Die Kampfspuren sieht man dem Anhänger deutlich an. Foto: Johannes M. Fischer - Johannes M. Fischer

Seit knapp einem Jahr hat die Stadt Esslingen ihren Enforcement Trailer. In der Zeit sind 34728 Fahrzeuge geblitzt worden.

EsslingenUnauffällig lugt ein weißer Hügel hinter der Leitplanke hervor. Ein bisschen Ähnlichkeit lässt sich mit einem Iglu feststellen. Während sich der Autofahrer noch wundert, was er dort vor sich hat, ist es schon geschehen: Blitz!

Der Autofahrer ist in die Radarkontrolle des sogenannten Enforcement Trailers (zu Deutsch: Vollstreckungs-Anhänger) geraten. Wie berichtet, besitzt die Stadt Esslingen seit mittlerweile fast einem Jahr so einen Anhänger. Das Besondere: Der mobile Blitzer kann bis zu zehn Tage lang blitzen, bis seine Akkus leer sind. Ein weiterer Pluspunkt: Ist er aufgestellt, braucht es kein weiteres Personal, um ihn zu bedienen. Die Stadt hat sich den Blitzer-Anhänger nach eigenen Angaben aber nicht zur Gewinnerzielung angeschafft. Vielmehr gehe es darum, mehr Verkehrssicherheit an Unfallschwerpunkten im Stadtgebiet zu schaffen. Aus diesem Grund ist der Trailer auch oft an der B 10 auf Höhe der Auffahrt zur Adenauerbrücke zu sehen. Dort an der Einmündung der Ulmer Straße, wo diese in die Auffahrtsrampe zur Adenauerbrücke mündet, gab es in den vergangenen drei Jahren laut Polizei und Ordnungsamt zehn Unfälle. Einer davon passierte 2018.

Aber auch an Orten, die nicht als Unfallschwerpunkte gelten, kann man den Anhänger immer wieder sehen. „Unser Hauptaugenmerk gilt des Weiteren besonders Bereichen, in denen Kinder häufig unterwegs sind, so zum Beispiel bei den empfohlenen Schulwegen“, so das Ordnungsamt der Stadt Esslingen. Der Enforcement Trailer kommt dabei in verschiedenen temporeduzierten Straßen zum Einsatz – und blitzt dementsprechend bei der Überschreitung von 30, 50 oder 80 Stundenkilometern. Bis Mitte August hat die Stadt mit dem Anhänger 91 Messungen durchgeführt. Dabei sind 1,68 Millionen Fahrzeuge gemessen worden, heißt es vom Ordnungsamt. 34 728 davon waren so schnell, dass ein Blitzerfoto verschickt wurde. „Dies ergibt eine Überschreitungsquote von zwei Prozent“, heißt es.

Die Beweggründe der Stadt zur Anschaffung des Trailers scheinen aber bei den Verkehrsteilnehmern nicht auf Verständnis zu stoßen. 3544 EZ-Leser nahmen Anfang Oktober des vergangenen Jahres – zur Inbetriebnahme des Blitzers – an einer Online-Umfrage unserer Zeitung teil. Auf die Frage „Die anhängerähnliche Überwachungsanlage soll dafür sorgen, dass die Geschwindigkeitsvorgaben besser durchgesetzt werden können. Was halten Sie davon?“ antwortete die Mehrheit (55,6 Prozent) mit „Das ist reine Geldmacherei. Es stehen schon genug Blitzer auf der B 10“. 43,1 Prozent fanden damals: „Finde ich sehr gut, das macht das Fahren auf der B 10 sicherer“ und 1,3 Prozent gaben an, gar kein Auto zu besitzen.

Immer wieder machen dem Blitz-Anhänger sogar Kriminelle zu schaffen. „Der Geschwindigkeitsüberwachungsanhänger wurde seit seiner Beschaffung viermal mit Graffiti verunstaltet beziehungsweise mit Eiern beworfen“, heißt es in einer Stellungnahme des Esslinger Ordnungsamtes. Zuletzt wurde er im August mit Obszönitäten beschmiert. Diese Kampfspuren sieht man dem Enforcement Trailer übrigens inzwischen auch an. Ein Großteil der Farbe – besonders auf der Sichtscheibe – habe sich stets mit handelsüblichen Mitteln entfernen lassen, sodass ein neuer Anstrich nicht notwendig gewesen sei.

Die Abneigung der Vandalen lässt einen Rückschluss darauf zu, wie gründlich der Blitz-Anhänger arbeitet. In der Zeit seit seiner Anschaffung im Oktober 2018 und Mitte August 2019 hat der Trailer bei seinen Messungen „505 005 Euro Verwarnungsgebühren und 196 260 Euro an Bußgeldern eingenommen“, so das Ordnungsamt. Verwarnungsgebühren rangieren in der Höhe von fünf bis 55 Euro. In der Regel gibt es auch keinen Punkt in Flensburg. Anders sieht das bei Bußgeldern aus. Ab einem Betrag von 60 Euro wird in der Regel ein Punkt eingetragen. Den Einnahmen durch die Verwarnungs- und Bußgelder gegenüber stünden aber Aufwendungen für Personal, Technik und die Auswertung der Blitzerfotos, heißt es vom Esslinger Ordnungsamt. Über einen finanziellen Gewinn seien daher keine Aussagen zu treffen.

Insgesamt sei der Großteil der vom Enforcement Trailer Geblitzten nur unwesentlich zu schnell unterwegs, heißt es vom Ordnungsamt. Genau lasse sich das aufgrund der verschiedenen Einsatzorte nicht sagen. „Leider sind aber auch vereinzelte, sehr hohe Überschreitungen, gerade innerstädtisch, zu beobachten.“ Und genau, um diese zu erfassen, sei der Trailer schließlich angeschafft worden. Denn überhöhte Geschwindigkeiten führten bei Unfällen stets zu einem höheren Schaden und gefährdeten Menschenleben.

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