Nicolas Gonzalez (rechts) vom VfB Stuttgart jubelt nach seinem Tor zum 2:0 mit Hamadi Al Ghaddioui (links) und Marc Oliver Kempf - auch in Hamburg sollen Punkte her. Foto: dpa

Nach dem 3:0 gegen Heidenheim will der VfB Stuttgart auswärts beim FC St. Pauli nachlegen und setzt dabei auf die neue defensive Stabilität. Kurz vor dem Ende der Winter-Transferperiode wurde gestern noch Clinton Mola, der bislang für die zweite Mannschaft des FC Chelsea spielte, verpflichtet.

Stuttgart (dpa/red) Fußball-Zweitligist VfB Stuttgart will am Samstag (13.00 Uhr/Sky) beim FC St. Pauli den ersten Auswärtssieg unter dem neuen Trainer Pellegrino Matarazzo holen. Wie beim 3:0 am Mittwoch gegen den 1. FC Heidenheim dürfte der defensive Mittelfeldspieler Atakan Karazor auch in Hamburg wieder in der Innenverteidigung spielen. Fraglich ist der Einsatz von Nathaniel Phillipps, den eine Oberschenkelprellung plagt. Ins Aufgebot zurück kehrt der zuletzt gelbgesperrte Gonzalo Castro. Zudem sind Silas Wamangituka und Maxime Awoudja nach Verletzungen wieder fit. Auch die angeschlagenen Daniel Didavi und Nicolas Gonzalez dürften zur Verfügung stehen.

Es war eine von nur wenigen Szenen, in denen es für den VfB gegen den 1. FC Heidenheim doch einmal brenzlig wurde. Der ansonsten starke VfB-Verteidiger Karazor hatte sich wenige Minuten vor Schluss bei einer Rückgabe zum eigenen Torwart verschätzt. Den Fans des Fußball-Zweitligisten stockte kurz der Atem, doch der Ball rollte knapp am Pfosten vorbei ins Aus.

Dass dieser kleine Nervenkitzel beim 3:0-Sieg eine Ausnahme war, lag einerseits an der Taktik des neuen VfB-Trainers Pellegrino Matarazzo. Während es unter seinem kurz vor Weihnachten beurlaubten Vorgänger Tim Walter und dessen wilder Offensivtaktik immer wieder Schwächen in der Rückwärtsbewegung und entsprechende Schreckmomente gab, setzt Matarazzo viel mehr auf Ordnung und Stabilität. Doch die neue Ruhe im VfB-Spiel hatte auch viel mit dem Auftreten der Viererkette zu tun, in der besonders Kapitän Marc Oliver Kempf und Karazor überzeugten.

Karazor habe extrem viel Ruhe am Ball, sagte Matarazzo am Freitag. «Er ist sehr spielintelligent und er kann gut antizipieren. Ich bin froh, dass er eine so gute Partie gespielt hat.» Daher wird er aller Voraussicht nach auch beim FC St. Pauli in der Startelf stehen.

Dass Karazor überhaupt als Innenverteidiger aufgelaufen war und Kempf auf die linke Außenbahn auswich, kam überraschend. Eigentlich ist Karazor ein zentraler defensiver Mittelfeldspieler. «Sein Vorteil ist, dass er auf beiden Positionen spielen kann», sagte sein Coach. Doch weil die Personallage in der Abwehr wegen der Ausfälle von Holger Badstuber und Marcin Kaminski dünn und in Hamburg auch der Einsatz von Nathaniel Phillips (Oberschenkelprellung) sehr fraglich ist, gibt Karazor wohl weiter den Abwehrspieler. «Das sind schon ähnliche Anforderungsprofile», sagte Sportdirektor Sven Mislintat.

Für den 23-Jährigen dürfte es eine große Genugtuung sein, dass er wieder zur Startelf gehört. Im Sommer war er gemeinsam mit Walter von Holstein Kiel nach Stuttgart gekommen - als einer der angeblich stärksten «Sechser» der Zweiten Liga. Doch erst spielte er wochenlang nicht gut - und dann fast gar nicht mehr.

Gegen St. Pauli wird er wohl gemeinsam mit Kempf die Abwehrzentrale bilden, links spielt dann eventuell wieder der zuletzt gelbgesperrte Gonzalo Castro. Kempf dürfte das trotz seiner starken Leistung und seines Treffers zum 1:0 gegen Heidenheim freuen, sieht er sich doch eher als Innenverteidiger. Im Unterschied zu Karazor war er schon die gesamte Saison über gesetzt. Eine Ausnahme bildete nur die unnötige Rotsperre nach dem 3:0 gegen den Karlsruher SC Mitte November.

War der 25-Jährige während seiner Zeit beim SC Freiburg häufig verletzt, ist seine Muskulatur seit seinem Wechsel nach Stuttgart im Sommer 2018 wesentlich stabiler geworden. Er achte mehr auf seinen Körper und lebe professioneller, sagte er dazu im vergangenen Jahr.

St. Pauli bietet dem VfB die Chance, mit einem Sieg wieder auf einen direkten Aufstiegsplatz vorzustoßen und im Kampf um die direkte Bundesliga-Rückkehr für Ruhe im Umfeld zu sorgen. Von der Euphorie nach dem Heidenheim-Spiel will sich Matarazzo nicht anstecken lassen, «weil ich weiß, dass die Schwankungen in Stuttgart extrem sind». Zudem warnte der 42-Jährige besonders vor der Konterstärke von St. Pauli, das im Dezember Spitzenreiter Arminia Bielefeld zu Hause mit 3:0 schlug. Kempf und Karazor dürften vorbereitet sein.

Kurz vor dem Ende der Winter-Transferperiode haben die Stuttgarter noch einen Spieler verpflichtet. Clinton Mola kommt zum Fußball-Zweitligisten. Dabei nutzte der VfB-Sportdirekor Mislintat seine guten Kontakte nach England. Mola spielte bislang für die zweite Mannschaft des Premier-League-Clubs FC Chelsea. Das Defensivtalent gehört zur englischen U-19-Auswahl und führte das Team zuletzt sogar als Kapitän auf das Feld. Der 18-Jährige erhält beim VfB einen Vertrag bis 2024. Mola ist als Innenverteidiger und defensiver Mittelfeldspieler einsetzbar. Damit hat der VfB nun zwei Nachwuchskräfte im Winter geholt, denn zuvor war Darko Churlinov (19) vom 1. FC Köln verpflichtet worden.

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