Die Dächer von Weinberghaus (links) und Känguruhaus (rechts) im östlichsten Teil des Blühenden Barocks Ludwigsburg sind seit Langem mit blauer Plastikfolie abgedeckt. Foto: Sabine Armbruster

Seit mehr als einem Jahr sind die Dächer des Känguruhauses und des Weinberghauses im Blühenden Barock mit blauer Plastikfolie abgedeckt.

„Ich hab das Gefühl, das verkommt immer mehr“, sagt ein älterer Mann kopfschüttelnd, als er vom Ludwigsburger „Hexenwegle“ aus, das zwischen dem Blühenden Barock und dem Krankenhaus verläuft, die beiden kleinen, aber auffälligen Gebäude auf dem Parkgelände in Augenschein nimmt. Über den Zustand der beiden Häuschen in der nordöstlichen Ecke des Blüba haben sich schon mehrere Spaziergänger gewundert. Denn seit mehr als einem Jahr sind die Dächer des ehemaligen königlichen Känguruhauses und des Weinberghauses mit blauer Plastikfolie abgedeckt – und es geht einfach nichts voran. Lediglich eine zusätzliche Sicherung wurde angebracht, weil die Folie an stürmischen Tagen immer wieder teilweise abgerissen worden ist.

Für den Unterhalt der beiden denkmalgeschützten Gebäude ist nicht das Blüba, sondern der Landesbetrieb Vermögen und Bau zuständig. Dessen Ludwigsburger Amtsleiterin Corinna Bosch stellt klar, dass die Dachsanierungen keineswegs so leicht sind, wie man sich das als Laie vielleicht vorstellt.

Für Strohdächer fehlt in Süddeutschland das Know-how

Das Problem beim Weinberghaus, das im Jahr 1804 unter dem Hofbaumeister Thouret seine heutige Form erhielt, ist, dass die Dachdeckung nicht aus den hierzulande sonst üblichen Ziegeln, sondern aus Stroh besteht. Das muss auch aus Gründen des Denkmalschutzes so bleiben. Doch in Süddeutschland gebe es keine Dachdeckerbetriebe mehr, die ein Strohdach sanieren könnten. „Das beauftragte Architekturbüro führt derzeit eine Markterhebung bei Betrieben im norddeutschen Raum durch. Sobald wir geeignete Firmen gefunden haben, werden wir die Maßnahme, in Abstimmung mit dem Blühenden Barock, terminieren“, sagt Bosch.

Schon im Sommer vergangenen Jahres war das Dach des Känguruhauses mit blauer Folie abgedeckt. Foto: Sabine Armbruster

Der aktuelle Zustand der Strohdeckung sei zwar schlecht, doch habe sie bei der letzten Erneuerung im Jahr 1995 eine Unterdeckung aus Dachpappe erhalten. „Wir gehen deshalb nicht davon aus, dass das Holztragwerk größere Schäden aufweist.“ Im Zuge der Arbeiten wird übrigens auch das umlaufende, aus unbehauenen Holzstämmen bestehende Geländer des oberen Geschosses erneuert.

Beim Känguruhaus muss das Dachtragwerk saniert werden

Besondere Vorsicht ist laut Bosch auch bei der Dachsanierung des Gebäudes geboten, in dem zu royalen Zeiten vorübergehend Kängurus gehalten wurden. Voruntersuchungen hätten ergeben, dass für die Sanierung des Dachtragwerks die Dachdeckung samt Lattung vollständig entfernt werden müsse. „Grund dafür ist, dass bei einer abschnittsweisen Bearbeitung die Horizontallast der noch eingedeckten Flächen einen Schub erzeugen würde, den das Dachtragwerk nicht mehr aufnehmen kann“, erklärt die Amtsleiterin. Die Arbeiten an der Baustelle hätten zudem unterbrochen werden müssen, weil der beauftragte Dachdeckerbetrieb krankheitsbedingt im letzten Jahr über sechs Monate komplett ausgefallen sei.

Dennoch hofft Bosch, dass die Arbeiten in diesem Jahr beendet werden können. Man habe die notwendigen Maßnahmen mit dem Landesamt für Denkmalschutz abgestimmt und versuche, möglichst viel von der historischen Dachdeckung aus sogenannten Handstrichbibern zu erhalten und nach der Instandsetzung des Dachtragwerks wieder zu verwenden. Ein Verlust von rund 30 Prozent der alten Ziegel müsse aber einkalkuliert werden. Damit die handelsüblichen neuen Ziegel das Gesamtbild nicht stören, sollen diese auf der vom Park abgelegenen Seite angebracht werden.