Vorsicht vor Leuten, die alles so kompliziert wie möglich machen, findet unser Redakteur Ulrich Stolte.
Vorsicht vor Leuten, die gegen einfache Wahrheiten polemisieren. Es keimt der Verdacht auf, dass diese Leute die Wahrheit vernebeln wollen, indem sie die Dinge so kompliziert wie möglich machen, indem sie sich in tausend an den Haaren herbeigezogenen Nebenaspekten verlieren, um die politische Meinung abseits der Wahrheiten zu beeinflussen. In dieser Gemengelage gibt es den einfachen schwäbischen Spruch: „Ois isch gwies, an Acker isch koi Wies.“ Etwa so übersetzt: Eines ist gewiss, ein Acker ist keine Wiese. Was das mit den geplanten Windrädern im Herrenberger Spitalwald zu tun hat? Auch in diesem Punkt gibt es zwei einfache Wahrheiten. Wahrheit eins: Der Klimawandel schadet dem Wald am meisten. Wahrheit zwei: Ohne CO2-neutrale Energie-Erzeugung lässt sich der Klimawandel nicht stoppen.
Bringt man das zusammen, dann heißt das ebenso einfach: Windräder nützen dem Wald.
Am 13. Juli müssen die Bürger über folgende Frage entscheiden: „Soll die Verpachtung kommunaler Waldflächen, die sich im Eigentum der Stadt Herrenberg befinden, an Windanlagenbetreiber/ -investoren unterbleiben?“ Nein oder Ja?
Diese Frage hätte man auch verständlicher formulieren können, etwa so: „Sollen Flächen im Spitalwald an Windkraft-Investoren verpachtet werden?“ Ja oder Nein?
Dass die Bürgerinitiative genügend Stimmen für einen Bürgerentscheid zusammen gebracht hat, ist eine bemerkenswerte Leistung. Ob sie das Quorum von 20 Prozent der Wahlberechtigten erreichen wird, erscheint möglich. Hat sie Erfolg, dann werden keine Windräder im Spitalwald gebaut, sondern halt woanders. Allerdings – und das zeigt die Krux der Kommunalpolitik: Würde man dieselben Bürger befragen, ob der Gemeinderat etwas gegen den Klimawandel unternehmen solle, dann würden sicherlich alle mit Ja stimmen.