In Augsburg wird Julian Schieber (rechts, noch im Trikot von Hertha BSC) für seine körperliche Wucht Foto: dpa - dpa

Der Ex-VfB-Profi will am Samstag mit dem FC Augsburg beim VfB Stuttgart siegen. Schiebers Karriere wurde mehrfach von Verletzungen zurückgeworfen.

StuttgartJulian Schieber weiß, was auf ihn zukommt: Pfiffe aus der Cannstatter Kurve. Der Stürmer hat es ja schon mehrfach erlebt, seit er vor über sechs Jahren den VfB Stuttgart verlassen hat, als Junge aus der Region. Ein Teil der Fans vergisst so etwas nie, und dieser Teil verzeiht auch nicht. Zu Borussia Dortmund zog es Schieber damals, ehe er zu Hertha BSC wechselte. Jetzt kehrt der 29-jährige Fußballprofi am Samstag im Trikot des FC Augsburg zurück, und noch immer ist es etwas Besonderes für den gebürtigen Backnanger, in der alten Heimat zu spielen – überhaupt wieder in der Bundesliga aufzulaufen nach langer Leidenszeit.

Wobei Schieber genau an diesem Punkt einen differenzierten Blick auf seine Karriere pflegt, die zuletzt von Ausfallzeiten geprägt war. Ein Knorpelschaden im linken Knie machte ihm in Berlin zu schaffen. Der Angreifer wurde operiert und fehlte monatelang. Er lief sogar Gefahr, als ewiger Patient abgestempelt zu werden. „Es gibt sicher dünnere Patientenakten als meine“, sagt Schieber. Aber er legt auch Wert auf die Feststellung: „Der FC Augsburg hat mich als gesunden Spieler verpflichtet.“ Nur: Er verletzte sich während der Sommervorbereitung gleich wieder am lädierten Knie.

Kampf gegen die Zweifel

Ein freier Gelenkkörper machte Schieber zu schaffen. Nach der OP hieß es: wieder aussetzen und wieder die Zweifel bekämpfen. Eine Geduldsprobe zwischen Rehamaßnahmen und Aufbautraining bedeutete das. Doch mit der ihm eigenen positiven Energie ging Schieber die Herausforderung an. 16 Wochen nach der Operation stand er wieder voll im Training. Mittlerweile bringt er es auf 73 Minuten Spielzeit in dieser Saison – verteilt auf zwei Einsätze: einmal in der Schlussminute eingewechselt und einmal von Beginn an aufgelaufen.

„Ich bin topfit. Mit einem halb gesunden Körper wäre es auch nicht möglich, in der Bundesliga mitzuhalten“, sagt der Stürmer. Fast zwei Jahre musste er auf einen Startelf-Einsatz warten, 707 Tage, um genau zu sein. Das war am vergangenen Wochenende in Augsburg die schöne Randgeschichte. Und nur allzu gerne hätte sie Schieber mit einem Sieg und einem Törchen zum Happy End geführt. Die Realität lieferte am Ende aber eine 1:3-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt.

In Augsburg gilt Alfred Finnbogason als der Topangreifer, aber hinter dem Isländer hat sich Schieber als Option positioniert. Vielleicht geht es ja gemeinsam. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, mit Finnbogason zusammen zu stürmen“, sagt Schieber. Dank seines Spielverständnisses, das FCA-Manager Stefan Reuter so schätzt, und dank seiner körperlichen Wucht, die Trainer Manuel Baum für das Spiel des Tabellen-13. fordert. Durch diese Qualitäten fühlen sie sich in Augsburg in ihrer Entscheidung bestätigt, den dynamischen Linksfuß im Juni ablösefrei verpflichtet zu haben. Trotz des Risikos, ob Schiebers Körper mitspielt.

Bis 2021 läuft Schiebers Vertrag, der bei seinem neuen Club auf dem Weg zu alter Stärke ist und sich auf ein Wiedersehen mit den Stuttgartern freut. Er erwartet ein schwieriges Spiel. „Wir wollen aber in der Tabelle den Abstand nach unten vergrößern“, sagt Schieber, den aus dem aktuellen VfB-Kader eine Freundschaft mit Daniel Didavi verbindet. Der ist noch verletzt.

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