Dennis Seimen ist eines der großen Talente des VfB Stuttgart und in aller Munde. Er ist Deutschlands Nummer eins der B-Junioren – und soll es bald in den Profibereich schaffen. Doch wer ist der Keeper eigentlich?
Am Ende hat es nicht ganz gereicht. Der FC Schalke 04 schlug den VfB Stuttgart im B-Junioren-Endspiel um die Deutsche Meisterschaft knapp mit 3:2 im Elfmeterschießen. Dass es überhaupt soweit kommen konnte, hatte viel mit Dennis Seimen zu tun.
Der Stuttgarter Torhüter vereitelte kurz vor Ende der Verlängerung noch eine Großchance von S04-Angreifer Niklas Dörr. Es war eine von mehreren Glanztaten Seimens in der Partie. Der Stuttgarter Nachwuchskeeper legte sich sogar als erster VfB-Schütze den Ball auf den Punkt, verwandelte eiskalt. Es war eine Szene, die den Typen im Stuttgarter Tor gut beschreibt.
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Seimen scheint vor Selbstvertrauen zu bersten. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit war das anders. Der gebürtige Heilbronner präsentierte sich eher zurückhaltend, fast schüchtern. Dennis Rudel hat das geändert. Der scheidende Torwarttrainer der VfB-U17 arbeitet seit zwei Jahren intensiv mit dem Youngster. „Ich habe ihm immer wieder eingetrichtert: ‚Lerne, laut zu sein. Werde eine Persönlichkeit’“, blickt Rudel auf die Zeit zurück.
Der Torhüterausbilder, früher unter anderem für die Stuttgarter Kickers, Schwarz-Weiß Bregenz und den 1. FC Heidenheim zwischen den Pfosten aktiv, hat fast eine väterliche Beziehung zu Seimen aufgebaut. Seimen wohnt seit mehreren Jahren beim VfB im Internat und zählt zu den absoluten Top- Talenten im Club. Und geht jetzt als Kapitän der B-Junioren voran.
Dennis Seimen wird gezielt gefordert und gefördert
Doch das ganze Lob für die Entwicklungs Seimens will Rudel nicht für sich selbst vereinnahmen. Da ist zum Beispiel Yusaburo „Yu“ Matsuoka. Der VfB-Jugend-Torwarttrainer, mittlerweile in Japan aktiv, impfte Seimen ein, was nötig ist, um mehr als ein Talent zu werden. Disziplin, Lernwille und Opferbereitschaft. Und er gab ihm auch das nötige technische Rüstzeug mit. Zuvor hatte sich der 1,91 Meter große Keeper zu sehr auf sein Talent verlassen und in der täglichen Trainingsarbeit manchmal das Wichtigste vermissen lassen: den Fleiß.
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Doch auch Steffen Krebs, Torwarttrainer der Profis und Andre Wachter, Torwart-Koordinator des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ), die regelmäßig mit Seimen arbeiten, haben ihren Anteil. Der Nachwuchsmann ist bereits seit Monaten immer wieder bei Pellegrino Matarazzo im Profitraining, wird gezielt gefördert. Wenn man aber Seimen und Rudel, etwa nach Spielen, im Umgang miteinander beobachtet, kommt man nicht umhin, eine besondere Verbindung zu bemerken. „Er hat das Potenzial, ganz oben anzukommen und auf absehbare Zeit in der Bundesliga Stammkeeper zu werden“, schwärmt Rudel.
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Beim VfB Stuttgart sehen sie das genauso. Im Oktober 2021 gab es einen langfristigen Vertrag bis Juni 2027 für den damals noch 15 Jahre jungen, bodenständigen Torhüter, der 2015 vom Karlsruher SC zu den Schwaben kam. „Dennis hat das komplette Programm unserer Torwart-Ausbildung durchlaufen, adaptiert sehr schnell, ist lernwillig und hat ein sehr professionelles und ambitioniertes Mindset“, ließ sich NLZ-Chef Thomas Krücken damals zitieren. Der Vertrag beinhaltet eine Umwandlung in einen klassischen Lizenzspieler-, also Profivertrag, sobald Seimen 18 Jahre alt wird.
Weg zum Profi scheint vorgezeichnet für Dennis Seimen
Der Weg in den Profibereich scheint vorgezeichnet. Seimen sei das größte Torhüter-Talent beim VfB Stuttgart seit Odisseas Vlachodimos, heißt es an der Mercedesstraße hinter vorgehaltener Hand. Offiziell tritt man eher auf die Euphoriebremse. „Er hat das Potenzial, Schritt für Schritt seinen Weg in den Profibereich zu gehen. Aber er kommt nur dahin, wenn er kontinuierlich hart an sich arbeitet und Widerstände überwindet“ sagt Krücken.
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Doch der Stuttgarter Chefausbilder kommt nicht daran vorbei, Dennis Seimen ein außerordentliches Fundament zu bescheinigen. Seimen habe alles „was ein moderner Torhüter braucht. Neben körperlichen und torwartspezifischen Fähigkeiten ist er sehr handlungsschnell, er hat Mut, Ausstrahlung und eine gewisse Druckresistenz.“ Dazu kommt: Seimen ist ein außergewöhnlich guter Fußballer für einen Torhüter. Der Youngster ist beidfüßig, spielstark, agierte bis zu seinem 13. Lebensjahr noch regelmäßig als Feldspieler.
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Dennoch gilt auch für Seimen, was für alle Nachwuchsspieler in diesem Alter gilt. Er hat überall noch Luft nach oben. Sein Torwartspiel kann besser werden, die Strafraumbeherrschung auch. Ein großes Thema sind die Bereiche Athletik, Ernährung und Schlaf. Seimen ist zwar bereits groß und bullig, muss aber noch weiter zulegen, Muskelmasse aufbauen, dabei geschmeidig bleiben. Der Körper muss quasi mitreifen, um mit der sportlichen und persönlichen Entwicklung Schritt halten zu können.
Highlight U17 Europameisterschaft
Bevor man sich in der U19 – Seimen rückt trotz seiner erst 16 Jahre bereits im Sommer auf und soll auch dort Stammkeeper werden – diesen Themen annimmt, steht noch ein Highlight in seiner jetzigen Altersklasse an. Die U-17-EM in Israel. Dennis Seimen ist Deutschlands Nummer Eins, wie Nationaltrainer Marc-Patrick Meister am Rande des Endspiels gegen Schalke bestätigte. Noch vor einem Jahr war er nur die Nummer vier im nationalen Ranking, seine rasante Entwicklung brachte ihm die Spitzenposition ein. Am kommenden Montag startet das Turnier mit 16 Mannschaften.
Deutschland hat eine machbare Gruppe erwischt, dürfte es in die K.o.-Runde schaffen. Eines ist jedoch bereits jetzt sicher. Kommt es wieder zu einem Elfmeterschießen – Seimen wird zum Punkt schreiten.
Das ist Dennis Seimen
Geburtsort: HeilbronnGeburtsdatum: 1. Dezember 2005
Größe: 191cm
Frühere Vereine: Karlsruher SC
Beim VfB seit: 2017
U17-Länderspiele: 4
U17-Pflichtspiele aktuelle Saison: 14 (davon 7 ohne Gegentor)
U19-Pflichtspiele diese Saison: 3 (2)
Vertrag bis: 30. Juni 2027
Der VfB-Block bei der U-17-Euro in Israel
Seimen ist nur ein Spieler des VfB-Blocks bei der EM in Israel. Insgesamt hat Nationaltrainer Marc-Patrick Meister fünf VfB-Spieler berufen, die Schwaben stellen den größten Block im Kader. Neben Seimen sind Paulo Fritschi (Abwehr), Samuele di Benedetto (defensives Mittelfeld), Alex Azevedo (Außenbahn) und Laurin Ulrich (offensives Mittelfeld) nominiert. Ulrich ist Kapitän der Mannschaft. Außerdem sind noch Semih Kara (Türkei) und Jan-Carlo Simic (Serbien) für das Turnier von ihren Nationaltrainern nominiert worden.
Los geht es für den deutschen Tross am 11. Mai, das Eröffnungsspiel ist am 16. Mai, das Finale am 1. Juni. Deutschland trifft auf Italien (16. Mai, 16.30 Uhr, Ness Ziona), Luxemburg (19. Mai, 16.30 Uhr, Rishon Lezion) und die Gastgeber (22. Mai, 19 Uhr, Lod). Ausgewählte Partien werden in bestimmten Gebieten auf UEFA.tv per Livestream zu sehen sein. Bei der vergangenen Austragung 2019 sicherte sich die Niederlande den Titel. 2020 und 2021 fanden coronabedingt keine Turniere statt.