Ob dieser Ball aufs Tor kommt? Maximilian Schlau versucht, Reichenbachs Timo Häußermann (oben) am Wurf zu hindern. Foto: Rudel Quelle: Unbekannt

Reichenbach - „Wir machen uns selbst das Leben sauschwer.“ Trainer Daniel Hebisch war nach der 20:27 (10:13)-Niederlage der Württembergliga-Handballer des TV Reichenbach gegen den SKV Unterensingen bedient. Die Sorge ist berechtigt: So wie die Mannschaft auftrat, wird es im Kampf um den Klassenverbleib schwer.

Von Sigor Paesler

Die Reichenbacher stehen im Moment auf Platz 13, der am Ende der Saison die Abstiegsrelegation bedeutet. Das Ärgerliche aus TVR-Sicht: Nach dem guten Start ins Handballjahr lieferte die Mannschaft nun zum zweiten Mal in Folge eine schwache Leistung ab und verpasste so die große Chance, einen Sprung in Richtung Mittelfeld zu machen. Denn die Abstände im Tabellenkeller sind gering. „Es ist wie im richtigen Leben: Wenn man das nicht tut, was von einem verlangt wird, reicht es nicht“, war Hebisch mächtig sauer. Er hatte nach der 22:27-Schlappe zuvor bei der HSG Winzingen-Wißgoldingen eine Reaktion verlangt. Doch wie dort erreichte nur Torhüter Nicolas Stockburger Normalform - und ein bisschen mehr. Mit seinen 17 Paraden verhinderte der Keeper eine noch höhere Schlappe.

Es war nicht so, dass die Reichenbacher im Spiel gegen Unterensingen chancenlos waren. Aber so eng der Spielstand auch zeitweise war, man hatte nie das Gefühl, dass ein Erfolg drin wäre. Kurz vor der Pause etwa kämpfte sich die Mannschaft zumindest wieder auf 10:13 heran - das ist aufzuholen. Und als aus einem 12:15 ein 14:15 wurde (39.), zog der SKV wieder auf 21:15 davon (47.). „Dass man da nicht Lunte riecht, verstehe ich nicht“, sagte Hebisch.

Der Trainer versuchte in der Abwehr alles, nahm sehr früh im Spiel Auszeiten, variierte - es zeigte keine Wirkung. Vor allem, weil in der Offensive die Durchschlagskraft fehlte. „Mit 20 Toren braucht man in der Württembergliga nicht aufzuschlagen“, fand Hebisch auch dazu deutliche Worte. Zu oft packten die Reichenbacher die Brechstange aus und verrannten sich mit Einzelaktionen. Die Unterensinger agierten - mit ihrem ebenfalls starken Torhüter Edis Camovic als Rückhalt - in der Defensive abgeklärt und zogen so dem TVR den Zahn.

Die Reichenbacher haben in diesem Jahr schon gezeigt, dass sie ordentliches Württembergliga-Nieveau besitzen. Gegen Unterensingen blieben sie den Beweis schuldig. Was auch SKV-Trainer Steffen Rost auffiel. „Nach dem, was ich auf Video gesehen habe, glaube ich es schon“, sagte er auf die Frage, ob er den Reichenbachern den Klassenverbleib zutraut. „Ich wünsche es ihnen.“ Mit seinem Team war der frühere Deizisauer im Glück: „Das war eine grandiose Mannschaftsleistung.“ Das würde Hebisch gerne auch bald wieder sagen können.

statistik

TV Reichenbach: Stockburger, Eberhardt; Schwarz (2/2), Fritzsche (1), Haisch (2), Maile, Reinold, Mäntele, Schüder, Häßermann (3), Hesping (1), Rummel (4), Gerdes-Röben (4/1), Tonn (3).

SKV Unterensingen: Camovic, Vogel; Briem (2), Buck (4), Rapp, Horeth, Keppeler (10/5), Schlau (1), Klenner (2), Bürker (4), Brändle (4).

Schiedsrichter: Freundt/Haug (Rottenburg).

Zuschauer: 300.

Zeitstrafen: Zwei Mal zwei Minuten für Brändle (Unterensingen), zwei Minuten für Maile, Häußermann, Hesping, Rummel, Tonn (Reichenbach), Briem, Schlau, Klenner, Bürker (Unterensingen).

Beste Spieler: Stockburger/Keppeler, Camovic.