Beim Begleiteten Umgang kann das Kind auch mit dem getrennt lebenden Elternteil und der Begleiterin nach draußen gehen. Wichtig ist nur, dass die Treffen in einer neutralen Umgebung stattfinden. Foto: Deutscher Kinderschutzbund - Deutscher Kinderschutzbund

Wenn die Eltern sich trennen, ist es für Kinder schwierig, mit beiden Eltern Kontakt zu halten. In Extremfällen hilft dabei der Begleitete Umgang.

EsslingenUnbeschwert mit den Eltern herumtollen, nicht für alle Kinder ist das möglich. Für Kinder aus Trennungs- oder Scheidungsfamilien ist es oft schwierig, mit beiden Elternteilen Kontakt zu haben. Sind die Eltern zum Beispiel extrem zerstritten, ist ein Elternteil straffällig geworden, gewalttätig oder psychisch krank, bleibt unter Umständen nur ein sogenannter Begleiteter Umgang mit dem getrennt lebenden Elternteil. Den bietet der Kreisverband Esslingen des Deutschen Kinderschutzbundes mittlerweile seit mehr als 25 Jahren an. „Dazu muss man sagen, dass die Familien, die wir hier betreuen, nicht der Normalfall sind. Wir haben hier rund fünf bis zehn Prozent der Trennungs- und Scheidungsfälle“, sagt Heidrun Gold, Fachkraft im Begleiteten Umgang. Sie und ihre Kollegin Alexia Burger werden von Ehrenamtlichen wie Brigitte Sheikh und Christine Miller unterstützt. Aktuell hat der Kinderschutzbund in Esslingen 40 bis 50 laufende Fälle. Weil für die Bewältigung der Fälle mehr Freiwillige gebraucht werden, will der Esslinger Kinderschutzbund am Dienstag, 22. Oktober, ab 18 Uhr einen Infoabend für Interessierte veranstalten.

Bei den Treffen zwischen Kindern und Eltern spielt die Sicherheit eine wichtige Rolle. „Die Familien werden vom Jugendamt oder vom Gericht zu uns geschickt, wenn es ein großes Kommunikationsproblem zwischen den Elternteilen gibt, wenn es häusliche oder sexuelle Gewalt oder Entführungsängste gibt“, so Gold. Auch bei kulturellen Unterschieden, die zu Problemen führen, oder einer Suchterkrankung komme es vor, dass Familien an den Kinderschutzbund verwiesen werden. „Im besten Fall endet die Zeit des Begleiteten Umgangs nach rund einem Jahr damit, dass beide Eltern schriftlich festlegen, wie der Umgang des getrennt lebenden Elternteils mit den gemeinsamen Kindern in Zukunft funktionieren soll“, so Gold. Das klappt so bei gut 30 Prozent der Familien, die in Esslingen betreut werden. „Es kann natürlich auch passieren, dass wir einen Umgang abbrechen müssen, oder dass sich die Kinder entscheiden, dass sie den Vater – denn es ist in der Regel der Vater, der getrennt von der Familie lebt – nicht mehr sehen wollen. Den Wunsch müssen wir natürlich respektieren.“

Finanziert werden sowohl die Maßnahme als auch die beiden Stellen der Facharbeiterinnen vom Esslinger Landratsamt. Die Treffen selbst finden meist in den Räumen des Kinderschutzbundes statt. „Das ist eine neutrale Umgebung, das ist besonders wichtig“, sagt Heidrun Gold. Das Kind wird von der Mutter gebracht und von der Begleiterin in Empfang genommen. „Es sollten immer dieselben Begleiter sein, die sich um ein Kind kümmern“, sagt Gold. Anschließend trifft der Vater ein und verbringt in Anwesenheit der Begleiterin ein bis zwei Stunden mit seinem Kind. „Einige Väter fühlen sich zwar kontrolliert und überwacht, aber für andere ist es schön, dass es eine neutrale Person gibt, die Rückmeldung an die Mutter geben kann, wie das Treffen gelaufen ist.“ Der Raum, der für die Treffen reserviert ist, bietet den Elternteilen viele Möglichkeiten, mit ihren Kindern zu toben, zu spielen oder zu lesen. „Bis zum frühen Grundschulalter drehen sich die Umgänge ums Spielen und Vorlesen“, sagt Sheikh. Gerade für ältere Kinder sei es schön, auch einmal mit dem Vater ein Eis essen zu gehen. „Wir hatten einen Fall, wo ein Kind seinen Vater sehr lange nicht gesehen hatte. Die Umgänge waren anfangs sehr schwierig“, erinnert sich Gold. „Aber über die Monate hat sich zwischen den beiden eine echte Beziehung entwickelt. Jetzt sitzen die beiden nach dem Toben auf dem Spielplatz zusammen auf der Bank, und es ist schön zu sehen, wie sie sich verstehen.“

Ohne die Ehrenamtlichen seien die Treffen nicht zu stemmen, sagt Gold. Brigitte Sheikh und Christine Miller arbeiten beide schon seit gut 26 Jahren ehrenamtlich beim Kinderschutzbund und helfen Kindern dabei, mit ihren entfremdeten Eltern in Kontakt zu treten. Wer darüber nachdenkt, sich als Begleiter beim Kinderschutzbund zu engagieren, sollte einige Fähigkeiten mitbringen. „Man muss gut zuhören können und einen Draht zu Kindern haben“, erklärt Gold. Ein pädagogischer Hintergrund sei wünschenswert, aber nicht erforderlich. „Auch Zweisprachigkeit wäre ein Pluspunkt.“ Bevor die Ehrenamtlichen alleine mit den Familien interagieren können, werden sie geschult. Eine erfahrene Begleiterin steht ihnen darüber hinaus bei den ersten Treffen zur Seite. Im Idealfall wünscht sich Heidrun Gold zehn bis 15 Begleiterinnen und Begleiter. Doch dem Kinderschutzbund fehlt es am Nachwuchs. „Wir müssen auch irgendwann ersetzt werden“, sagt Sheikh. Der Esslinger Kinderschutzbund will deshalb einen Infoabend machen. „Wir hoffen, dass sich sowohl Männer als auch Frauen dafür interessieren“, sagt Gold. „Zeitlich stellen wir uns auf die Ehrenamtlichen ein. Wenn jemand nur an einem Tag in der Woche regelmäßig Zeit hat, wird das berücksichtigt.“ Wird einem Freiwilligen eine Familie zugeteilt, begleitet er die in der Regel während der gesamten Zeit der Maßnahme. „Es ist für alle besser, wenn es keinen ständigen Wechsel von Ehrenamtlichen gibt“, so Gold.

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