Der Eingangsbereich des neuen Mövenpick-Hotels: Unter dem Einfluss des Designers Matteo Thun ist er als grüne Oase konzipiert worden. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth - Lichtgut/Achim Zweygarth

Direkt neben der Landesmesse sind 262 weitere Hotelzimmer in Betrieb gegangen. Das ist offenbar erst der Anfang: In Stuttgart soll die Zahl der Zimmer weiter steigen.

StuttgartJürgen Köhler kann sich glücklich schätzen. Der Stuttgarter Statthalter von Mövenpick verfügt nun über weitere 262 Zimmer, einen zweiten und noch größeren Ballsaal, ein weiteres Restaurant und eine weitere Hotelbar. Denn ein paar Hundert Meter vom Mövenpick-Hotel Stuttgart Airport entfernt hat das Mövenpick-Hotel Stuttgart Messe & Congress eröffnet. Auch in dem Haus hat der italienische Designer Matteo Thun seine Handschrift hinterlassen, doch anders als drüben. Hier ist das Interieur als grüne Oase mit einigen Wänden von echten Pflanzen und Pflanzenornamentik bis zur Tapete inszeniert, dort war es eine Art von Nadelstreifen- und Businessoptik. Hier schmücken zierliche Wanduhren die Wand, dort ließ Thun Kuckucksuhren aufhängen. „Es gibt eine klare Differenzierung zwischen den beiden Häusern, und die war auch angestrebt“, sagt Hotelmanager Köhler.

Zeitverzug zwingt zu Flexibilität

Bis zur Eröffnung hat er einiges erlebt, denn eigentlich sollte das Haus im Januar 2019 in Betrieb gehen. Die Übernahme von der Bauherrin, der Firma Stinag, hat sich dann aus mancherlei Gründen verzögert, etwa wegen einer Überschwemmung auf der Baustelle. Der Verzug zwang Köhler zu sehr flexiblem Personaleinsatz. Da man schon ein Haus mit 326 Zimmern betreibt und dessen Belegung anpassen konnte, „mussten wir nur wenige Gäste umquartieren in andere Hotels im Umfeld“, erklärt Köhler. Ein Glücksfall.

Auch nach der Fertigstellung sollen sich die beiden Hotels ideal ergänzen. In welcher Weise, ist sichtbar: Eine regelmäßige Gastveranstaltung ist inzwischen so groß geworden, dass sie vom 560 Quadratmeter großen Ball- und Bankettsaal im Hotel Airport in den 740 Quadratmeter großen Saal im Hotel Messe & Congress umdirigiert wurde. Mövenpick nutzt jetzt also Synergieeffekte. Und natürlich hatte die Erfahrung am Standort auch schon bei der Planung des neuen Hotels geholfen. „Wir sind ja mittlerweile seit 1986 am Standort, wir konnten den Bedarf daher recht gut einschätzen“, sagt Köhler.

Angefangen hatte man einmal in dem Gebäude, das heute das Wyndham-Hotel ist. Von dort zog Köhler 2007 weiter ins neue Airport-Hotel jenseits der Flughafenstraße. Und jetzt zusätzlich ins neue Messe-Hotel. Dieses ist nicht nur für Mövenpick eine neue große Nummer, sondern auch für den ganzen Hotelstandort Region Stuttgart ein bemerkenswerter Zuwachs. Es ist die erste große Neueröffnung des Jahres, wird aber nicht die letzte Neueröffnung bleiben. Das Münchner Beratungsunternehmen Treugast hat ermittelt, dass allein in Stuttgart in diesem Jahr acht neue Hotels mit insgesamt 1520 Zimmern hinzukommen dürften, wobei Mövenpick, auf Markung Leinfelden-Echterdingen daheim, nicht eingerechnet sei. Das läuft auf eine neuerliche Erhöhung der Kapazität in Stuttgart hinaus, wiewohl die Nachfrage nach Übernachtungen wohl nicht so stark steigen dürfte. Und es gibt eine Unsicherheit: Der Wandel und der drohende Arbeitsplatzabbau in der Automobilindustrie sowie die Wirtschaftskonjunktur bereiten der Branche nämlich Sorgen. Wahrscheinlich werden am Ende nicht alle Eröffnungspläne umgesetzt, vermutet Daniel Ohl, der Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga in Baden-Württemberg. Dennoch stehen die Zeichen weiter auf Ausbau. Schon von 2009 bis 2018 stieg die Zahl der Hotelbetten in Stuttgart von etwa 15 000 auf gut 19 000. Seit Jahresende 2018 sei sie weiter um rund 1200 auf fast 21 000 Betten geklettert, sagt der Stuttgarter Dehoga-Kreisvorsitzende Markus Hofherr.

Auslastung von 52 Prozent

Dass es trotz der stark gewachsenen Kapazitäten gelungen sei, eine Auslastung der Stuttgarter Hotelbetten von 52 Prozent zu erreichen, spreche für die Attraktivität Stuttgarts, die Qualität des Angebotes und die Arbeit von Stuttgart-Marketing. erklärt Hofherr. Angesichts der Größenordnung, in die die Hotelkapazitäten in Stuttgart und Umgebung hineingewachsen seien, wäre aber schon das Wiedererreichen dieser Auslastungsquote ein großer Erfolg.

Wie immer sich 2020 entwickeln wird, im Dezember dürfte das Jahr zumindest den Hotels an Flughafen und Messe ein Nachfragehoch bringen. Da soll auf dem Messe-Areal der Bundesparteitag der CDU stattfinden. „Dann dürften die drei Hotels hier voll belegt sein werden“, sagt Köhler. Zusammen bieten Mövenpick und der Mitbewerber Wyndham 817 Zimmer an.

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