Weil es keine Einigung beim Kaufpreis gegeben hat, ist der Standort Papierfabrik Scheufelen in Lenningen aus dem Rennen.
Denkendorf/Lenningen - Für die einen klingt es wie eine Erfolgsmeldung: „Mit unserem Technikum Laubholz gehen wir einen großen Schritt weiter in der klimafreundlichen Ausrichtung der Biotechnologie des Landes“, wird der Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) in einer Pressemitteilung aus seinem Haus zitiert. Das Technikum, das innovative Produkte und Verfahren auf Basis des in der Region zur Genüge nachwachsenden Rohstoffes Holz entwickeln soll, startet demnach konkret mit ersten Forschungsfeldern: dem Bau einer Anlage zur Herstellung von multifunktionellen Carbonfasern auf Holzbasis. Umgesetzt und industriereif gemacht werden soll die Innovation in Zusammenarbeit mit den Deutschen Instituten für Textil- und Faserforschung (DITF) in Denkendorf.
Die anderen – zu ihnen dürfte auch der Lenninger Bürgermeister Michael Schlecht gehören, der am Montag aber nicht mehr zu erreichen war – werden spätestens bei dem Verweis auf einen „Interimsstandort“ stutzig. Der Begriff führt direkt zum Kleingedruckten in der Mitteilung: Mit der Entscheidung für Denkendorf ist der lange Zeit als Favorit gehandelte Standort, die ehemalige Papierfabrik Scheufelen im Lenninger Teilort Oberlenningen, aus dem Rennen. „Das Technikum Laubholz kommt nach aktuellem Stand nicht wie geplant nach Lenningen, da sich die Verhandlungspartner nach langen und aufwendigen Verhandlungen leider nicht auf einen Kaufpreis für die Liegenschaften einigen konnten“, bestätigt Hauk. Der von der verhandelnden Grundstücksgesellschaft geforderte Preis habe weit über dem Angebot der Firma Technikum Laubholz gelegen, das indes auf zwei Verkehrswertgutachten beruht habe.
„Kein Kauf über Wert“
„Die Grundsätze der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit der baden-württembergischen Haushaltspolitik erlauben keinen Kauf über Wert. Ich bedauere, dass der Standort Lenningen wohl nicht zum Zug kommt“, sagte Hauk weiter. Gleichwohl stehe das Land nicht ohne Alternative da. Die Planungen für einen neuen Interimsstandort kämen gut voran. An den mit dem DITH vereinbarten Projekten ändere die Hängepartie nichts. „Die Zusagen sind an das Technikum, nicht an den Standort gebunden“, betont Hauk.
Dass der Standort Lenningen bei der von Hauk so bezeichneten „Sprunginnovation“ auf Basis von Laubholz aus nachhaltig bewirtschaften Wäldern aus dem Sattel gekippt ist, war nicht geplant. Noch vor knapp einem Monat hatte der Minister mit dem Fraktionschef der Grünen im Landtag, Andreas Schwarz, und dem CDU-Abgeordneten Karl Zimmermann, in deren beider Wahlkreis die Gemeinde Lenningen liegt, eine Pressemitteilung veröffentlicht. Darin hatte Hauks Parteifreund Zimmermann davon geschwärmt, dass mit der Ansiedlung des Laubholz Technikums das Lenninger Tal auf dem Weg sei, zum „Silicon Valley“ für die Holztechnologie in Deutschland zu werden. Das sei schon allein deshalb von Vorteil, weil die Laubholzbestände im Lenninger Tal zu den größten in Europa zählten.
Produkte entwickeln, von denen keiner sich vorstellen kann, das sie aus Holz gemacht sind
Die von Ludwig Lehner, dem Vorstandsvorsitzenden und Sprecher des Technikums geäußerte Erwartung, „dass wir in relativ kurzer Zeit Produkte und Verfahren entwickeln werden, von denen sich bisher nur wenige Experten vorstellen konnten, dass sie aus Holz gemacht werden können“, wird nun nicht an der Lenninger Lauter, sondern an der Denkendorfer Körsch Wirklichkeit. Acht Forschungsfelder mit zahlreichen innovativen Teilprojekten seien vorgesehen. Die zum Start avisierte Entwicklung von Carbonfasern aus Holz statt aus Erdöl entlaste Umwelt und Geldbeutel gleichermaßen.