Dieses Bild der Hajek-Villa in der Hasenbergsteige stammt aus dem Jahr 2006 - ein Jahr nach dem Tod des Bildhauers. Was mit dem Wohnhaus passiert, wird vor Gericht entschieden. Archiv Foto: Fürstenberger Quelle: Unbekannt

Von Andrea Eisenmann

Stuttgart - Es gibt wohl nur wenige Häuser in der Landeshauptstadt, in denen ähnlich viel Prominenz ein- und ausging wie im Hajek-Haus in der Hasenbergsteige. Allerdings sind dessen goldene Zeiten längst vorbei. Besitzer und Denkmalschutzbehörde streiten vor Gericht, was mit dem Gebäude des 2005 verstorbenen Künstlers passieren soll. Währenddessen schreitet der Verfall des Anwesens weiter voran.

Rückblick: 1967 bezieht Otto Herbert Hajek die Villa in der Hasenbergsteige, die Anfang der 1920er-Jahre gebaut worden ist. Beste Aussichtslage, ein 27 Ar großes Grundstück, 15 Zimmer. Der parkähnliche Garten bietet Platz für das Aufstellen von Skulpturen, an der Südwestseite des Gebäudes lässt er ein Atelier anbauen. Einen Namen als Bildhauer und Maler hat Hajek sich zu diesem Zeitpunkt bereits gemacht. Seine Skulptur „Durchbrochene Fläche“ beispielsweise, die vor der Liederhalle steht, war 1955 nicht nur die erste abstrakte Außenplastik, die in der Landeshauptstadt im öffentlichen Raum aufgestellt wurde, sondern auch bundesweit eine der ersten abstrakten Plastiken dieser Größe. Mut zur Farbe zeichnete viele Werke des Künstlers aus - das gilt auch für die Fassade seines Zuhauses.

Allerdings nagt an der Villa, in der einst Politiker wie Willy Brandt oder Gerhard Schröder häufig zu Gast waren, der Zahn der Zeit - und daran wird sich in nächster Zeit wohl auch nichts ändern. Der aktuelle Besitzer, Markus Benz, und die Denkmalbehörde der Stadt Stuttgart stehen sich vor dem Verwaltungsgericht gegenüber, nachdem Ersterer im Juni dieses Jahres Klage eingereicht hat. Streitpunkt sind die verhängten Denkmalschutzauflagen. Als zu streng angesichts der vorhandenen Bausubstanz werden diese von Benz, Geschäftsführer des Herrenberger Polstermöbel-Herstellers Walter Knoll, erachtet. Aber auch die Denkmalschützer haben offenbar Grund zu klagen: Nach dem erfolgten Verkauf der Villa durch die Erben Hajeks stießen sie im Jahr 2013 bei einer Besichtigung des Anwesens auf zahlreiche bauliche Veränderungen, die offenbar nicht genehmigt worden waren. So hatte man im Innern Teile der Wände und der Ausstattung (Küche, Teppich) entfernt. Nach Angaben einer Sprecherin der Stadt hat die Behörde dem Gericht ihre Stellungnahme zu dem Fall mittlerweile zukommen lassen.

Das anhaltende Tauziehen um die denkmalgeschützte Villa hat nun auch die Fraktionsgemeinschaft SÖS-Linke-Plus auf den Plan gerufen. „Es müssen Wege gefunden werden, wie das Trauerspiel um das Hajek-Haus beendet wird“, fordert Stadträtin Guntrun Müller-Enßlin. Die Villa solle vor der weiteren Zerstörung und dem drohenden Abriss bewahrt und in eine öffentliche Nutzung überführt werden. Die Dauer des Rechtsstreits führe nur dazu, dass die Chancen auf den Erhalt des Gebäudes weiter sinken. Auch eine „verdeckte Immobilienspekulation“ wird nicht ausgeschlossen. „Nach Abriss des Hauses könnte der Besitzer das Grundstück mit einem hohen Gewinn verkaufen.“ So dürfte die Liegenschaft angesichts ihrer Lage deutlich mehr wert sein, als die rund zwei Millionen Euro, die Markus Benz 2011 beim Kauf des Hauses an die Erben überwiesen hat.

Die Verwaltung wird von der Fraktionsgemeinschaft aufgefordert, alle ihr zur Verfügung stehenden rechtlichen und finanziellen Möglichkeiten auszuschöpfen, um das Haus zu kaufen. Auch die Möglichkeit einer Enteignung gelte es zu prüfen, die mit dem geltenden Bau- und Denkmalrecht konform gehe. „Das Hajek-Haus war ein Treffpunkt für Menschen, die etwas bewegen wollten“, ist auch Stadträtin Laura Halding-Hoppenheit überzeugt. Deswegen sei es jetzt höchste Zeit, dass die Stadt das Heft des Handelns in die Hand nehme: „Das Haus muss erhalten bleiben. Otto Hajek hat so viel für die Kultur getan - dieses Erbe muss erhalten bleiben.“ Das Feuer müsse weiter brennen.

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