Bürgermeister Ralf Barth stellt seine Ideen vor. Foto: urh

Der derzeitige Bürgermeister Ralf Barth bewirbt sich als einziger Kandidat um den Chefposten im Denkendorfer Rathaus. Er erzählt, was er für eine zweite Amtszeit vor hat.

Am 8. März wird in Denkendorf nicht nur der Landtag, sondern auch der Bürgermeister gewählt. Der derzeitige Amtsinhaber Ralf Barth bewirbt sich um eine zweite Amtszeit und geht ohne Mitbewerber ins Rennen. Bis zum Bewerbungsschluss hatte kein weiterer Kandidat seine Unterlagen eingereicht. Der 37-Jährige Barth hatte schon im Sommer erklärt, dass er sich erneut bewerben werde. „Gemeinsam weitergestalten“, so sein Motto.

Ein Solo für den Amtsinhaber war dementsprechend auch die Kandidatenvorstellung. Trotzdem hatten sich rund 100 Bürgerinnen und Bürger in der Festhalle eingefunden, um zu hören, welche Ideen Barth für seine zweite Amtsperiode hat. Frank Obergöker, der als stellvertretender Bürgermeister den Abend moderierte, freute sich ob der vollen Reihen, „dass sich so viele Menschen dafür interessieren, wie es in Denkendorf weitergeht“. Er wolle die Zuhörerinnen und Zuhörer teilhaben lassen an den Ideen, die er für Denkendorf habe, so Barth, betonte jedoch mit Blick auf Gemeinderat und Verwaltung: „Ich verstehe das alles als Teamleistung.“

Ralph Barth privat

Mit einer persönlichen Vorstellung stieg Barth in seine Präsentation ein, stellte seine Frau Martina Brosi-Barth und die drei Kinder Sophie (7), Johann (5) und Max (3) vor. Als Familie seien sie längst heimisch geworden in Denkendorf. Auf dem Bauernhof seiner Eltern in Heroldstatt auf der Schwäbischen Alb aufgewachsen, habe er sich die Naturverbundenheit erhalten. Noch heute helfe er gerne auf den Höfen der Eltern oder der Schwiegereltern bei der Ernte und sitze dann auch mal auf dem Traktor.

„Ich verstehe das alles als Teamleistung.“

Ralf Barth über die Zusammenarbeit mit Gemeinderat und Verwaltung

Die Lust an Führungsverantwortung sei bei ihm schon früh geweckt worden, sagte Barth. Er schloss 2012 ein Studium im gehobenen Verwaltungsdienst als Bachelor of Public Management an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg ab und sattelte 2016 noch ein Qualifizierungsstudium zum Mediator und Coach drauf. „Das hilft mir, mit schwierigen Situationen gut und gelassen umzugehen.“ Es folgten zwei Stellen als Hauptamtsleiter zunächst in Riederich dann in Dettingen an der Erms, bevor Barth 2018 zum Denkendorfer Bürgermeister gewählt wurde.

Denkendorf ist seit Jahren schuldenfrei

In seinem Rückblick betonte Barth nicht nur die zahlreichen großen Bauprojekte, die in den letzten Jahren auf den Weg gebracht wurden, sondern hob auch die Bedeutung einer verantwortungsvollen Finanzpolitik hervor. Diese habe in Denkendorf Tradition. So verfüge die Kommune mit mehr als 20 Millionen Euro liquider Mittel über ein gutes Polster für künftige Investitionen. Dazu sein Denkendorf seit Jahren schuldenfrei. „Ich werde alles dafür tun, dass es so bleibt“, betonte er.

Zukunftsthemen hatte der Bürgermeister etliche auf der Agenda: Dazu gehören neben der Schaffung von Wohnraum im Wohngebiet Wasserreute und auf dem alten Bauhofareal sowie Gewerbeflächen im Gebiet Nördlich Albstraße, die Quartiersentwicklung und der Ausbau der Kinderbetreuung. Auch arbeite man intensiv an der Weiterführung der Renaturierung der Körsch, für die noch Grundstückskäufe nötig seien. Im Bereich der Mobilität sieht Barth in der Anbindung des Gebiets Lange Äcker und Wasserreute ab 2027 durch die Buslinie 121 einen „Quantensprung“. Schon lange habe man an Lösungen getüftelt, um diesen etwas abgehängten Ortsbereich über den ÖPNV zu erschließen. Hoffnung setzt die Kommune auch auf die Machbarkeitsstudie, die die Verlängerung der Stadtbahnlinie U7 von Nellingen über Denkendorf nach Esslingen prüft. Bedenken zu beiden Vorhaben äußerte eine Bürgerin. Ob man beim Schienenanschluss auch die Gefahren bedacht habe, fragte Sabine Grau. Sie fürchtet neben dem Flächenverbrauch ähnliche Zustände wie an der Endhaltestelle in Nellingen, wo es immer wieder Polizeieinsätze gebe. Barth verwies auf ein zwingend vorgeschriebenes Planfeststellungsverfahren, in dem auch solche Aspekte geprüft würden. „Ich sehe eher die Chance in einem Schienenanschluss“, betonte er. Grau befürchte zudem, dass durch die Buslinie ins nordöstliche Ortsgebiet Parkplätze an der Uhlandstraße wegfallen. Aktuell gehe man von drei Stellplätzen aus, so der Bürgermeister.

Kitakosten belasten Kommune wie Eltern

Ingrid Kloos wollte im Namen des Gesamtelternbeirats wissen, wie Barth zur automatischen Erhöhung der Kindergartenbeiträge stehe. Die SPD hatte im Rahmen der Haushaltsplanberatungen gefordert, diese für das kommende Jahr auszusetzen. Er wisse, dass die Kitagebühren für viele Familien eine große Summe sei, genau wie die Aufwendungen für die Kinderbetreuung im kommunalen Haushalt ein „großer Brocken“ wäre, zumal der Kostendeckungsgrad „weit unter 20 Prozent“ liege. Zudem verwies Barth darauf, „dass Denkendorf, anders als die Mehrheit der Kommunen in Baden-Württemberg, einkommensabhängige Elternbeiträge“ erhebe. Angesichts dieser Sozialstaffelung sei eine moderate Erhöhung vertretbar. Spätestens in der übernächsten Gemeinderatssitzung werde man den SPD-Antrag beraten.

Eine Ganztagsschule wird es vorerst in Denkendorf nicht geben. Eine Umfrage im vergangenen Jahr hatte ein nur geringes Interesse der Eltern der Jahrgänge, die 2027 und 2028 eingeschult werden, ergeben. In diesem Jahr werden die betroffenen Familien erneut befragt. Auf Kloos‘ Frage, wie man die Eltern besser erreichen könne, betonte Barth, man habe jede Familie persönlich angeschrieben. Nicht einmal die Hälfte habe den Fragebogen überhaupt zurückgeschickt. Er sehe da auch eine gewisse Verantwortung der Eltern. Man wolle aber in diesem Jahr die Infos noch intensiver auch über den Gesamtelternbeirat teilen.

Bürgermeisterwahl

Wahl
Die Bürgermeisterwahl in Denkendorf findet parallel zur Landtagswahl statt. Die Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr für die Stimmabgabe geöffnet.

Wahlrecht
Wahlberechtigt sind alle Deutschen oder EU-Bürger, die mindestens 16 Jahre alt sind und ihren Hauptwohnsitz seit drei Monaten in Denkendorf haben. Außerdem müssen sie im Wählerverzeichnis der Gemeinde geführt sein.

Bürgermeisterwahl
In Baden-Württemberg werden Bürgermeister für acht Jahre gewählt. Ralf Barth wurde 2018 im ersten Wahlgang mit knapp 79 Prozent der Stimmen erstmals zum Bürgermeister der Gemeinde Denkendorf gewählt. Er bewirbt sich um die zweite Amtszeit. Es gibt keinen Gegenkandidaten.

Person
Ralf Barth (37) ist parteilos und evangelisch. Neben seinem Bürgermeisteramt ist er Kreisvorsitzender der Bürgermeister und Mitglied im Landesvorstand des Gemeindetags Baden-Württemberg, Vorsitzender des Zweckverbands Hochwasserschutz Körsch, Beiratsvorsitzender der Bürgerstiftung Denkendorf und Kuratoriumsvorsitzender der TSV-Stiftung sowie Aufsichtsratsmitglied der Baugenossenschaft Filder und Mitglied der Fluglärmkommission.