Wenn zwei versierte Profis wie Firefly Fisher (vorne links) und Thunder Law (vorne rechts) ihre Tricks verraten, lässt Schülerin Minela Alisic die Basketbälle wie ein Profi kreisen. Fotos: Kaier Quelle: Unbekannt

Von der Vorbereitungsklasse der Albert-Schweitzer-Schule Denkendorf

Die amerikanische Basketball-Sze­ne kennt viele große Mannschaften. Teams wie die Golden State Warriors, die Cleveland Cavaliers, die Dallas Mavericks oder die Lakers aus Los Angeles machen die Meisterschaft unter sich aus. Den legendärsten Ruf genießt eine Mannschaft, die nicht um Punkte spielt: die Harlem Globetrotters. Sportliche Perfektion, artistische Finesse und vor allem der unbändige Spaß am spektakulären Spiel zeichnen die Truppe aus. Im Frühjahr sind die Harlem Globetrotters auf Europatour. Die Spieler Thunder Law und Firefly Fisher waren kürzlich in Deutschland unterwegs, um ihre Fans schon mal darauf einzustimmen. In der Denkendorfer Albert-Schweitzer-Schule machten die beiden Sunnyboys aus den USA Station für eine Trainingsstunde mit Lehrerin Patrizia Grillo und den Schülern ihrer internationalen Vorbereitungsklasse - das EZ-Projekt „Zeitung in der Schule“ machte es möglich. „Die Jungs zu treffen war echt cool“, schwärmte hinterher der 13-jährige Moses Jegede aus Nigeria, der die Spieler in Empfang genommen hatte und begeistert feststellte, dass die sprunggewaltigen Weltstars auf dem Boden geblieben sind.

„Ich habe vor der Schule auf die Globetrotters gewartet und an ihrer Kleidung gleich erkannt, dass sie unser Besuch waren“, sagt Moses. „Die beiden waren das beste Beispiel dafür, dass die Hautfarbe im Sport keine Rolle spielt. Einen Menschen sollte man nach seinem Handeln beurteilen und nicht nach seiner Herkunft.“ Das ist auch das Prinzip, das Patrizia Grillo in ihrer Vorbereitungsklasse pflegt, in der junge Menschen aus 15 Ländern gemeinsam die Schulbank drücken. Und wer erlebt, wie konzentriert die Schüler lernen, kann nur den Hut ziehen vor Pädagogen wie Patrizia Grillo, die mit viel Herzblut ihrer Arbeit nachgehen.

Dass es sich lohnt, zu lernen und sich fit zu machen für die Zukunft, ist für den 17-jährigen Sharif Qahar­zada aus Afghanistan keine Frage. Er ist überzeugt, dass es kein Zufall war, dass die Harlem Globetrotters in Denkendorf Station machten: „Ich denke, dass wir für dieses Projekt ausgewählt wurden, weil wir fleißig, schnell und sehr gut Deutsch gelernt haben. Die meisten der Geflüchteten in unserer Klasse sind erst im März 2016 an die Albert-Schweitzer-Schule gekommen und machen in diesem Schuljahr schon ihren Hauptschulabschluss.“ Sharif wird sogar gleich in die Realschule wechseln.

Patrizia Grillo weiß, dass Aktionen wie diese nicht nur Spaß machen, sondern noch lange positiv nachwirken: „Für unsere Schüler ist es ein tolles Zeichen, dass sie durch Zeitung in der Schule diese einmalige Chance erhalten haben. Das zeigt ihnen, dass sie dazugehören und dass es sich lohnt, sich zu engagieren. Solche Erfahrungen werden sie ihr Leben lang nicht vergessen.“ Dass es keine besseren Partner für diese Aktion geben konnte, haben Patrizia Grillo und ihre Schüler schon in der Vorbereitung auf den hohen Besuch festgestellt, denn die Harlem Globetrotters sind nicht nur sportlich eine Klasse für sich - sie haben auch ein ganz eigenes Selbstverständnis: Als „Botschafter des guten Willens“ engagieren sich die Basketball-Stars intensiv für soziale Projekte.

Und sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, Kindern an Grundschulen überall in den USA spielerisch Werte wie Zusammenarbeit, Ehrlichkeit, gegenseitigen Respekt und Verantwortung zu vermitteln. Mit der Initiative „Some playtime is necessary“ haben die Harlem Globetrotters außerdem ein Fitness-Spaß-Programm für Kinder aufgelegt, mit dem sie sportliche Aktivitäten und einen aktiven Lebensstil fördern. Und als „Smile Patrol“ besuchen sie Krankenhäuser sowie soziale Einrichtungen, um kranken und benachteiligten Kindern Lachen, Mut und Leichtigkeit zu bringen. Deshalb rannte der Promotion-Experte Uwe Hansmann, der den Besuch von Thunder Law und Firefly Fisher in Denkendorf zusammen mit der EZ ermöglicht hatte, bei den prominenten Gästen aus den USA offene Türen ein, als er einen Besuch in der Albert-Schweitzer-Schule vorschlug. Hinterher stellte er zufrie-den

fest: „Wenn man gesehen hat, mit welcher Begeisterung die Schüler mitgemacht haben, weiß man, dass man alles richtig gemacht hat.“ Und auch für die Spieler war’s ein besonderes Erlebnis. „Wir lieben Basketball, und es gibt nichts Schöneres, als andere für unseren Sport zu begeistern“, strahlte Thunder Law hinterher mit seinen jungen Trainingspartnern um die Wette. Uwe Hansmann bestätigte: „Die Jungs waren sehr beeindruckt, Schülern aus so vielen unterschiedlichen Ländern zu begegnen. Viele der heutigen Globetrotter-Stars sind nicht mit dem goldenen Löffel im Mund aufgewachsen. Die wissen sehr genau, wie es sich anfühlt, wenn man in jungen Jahren im Abseits steht. Deshalb sind sie besonders gern in die Vorbereitungsklasse gekommen.“

Lehrerin Patrizia Grillo hatte begeistert zugegriffen, als sich die Chance bot, die beiden Spieler der Harlem Globetrotters in ihre Klasse zu holen. „Unser primäres Ziel ist es, dass unsere Schüler, die aus dem europäischen Ausland und als Geflüchtete aus der ganzen Welt hierher kommen, so schnell wie möglich Deutsch lernen. Und wir denken, dass es absolut notwendig ist, dass sich die Schüler auch bewegen und somit das Gelernte oder das noch zu Lernende gut verarbeiten können. Außerdem stärkt Sport den Teamgeist. Dadurch wird der Klassenverband gestärkt.“

Wer die Denkendorfer Schüler während des Schnuppertrainings mit den beiden Globetrotters beobachtet hat, konnte leicht feststellen, dass diese Rechnung aufgegangen ist: Da wurde munter mit ein oder gar zwei Basketbällen jongliert, beim Tempodribbling waren Beweglichkeit und Ballbeherrschung gefragt, beim Wurftraining hatten zielsichere Korbjäger die besten Karten. „Das Training war sehr interessant und hat sehr viel Spaß gemacht“, schwärmte hinterher der 16-jährige Ivan Ivic aus Kroatien, dem es vor allem die Trikots der beiden Spieler angetan hatten. Der 16-jährige Aiub Mahbubi aus Afghanistan hatte Gänsehaut, als Thunder Law und Firefly Fisher zur offiziellen Globetrotters-Hymne auf die Melodie von „Sweet Georgia Brown“ in die Halle kamen: „Wie die Jungs wie bei einem richtigen Spiel einliefen und mit uns zur Einstimmung den ‚Magic Circle’ gemacht haben - das war toll.“ Kein Wunder, dass viele der Denkendorfer Schüler davon träumen, dabei zu sein, wenn die Harlem Globetrotters am 26. April in großer Besetzung in der Ludwigsburger MHP-Arena ihre Tricks zeigen.

Karten für das Gastspiel der Harlem Globetrotters in Ludwigsburg gibt es bei den bekannten Vorverkaufsstellen sowie unter Tel. 0711/84 96 16 72.

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