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Von Sigor Paesler

Esslingen – Wohl noch nie hat ein Trainer vor einem EZ-Pokal-Turnier so klar von einer Mannschaft verlangt, dass sie den Titel holt. Die Drittliga-Handballer des TSV Neuhausen hielten sich an die Vorgabe von Ralf Bader und nach vielen spannenden Spielen den Pokal in die Höhe. Allerdings bekam der Vorjahressieger mehr Gegenwehr, als sich der Coach gewünscht hatte. Im Finale der von Lotto Baden-Württemberg und der Volksbank Esslingen unterstützten sowie vom Team Esslingen ausgerichteten Traditionsveranstaltung musste sich der Favorit gegen Württembergliga-Spitzenreiter TSV Zizishausen mächtig anstrengen, um mit 16:12 (8:6) zu gewinnen.

Wie viel Gegenwehr die Neuhausener nicht nur im Endspiel bekommen hatten, war den Spielern deutlich anzumerken. Der Siegertanz fiel relativ verhalten aus, es fehlte ganz einfach die Kraft. Der Sektdusche entkam Bader jedoch nicht. „Der EZ-Pokal ist super, ich spiele so gerne hier“, sagte Kapitän Hannes Grundler und pustete tief durch, „aber ich bin froh, dass es vorbei ist und wir es geschafft haben.“ Grundler war voll des Lobes für die Konkurrenten: „Zizishausen hat eine super Mannschaft und uns alles abverlangt.“ Und zum TSV Köngen, gegen den die Neuhausener trotz des Unterschieds von drei Spielklassen im Halbfinale mächtig wankten, sagte Grundler nur: „Ganz stark, Hut ab.“ Routinier Timo Flechsenhar, von einer rot-glänzenden Wunde unter dem Auge aus dem ersten Gruppenspiel gegen die HSG Ostfildern gezeichnet, freute sich nach seinem siebten Auftritt mit den Neuhausenern in der Neckarsporthalle: „Hier zu gewinnen, ist immer etwas Besonderes.“

Trainer Bader analysierte gewohnt nüchtern. „Ich freue mich, dass wir gewonnen haben, aber ich bin nicht voll zufrieden, wie wir gespielt haben“, sagte er. „Ich bin zufrieden, wenn die Mannschaft zeigt, was sie draufhat. Das bei so einem Turnier durchweg zu zeigen, ist schwer – aber es hat gereicht.“

Die Zizishausener setzten der Klasse der Neuhausener viel Kampfgeist, aber auch ihre spielerische Qualität entgegen. So ließen sie sich bis kurz vor dem Ende des Finales nicht abschütteln. Beim Stand von 8:7 für Neuhausen kurz nach der Pause hielt Torhüter Nicolas Gross einen Siebenmeter von Julian Baum und verhinderte so den Ausgleich, wenige Sekunden späte behielt Grundler auf der anderen Seite an der Linie die Nerven und überwand Benjamin Hauptvogel zum 9:7. Die Neuhausener gaben die Führung nicht mehr her, setzten sich aber erst ganz am Ende von 12:11 auf 15:11 und dann auf 16:12 ab.

Zizishausens Trainer Georgios Chatzigietim, der von 2005 bis 2010 für die Neuhausener spielte, wusste nicht so recht, ob er sich freuen oder ärgern sollte. „Wir hätten uns mit mehr Kaltschnäuzigkeit für unsere gute Arbeit vor allem in der Abwehr belohnen können“, sagte er, „aber alles in allem können wir mit dem zweiten Platz hier natürlich zufrieden sein.“

Während sich die Neuhausener über den Pokal und 750 Euro Siegprämie freuen durften und die Zizishausener 500 Euro erhielten, wurde Württembergligist SKV Unterensingen für Platz drei mit 300 und der TSV Köngen für Rang vier mit 200 Euro belohnt. Dabei hatte das Überraschungsteam des Turniers im Spiel um Platz drei viel Pech: Es waren noch 16 Sekunden zu spielen, die Köngener lagen mit 12:13 zurück und Frieder Gänzle trat zum Siebenmeter an. Der Ball zappelte im Netz, das Tor zählte aber nicht. Die Köngener waren fassungslos. Der Landesligist hätte sich das 13:13 verdient und im Siebenmeterwerfen noch die Chancen auf Platz drei gehabt. Doch es ertönte die Schlusssirene und die Köngener mussten den Unterensingern zum Sieg gratulieren. Gänzle haderte mit der Schiedsrichterentscheidung: „Ich sei beim Wurf abgehoben.“ Er freute sich dennoch über den starken Auftritt der Mannschaft: „Wir haben uns ordentlich präsentiert und etwas für unser Image getan.“

Das sahen die Zuschauer auf den bis zum letzten Platz gefüllten Rängen – insgesamt kamen an den drei Turniertagen 3000 – genauso. Denn (auch) davon lebt der EZ-Pokal, dass die vermeintlich Kleinen groß aufspielen – auch wenn wie diesmal wieder der Favorit auf den Turniersieg seiner Rolle gerecht wird.

Die Neuhausener haben nun ihren siebten EZ-Pokal gewonnen und sind damit Rekordsieger TSV Deizisau, der zehn Mal und zuletzt im Jahr 2009 erfolgreich war, auf den Fersen. „Wir wollen weiter aufholen“, kündigte Flechsenhar schon im Hinblick auf das kommende Jahr an. Dann gibt es in der Neckarsporthalle zwei Jubiläen: Beim 25. EZ-Pokal feiern die zwei Stammvereine der SG Hegensberg/Liebersbronn, die dann der Ausrichter sein wird, ihr 125. Bestehen.

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