mittwoch, 22. Mai, ab 18.30 Uhr im Koki. Der Psychologe Kazim Erdogan, der die Gruppe gegründet hat, wird nach der Vorstellung mit der Esslinger Anwältin und Soroptimist-Vizepräsidentin Gudrun Weckmann-Lautsch und Moderatorin Alexa Conradi diskutieren. Platzreservierung unter www.koki-es.de

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