Mario Sinko hat beim TSV Köngen künftig wieder das Sagen. Foto: Archivfoto: Robin Rudel - Archivfoto: Robin Rudel

Nur einen Tag nach der Entlassung der Brüder Daniel und Julien Rieker als Trainer des Fußball-Landesligisten TSV Köngen steht fest, wer ihnen nachfolgt: Mario Sinko kehrt zurück.

KöngenDie Aufregung war groß, als am Montagabend die Nachricht die Runde machte, der TSV Köngen habe vier Tage vor Saisonstart in der Fußball-Landesliga sein erfolgreiches Trainer-Brüder-Gespann Daniel und Julien Rieker entlassen. Verständlicherweise, waren die Köngener doch erst wenige Wochen zuvor auf fantastische Art und Weise über den Umweg Relegation direkt in die Landesliga zurückgekehrt. Mit einem Mal sollte die Zusammenarbeit also schon wieder vorbei sein? Nach nur gut einem Jahr?

Die Bestätigung ließ nicht lange auf sich warten: Nachdem der Verein am Montag auf keine Presseanfragen reagierte, gab Daniel Rieker persönlich bekannt, dass er – und somit auch Bruder Julien – kurz vor Trainingsbeginn von den Vereinsverantwortlichen erfahren hatten, künftig nicht mehr als Trainer des Neu-Landesligisten gebraucht zu werden. Der Ärger war dementsprechend groß.

Groß war aber scheinbar auch das Zerwürfnis zwischen Trainerteam und Vereinsführung. „Ich verstehe absolut, dass diese Entscheidung für Außenstehende so kurz vor Saisonstart sehr komisch aussehen mag“, gibt Köngens Sportlicher Leiter Joachim Dienelt am nächsten Morgen zu. „Dennoch – und da können sich alle sicher sein – fiel dieser Entschluss nicht am Montag und auch nicht vergangene Woche. Das war ein monatelanger Prozess, in dem einem irgendwann die Pro-Argumente für die Trainer ausgegangen sind.“

Sinko spricht von Ideallösung

Stattdessen übernimmt das Traineramt nun ein alter Bekannter: Mario Sinko, der den TSV bereits während der Saison 2016/2017 in der Landesliga betreut hatte und auch sonst auf eine lange Vergangenheit im Verein zurückblicken kann, kehrt an seine alte Wirkungsstätte zurück. „Seine berufliche Situation, die ihn vor zwei Jahren zum Aufhören gezwungen hat, hat sich entspannt. Deshalb sind wir nun froh, dass er die Mannschaft ab sofort wieder betreut“, sagt Dienelt über Sinko, der Inhaber einer UEFA-Pro-Trainerlizenz ist.

Auch Sinko, der erst am Dienstag aus dem Prag-Urlaub zurückkehrte und noch am Abend sein erstes Training leitete, freut sich sehr auf die neue Aufgabe. „Der TSV Köngen ist mein Heimatverein, dort habe ich das Fußballspielen gelernt“, sagt der neue Köngener Trainer, der bereits während der vergangenen Saison als Berater des Vereins gehandelt worden und vor gut vier Wochen als Teil einer Doppelspitze mit Daniel Rieker angedacht gewesen sein soll, über die spezielle Beziehung zum TSV. „Ich war ohnehin wieder auf der Suche nach einem neuen Job und als dann vor drei Tagen die Anfrage aus Köngen kam, musste ich nicht lange überlegen – für mich war das die Ideallösung.“

Zusätzlich zu Sinko wollen die Verantwortlichen neben Ex-Spieler Mustafa Baykara, der bereits unter den Riekers dem Trainerteam angehörte und gehalten werden soll, zügig einen weiteren Co-Trainer mit Landesliga-Erfahrung verpflichten. „Es sieht so aus, als könnten wir da zeitnah eine Entscheidung verkünden“, sagt Dienelt über die weitere Vorgehensweise.

Was die Vorgehensweise im Fall von Daniel und Julien Rieker betrifft, so muss Dienelt zugeben, dass dem Verein die Trennung „sehr, sehr schwer gefallen“ sei, die Entscheidung aber letztlich einstimmig gefallen ist. „Ich weiß, dass ich jetzt wieder bei vielen als Trainermörder dastehen werde. Allerdings kann ich mich als ehemaliger Trainer ganz gut in derartige Situationen hineinversetzen“, betont der Sportliche Leiter des TSV, „und wenn eben ab einem bestimmten Zeitpunkt Teile der Mannschaft rebellieren, sich gegen die Trainerarbeit stellen und Fitness, Kommunikation sowie Organisation kritisieren, dann muss man irgendwann reagieren.“ Der Verein hat das nun getan. Doch warum erst jetzt, so kurz vor Saisonbeginn?

Zu kriseln begonnen hat es laut Dienelt nämlich bereits in der Vorsaison zu Beginn der Rückrunde. Schon damals habe es erstmals Kritik vonseiten einzelner Spieler in Richtung Trainer gegeben. Es mag sein, dass wir damals blauäugig waren und dachten, dass sich die Probleme von selbst lösen“, gibt Dienelt zu. Dem sei allerdings nicht so gewesen. Nicht einmal die Euphorie des Aufstiegs habe letztlich bewirkt, dass Trainer und Mannschaft wieder in die Spur finden.

Mehrere Trennungsgründe

Der entlassene Daniel Rieker teilt die Ansicht seines ehemaligen Sportlichen Leiters in keiner Weise. „Bei Joachim Dienelt sind zwei, drei unzufriedene Spieler immer direkt die Mehrzahl. Außerdem frage ich mich dann, warum man nie mit mir gesprochen hat“, sagt Rieker und ergänzt: „Das ist ein grundsätzliches Problem in Köngen: Unzufriedene Spieler rennen immer zum Vorstand.“ Für Rieker sei die Aktion mit dem Trainerwechsel ohnehin von vorne bis hinten ein „abgekartetes Spiel“ gewesen. „Der Verein hat sich Mario Sinko die ganze Zeit warmgehalten und ihn jetzt, wo er wieder mehr Freiräume hat, einfach zurückgeholt“, glaubt Rieker, der nun froh ist, erst mal ein bisschen Abstand gewinnen zu können.

Dienelt samt Vereinsspitze waren da offenbar anderer Meinung. Denn zusätzlich zu den Unruhen innerhalb der Mannschaft hätten die Trainer in den Gesprächen mit den Funktionären zuletzt keinen guten Eindruck mehr hinterlassen. „Wir hatten nicht mehr den Eindruck, dass Daniel Rieker die Aufgabe annimmt, den deutlich verjüngten Kader an die Landesliga heranzuführen“, nennt Dienelt einen weiteren Beweggrund für den Rausschmiss und lässt noch einen weiteren folgen: „Darüber hinaus war er völlig resistent gegen Ratschläge von allen Seiten.“

Aber auch diese Vorwürfe Dienelts wies Rieker von sich. „Am Ende stand einfach sein Ego gegen mein Ego und der, der am längeren Hebel sitzt, gewinnt dann eben“, zieht Daniel Rieker, der zukünftig auf jeden Fall wieder als Trainer arbeiten möchte, einen Schlussstrich unter das Thema. „Es ist ja nicht so, dass es keine anderen Vereine als den TSV Köngen gibt.“

Für die Abteilungsleitung des TSV Köngen bleibt nun zu hoffen, dass die Entlassung der Rieker-Brüder die richtige Entscheidung war und sie in Mario Sinko den richtigen Mann für die Zukunft gefunden hat. Zumindest mittelfristig. Denn langfristig plant Joachim Dienelt schon lange nicht mehr: „Das war immer meine Intention, aber im heutigen Fußball funktioniert das nicht mehr.“

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