Wolfgang Friede verbindet mit diesem Lieblingsplatz seine wichtigsten Kindheitserinnerungen. Foto: Peter Stotz - Peter Stotz

Wolfgang Friede schätzt den Höhenweg als Ruhepol und Ort der Besinnung

LichtenwaldFür Wanderer und Spaziergänger gibt es wohl kaum einen attraktiveren Ort auf dem mittleren Schurwald als den sanft ansteigenden Weg über den Höhenzug zwischen dem Lichtenwalder Bürgerzentrum und dem Naturfreundehaus am Ortsrand von Hegenlohe. Unter einem weiten Himmel und ungehindert von Bebauung oder hohem Wald erstreckt sich im Süden die Schwäbische Alb, an klaren Tagen reicht der Blick von den Kaiserbergen im Osten bis zum Hohenzollern fern im Westen. An so manchen Tagen entfaltet sich am schroffen Nordabhang der Alb jenes besondere Licht, das Eduard Mörike zu seiner Betrachtung einer Blauen Mauer inspirierte.

Wie wohl viele Lichtenwalder nennt auch Wolfgang Friede den Höhenweg als jenen Platz in seiner Heimatgemeinde, der ihm Ruhe und Anregung zugleich bietet, an dem er die Seele baumeln lassen kann. Friede, Jahrgang 1957, Ingenieur für Fahrzeugtechnik im Vorruhestand, ist Vorsitzender der Naturfreunde-Ortsgruppe Reichenbach/Plochingen/Lichtenwald, und kommt seit Kindertagen dorthin. Sein Vater Herbert, selbst viele Jahre lang Ortsgruppenvorsitzender, war Initiator und treibende Kraft für den Bau des Naturfreundehauses. Die Familie lebte damals noch in Reichenbach, „aber meine wichtigsten Kindheitserinnerungen sind mit diesem Höhenzug verbunden“, sagt Friede. „Wir sind immer draußen in der Natur gewesen, sind zu Fuß hier hoch zum Spielen und zum Schlittenfahren gekommen. Und immer hatten wir die Alb vor Augen“, erzählt er.

Zu Silvester war der Gang zum Höhenweg gar „eine Pflichtveranstaltung. Außer vom Breitenstein kann man von keinem anderen Ort aus die Feuerwerke im Filstal, im Neckartal und im Albvorland besser betrachten. Wir mussten nie selbst eins machen, das ist bis heute so geblieben“, sagt Friede. Auch später, als berufstätiger Erwachsener, führte Friedes Weg an diesen Ort. Zum einen musste er sich um das Naturfreundehaus kümmern, doch es war andererseits immer auch die Ruhe und Entspannung, die der ungehinderte Fernblick und der weit gespannte Himmel über dem Schurwaldrücken bieten. Wann immer es möglich war, kam er dort hin, am Abend nach der Arbeit, an den Wochenenden, und das ist bis heute so geblieben. Der Höhenweg als Ruhepol und Ort der Besinnung: „Hier kann man innehalten und zu sich kommen“, erklärt Friede die Anziehungskraft des Wegs. So freut es ihn auch, dass die Künstler Angie und René Heinze ihre Großskulptur „Augenblick“ an einem der höchsten Punkte des Höhenwegs errichten konnten, symbolisiere sie doch mit ihrer Eiform und dem glitzernden Fenster zur Alb hin Naturverbundenheit und Fernweh zugleich. Dies bewege und berühre viele Menschen im Ort, oft sei die Ruhebank beim Kunstwerk besetzt. „Die Leute sitzen und genießen“, hat Friede beobachtet.

Auch Friede war sehr viel in der Ferne unterwegs. Neben den engen Kontakten, die die Naturfreunde-Ortsgruppe im Rahmen von Unterstützungsprojekten mit Tansania in Ostafrika pflegten, war Friede auch beruflich oft im Ausland im Einsatz. „Doch ich bin immer wieder sehr gerne zurück gekommen, nach Hause auf den Schurwald und zu diesem Blick auf die Alb“, erzählt er. So hat er sogar einmal „ein sehr lukratives Angebot“ seines Arbeitgebers für einen mehrjährigen beruflichen Auslandseinsatzes abgelehnt. „Da hätte mir zu viel gefehlt, das konnte ich nicht“. So ist der Höhenweg für ihn ein Ort mit hoher Symbolkraft. „Die Schwäbische Alb war für mich immer schon mit einem Gefühl der Sehnsucht verbunden. Es gibt keinen besseren Platz als den Höhenweg, um das zu spüren. Er bietet mir den Blick auf die Alb und das weite Vorland. Den brauche ich, da geht mir das Herz auf, das ist für mich Heimat“, sagt Friede.

Fast jeder hat so einen Platz, den er aufsucht, um sich mal aus dem Alltag zurückzuziehen – einen Ort, der ihm etwas bedeutet, an dem er Ruhe findet und Kraft tanken kann. In der Serie „Mein Lieblingsplatz“ zeigen uns EZ-Leser ihre Refugien und erzählen ihre Geschichte.

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