Immer in Bewegung: Beim Eßlinger Zeitung Lauf 2018 läuft Max Pickl gemeinsam mit einer Teilnehmerin aus Esslingens Partnerstadt Vienne Foto: Herbert Rudel - Herbert Rudel

27 Jahre lang war Max Pickl bei der Stadt Esslingen beschäftigt. Seit gut einem Monat ist er im Ruhestand – aber immer noch regelmäßig bei Sportveranstaltungen zu sehen.

EsslingenIn der Außenwahrnehmung hat sich nicht so viel geändert. Die Weisheit des Esslinger Sports, dass bei fast jeder Ansammlung von Sporttreibenden irgendwann Max Pickl vorbeischaut, hat weiter Bestand. Zuletzt sah sich Pickl interessiert die Spiele des EZ-Handballpokals in der Neckarsporthalle an, schüttelte Hände, führte Gespräche. Nur an einem Detail merkte man, dass nicht alles ist wie in den 27 Jahren davor. Pickl musste immer wieder eine Frage beantworte: „Na Max, wie geht’s dir so?“ Seit gut einem Monat ist der 63-Jährige langjährige stellvertretende Sportamtsleiter Esslingens im Vorruhestand.

Pickl verstand seine Aufgabe im Rathaus immer als die eines Anwalts des Sports. Oder wie eine preisgekrönte EZ-Reportage über ihn und seinen Mitstreiter Harald Lupp mal überschrieben war: „Agenten des Sports.“ Dabei folgte er immer einer Grundeinstellung. „Ein Verwaltungsbeamter fragt: Was kostet das? Wir sagen: Das kriegen wir hin“, drückt es Pickl selbst aus. Er war so ein Hinkrieger. Die Sportler wussten: Da sitzt einer im Rathaus, der sich für uns einsetzt. Womit er es seinen Kollegen in den Amtsstuben nicht immer leicht machte. Pickl war kein Bremser. Aber es war manchmal schwer, ihn zu bremsen. Geht nicht, gab es bei ihm nicht. Lupp bestätigt das. „Wir haben uns selbst als guter Bulle – böser Bulle bezeichnet“, erzählt er, „er hat immer alles zugesagt, dann haben wir analysiert, und in 99 Prozent der Fälle haben wir es irgendwie hingekriegt.“ 25 Jahre haben die beiden zusammengearbeitet. Lupp: „Darüber könnte man ein Buch schreiben.“

Langjähriger Fußballer

Pickls Hilfe und Antrieb war, dass er selbst Sportler war. Fußballer vor allem. Viele andere Disziplinen probierte er aus und es gab keine, die ihn nicht interessierte. „Wir kannten beide Seiten des Schreibtischs“, sagt er über sich und Ex-Handballer Lupp. Bei den Kickern der Eintracht Esslingen wurde Pickl vom Stürmer zum Manndecker umgeschult – weil er nicht nur schnell, sondern auch beharrlich war. Wie später im Job. „Ich habe die Gegenspieler umgehauen, ihnen aufgeholfen und dann gesagt: Nächstes mal tut’s weh“, erzählt er und lacht.

Bei der Eintracht war der gebürtige Esslinger auch zehn Jahre lang Vorsitzender und führte den Verein mit in die Fusion mit der SG Sirnau zur SG Eintracht Sirnau. Heute schnürt er vor allem die Laufschuhe oder fährt Rad. Immer in Bewegung. „Wenn auch nicht mehr ganz so schnell wie früher“, sagt er und grinst.

Im Rathaus begann der gelernte Diplom-Verwaltungswirt zunächst beim Liegenschaftsamt. Als er gefragt wurde, ob er ins Sportamt wechseln wolle, zögerte er keine Sekunde. Pickl und Sport, das passt einfach. „Als ich meine erste Vorlage schreiben musste, habe ich erst einmal fragen müssen, was das eigentlich ist“, erzählt er. „Nach ein paar Wochen habe ich mir überlegt, ob es besser gewesen wäre, im Liegenschaftsamt zu bleiben. Ich bin froh, dass ich mich durchgebissen habe.“

Geholfen habe ihm dabei die insgesamt große Sportaffinität der Stadtverwaltung. „Man kann über OB Jürgen Zieger sagen, was man will, aber er war gegenüber dem Sport immer offen“, sagt er. Für seinen langjährigen direkten Vorgesetzten Markus Raab gelte das ebenso. Für Lupp ohnehin.

Die Verwaltungsaufgaben wurden zur Routine. Auch wenn er sagt: „Es gab sicherlich Kollegen, die den Papierkram besser konnten.“ Er konnte ihn gut genug. Aber am liebsten war Pickl draußen bei den Sportlern. Oder klügelte mit Vereinsverantwortlichen Ideen aus und half, an Fördermittel zu kommen. „Der Sport konnte immer belegen, warum eine Maßnahme wichtig für die Gesellschaft ist“, ist ihm dabei wichtig zu betonen. Sport ist mehr als Toreschießen und Gewinnen. Auch das war ein Grundsatz Pickls.

Viele Projekte angestoßen

An der Halle an der Römerstraße hat er mitgeplant, ebenso den Weg zur Arena des KSV Esslingen begleitet. Bei der Wiederbelebung des Handball-Marktplatzturniers und den Esslinger Ski-und Snowboardmeisterschaften war er maßgeblich beteiligt, auch bei der Einführung des Eßlinger Zeitung Laufes. Pickl, ein Mann des Sports und ein Mann der Tat.

Mit dem Ruhestand hat er sich noch nicht ganz angefreundet, gibt Pickl zu. Wenn man ihn fragt, was ihm an seinem Beruf am meisten Freude gemacht hat, kommt die Antwort so schnell, wie er früher über den Fußballplatz gesprintet ist: „Die Begegnung mit den Menschen.“ Jeder, der ihn traf und heute trifft, spürt das.

Jetzt freut er sich darauf, dass irgendwann der neue Sportpark in Weil fertig wird. Auch an der Planung dieses Großprojektes war er von Beginn an beteiligt. Wenn dort gespielt wird, egal in welcher Sportart – Max Pickl wird vorbeischauen. Die Überschrift über sein Ausscheiden aus dem Berufsleben findet er selbst: „Ich bin dann mal nicht weg.“

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