Nach dem Aufstieg ruft wieder die Pflicht: Für den stark verjüngten Kader des TSV Köngen beginnt das Projekt Landesliga Foto: Jörn Kehle - Jörn Kehle

Frisches Trainergespann und sieben Neuzugänge: Der TSV Köngen beginnt das Projekt Landesliga mit einem neuen Gesicht. Ziel bleibt allerdings der Klassenverbleib.

KöngenWenn für Landesliga-Aufsteiger TSV Köngen an diesem Freitag (19 Uhr) gegen den SV Ebersbach die neue Saison beginnt, dann darf man gespannt sein, wie die Mannschaft die turbulenten Tage zu Wochenbeginn verkraftet hat. Für viele völlig überraschend wurden am Montagabend Daniel und Julien Rieker als Trainer-Duo freigestellt, keine zwölf Stunden später wurde Mario Sinko als Nachfolger präsentiert.

Die Rückkehr Sinkos, der die Köngener bereits in der Landesliga-Saison 2016/2017 betreut hatte, wurde damit also nur 72 Stunden vor besagtem Auftaktspiel vollzogen. „Ich freue mich, wieder hier zu sein und kann es kaum erwarten, bis es wieder losgeht“, sagte Sinko, der Inhaber einer UEFA-Pro-Trainerlizenz ist, am Dienstag wenige Stunden bevor er die erste Übungseinheit leitete. Der 50-Jährige sei zuletzt ohnehin auf der Suche nach einem neuen Trainerjob gewesen, weshalb er nicht lange überlegen musste, als die Anfrage seines Heimatvereins kam. „Für mich war das die Ideallösung.“

Unterstützt wird Sinko bei seiner Rückkehr von Markus Schweizer. Die Verpflichtung des landesligaerfahrenen Co-Trainers gaben die Köngener einen weiteren Tag später bekannt. Schweizer, dessen Zwillingsbruder Michael im Köngener Kader steht, hatte in der vergangenen Saison interimsweise den Landesligisten SC Geislingen betreut und war zuvor für dreieinhalb Jahre Spielertrainer beim VfL Kirchheim. Nun kommt er zum TSV und bringt laut dem Sportlichen Leiter Joachim Dienelt „geballten Fußballsachverstand“ mit.

Diesen können die Köngener gut gebrauchen, schließlich erwartet den Aufsteiger in der Landesliga ein anderes Niveau als noch in der Vorsaison. „Das wird eine sehr, sehr schwierige Aufgabe für uns“, weiß Sinko um die Qualität der anderen Landesligisten und die eigenen, begrenzten finanziellen Mittel: „Was das Budget angeht, gehören wir eher zum unteren Drittel und müssen daher versuchen, das Bestmögliche daraus zu machen.“ Dienelt geht sogar noch einen Schritt weiter und stellt klar: „Wir sind der Verein mit dem kleinsten Budget der Liga.“

Stark verjüngter Kader

Das allerdings sei für die Köngener nichts Neues und habe den Verein auch in der Vergangenheit nicht davon abgehalten, erfolgreichen Fußball zu spielen – auch dank hungriger Nachwuchsfußballer, die immer wieder den Weg nach Köngen fanden. „In Spielerverhandlungen fallen einem teilweise die Ohren ab, wenn ich die Summen höre, die manche Fußballer fordern“, erzählt Dienelt von den Schwierigkeiten, einen konkurrenzfähigen Kader zusammenzustellen. Und dennoch ist es dem Verein, damals noch in enger Zusammenarbeit mit den Ex-Trainern Daniel und Julien Rieker, wieder gelungen, den ein oder anderen verheißungsvollen Spieler zu verpflichten.

Sieben an der Zahl waren es in dieser Sommerpause, alle heben sie das Niveau des Kaders dementsprechend an. „Die Jungs, die wir jetzt zu uns geholt haben, entsprechen genau der Art Spieler, die realistisch für uns sind“, sagt Dienelt und meint damit hauptsächlich Nachwuchsspieler, Eigengewächse oder Spieler, die bei ihren bisherigen Vereinen nicht so zum Zug kamen, wie sie sich das vielleicht vorgestellt hätten. „Der Neid-Faktor bei anderen Vereinen ist dahingehend schon groß. Denn wir schaffen es jedes Jahr, mit unseren begrenzten Mitteln einen schlagkräftigen Kader zusammenzustellen“, freut sich Dienelt über die Verstärkungen. Auch Mario Sinko, der die Neuzugänge zwar noch nicht so gut kennt, blickt optimistisch in die Zukunft und nimmt die Herausforderung an, mit der sehr jungen Mannschaft zu arbeiten. „Ich liebe es zu lehren und Spieler auszubilden – das macht mir am meisten Spaß!“

Wohin die Saison den TSV Köngen führt, ist aktuell noch nicht abzusehen. Die durch die kräftezehrende Relegation ohnehin schon verkürzte Vorbereitung erlitt nun durch den Trainerwechsel einen erneuten Knacks. „Natürlich hätte ich gerne die gesamte Vorbereitung mit dem Kader absolviert“, gibt Sinko zu. „Jetzt muss ich eben das Beste daraus machen und schauen, dass die Mannschaft schnellstmöglich meine Spielidee verinnerlicht.“

Unabhängig von den Veränderungen auf der Trainerposition kann das Ziel des Neu-Landesligisten aber nur der Klassenverbleib sein. „Wir wollen in der Liga bleiben – und das ohne den Umweg der Relegation“, sagt Dienelt, der nichts dagegen hätte, wenn er sich die Relegationsspiele mal entspannt vom Spielfeldrand anschauen könnte. Sinko sieht das genauso und ruft ebenfalls den Nichtabstieg als Hauptziel aus. „Wenn wir danach noch eine zweite Landesliga-Saison dranhängen könnten, wäre das klasse.“

Bis es so weit ist, vergeht allerdings noch einiges an Zeit. An diesem Freitag müssen die Köngener nun erst mal gegen Ebersbach bestehen. Und dann folgen mindestens weitere 29 Spiele.

Transfermarkt

Zugänge: Kim-Lars Ehrler (TSV Weilheim), Nico Riccio (TSV Denkendorf), Sven Dobler (TV Echterdingen), Keba Sama (VfB Oberesslingen), Baran Ates (SSV Reutlingen U 19), Danijel Djedovic (VfL Kirchheim U 19), Krenar Kryeziu (VfL Pfullingen U 19).

Abgänge: Rafael Horeth (TSV Oberensingen), Maximilian Stockbauer (SV Vaihingen), Sebastian Albrecht (TV Unterboihingen), Erik Edwardson (Ziel unbekannt).

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