Fast 6000 Sandproben aus aller Welt hat Daniel Helber. Doch mittlerweile gibt es Wichtigeres für ihn - wie Salsatanzen mit seiner Frau. Foto: Kaier Quelle: Unbekannt

Sommer, Sonne. . . Sand! Damit kennt sich Daniel Helber aus Denkendorf aus. Der 40-Jährige hat mit seiner Sandsammlung schon Schlagzeilen in der ganzen Welt gemacht und ist als „Sandmann“ bekannt. Erste Berühmtheit erlangte der Mechatronikingenieur, als er 2006 Wettkönig bei „Wetten, dass?“ wurde, weil er bei einer Auswahl aus 250 Sandsorten vier richtig bestimmen konnte. Seither ist er in Fernsehen und Zeitung immer wieder gefragt, war schon in China und wiederholte nun sein Kunststück im ZDF-Fernsehgarten zum Thema „Brasilien: Samba, Caipirinha & ganz viel gute Laune“ mit 25 Sandarten aus dem diesjährigen Olympialand. Im Interview mit der EZ spricht Helber über sein Hobby, das Fernsehen und verrät, dass Sand doch nicht alles ist.

Herr Helber, bei „Wetten, dass?“ haben Sie den Spitznamen „Sandmann“ erhalten. Gefällt er Ihnen?

Helber: Ja, find’ ich eigentlich ganz nett. Es gibt ja auch den Sandmann im Fernsehen, der den Kindern Sand zum Einschlafen in die Augen streut. Der damalige Bühnenbildner von „Wetten, dass?“, Pit Fischer, hat mir den Spitznamen gegeben. Dann hat ihn Thomas Gottschalk in der Sendung aufgegriffen und seither bin ich auch auf der Arbeit bei Festo der Sandmann. Ich finde es ganz nett, dass die Leute sich daran erinnern. Es hilft manchmal auch, Brücken zu bauen.

Gibt es denn Sand, der einem beim Schlafen hilft, wie beim Sandmännchen? Zählen Sie vielleicht Sandkörnchen zum Einschlafen?

Helber: Nein, wenn, dann zähle ich mal Schafe.

Ihre letzte Wette im Fernsehen ist ja ein paar Jahre her. Hatten Sie das Sand-Erraten in der Zwischenzeit bis zum Fernsehgarten wieder verlernt?

Helber: Verlernt nicht. Vor „Wetten, dass?“ 2006 hatte ich mehr als ein Jahr Zeit, mir die 250 Sandproben anzuschauen. Nach ein paar Monaten bekommt man ein Gefühl dafür, was die kleinen Unterschiede sind, damit man sie erkennen und versuchen kann, sie sich zu merken. Das heißt: Wenn ich jetzt Sand anschaue, kann ich ihn mir viel schneller einprägen, als wenn ich das noch nie gemacht hätte.

Was sind denn die Kriterien zur Unterscheidung?

Helber: Sand hat verschiedene Farben. Er ist matt oder glänzend. Die Sandkörnchen sind klein oder groß. Es sind teils verschiedene Mineralien drin. Man muss halt die Nase in den Sand reinstecken und wirklich genau gucken, teilweise mit der Lupe. Dann kriegt man das hin.

Ist brasilianischer Sand anders als der von anderen Ländern?

Helber: Er ist anders als deutscher Nordseesand. Aber der brasilianische Sand sieht ähnlich aus wie der in Australien und Südostasien oder Teilen von Afrika. Denn die Mineralien gibt es auf der ganzen Welt.

Im ZDF-Fernsehgarten haben Sie erzählt, wie es zu der Sammel-Leidenschaft kam. . .

Helber: Es war am 1. Juli 1996 am kanadischen Nationalfeiertag auf Vancouver Island in Westkanada. Damals war ich drei Wochen lang alleine mit dem Fahrrad unterwegs. Auf einem Abschnitt von etwa 100 Kilometern habe ich keinen Menschen gesehen, nur Bäume. Und auf halber Strecke ist mir ein Grizzlybär-Baby begegnet. Da hatte ich doch ziemlich Schiss. Ich bin fast eine halbe Stunde lang stehen geblieben und hab’ abgewartet, dass die Mama nicht auch noch kommt. Dann bin ich schnell weitergefahren und froh gewesen, als ich heil an der Küste angekommen bin. Damals habe ich von dort eine Hand voll Sand mitgenommen, meine erste Probe.

Machen Sie seither nur noch Strandurlaub?

Helber: Nein, das nicht. Strandurlaub mache ich im Moment zwar öfters mit meiner Frau, weil sie das als Kubanerin gerne mag. Aber wir gehen auch woanders hin und wählen die Länder nicht danach aus, ob ich dort Sand habe oder nicht.

Was reizt Sie denn am Sand an sich?

Helber: Zum einen, dass Sand so unterschiedlich aussehen kann. Man kann vieles drin entdecken. Und man hält ein Stückchen von der Erde in der Hand. Das ist für mich manchmal schon ein besonderes Gefühl: Jetzt hab ich ein Stück Brasilien in meiner Hand oder ein Stückchen Antarktis. Da komme ich wahrscheinlich niemals hin in meinem Leben.

Haben Sie einen Lieblingssand?

Helber: Die allererste Probe von Kanada und der Sand, den wir in Kuba gesammelt haben als Dekoration für die Hochzeitstische in Havanna. Das sind die zwei, von denen ich sag’: Das sind meine Lieblingssande, weil ich dazu eine persönliche Verbindung habe.

Was ist der ungewöhnlichste Ort, von dem eines ihrer Sammelstücke stammt?

Helber: Ein Kapitän in Rente eines Forschungsschiffs hat mich angeschrieben und erzählt, dass er vor vielen Jahren im Südpazifik Proben vom Meeresboden genommen hat. Aus ein paar tausend Metern Tiefe. Er fragte, ob ich die haben möchte. Da habe ich sofort gesagt: Ja klar, her damit. Denn an so etwas kommt man ganz schwer ran.

Sie haben fast 6000 Sandproben. Sammeln Sie immer weiter? Oder misten Sie auch mal aus?

Helber: Ausgemistet wird nicht. Jede Sandprobe ist wertvoll und einmalig und es ist teilweise schwer, da dran zu kommen. Mein Ziel war jahrelang, eine Sandprobe aus jedem Land der Erde zu haben. Das habe ich inzwischen erreicht und zwar deshalb, weil vor ein paar Jahren in einem Artikel in der Eßlinger Zeitung stand, dass mir noch Sand aus dem Südsudan fehle. Daraufhin habe ich die Proben bekommen. Ich tausch’ jetzt keinen Sand mehr und verschicke auch nichts mehr, weil ich einfach keine Zeit mehr dafür habe und auch keinen Platz. Aber wenn jemand mir etwas mitbringt oder ich es anderweitig bekomme, lehne ich es nicht ab.

Warum haben Sie keine Zeit und keinen Platz mehr? Ist Ihre Frau nicht begeistert, wenn Sie noch mehr Sand heimbringen?

Helber: Das ist ein sehr zeitintensives Hobby. Man muss nicht nur die Sachen in Gläser füllen, sondern auch Informationen zum Herkunftsort sammeln, alles in die Datenbank einfügen, die Homepage pflegen und mehr - das ist viel, viel Arbeit. Der Großteil der Sammlung ist entstanden, bevor ich meine Frau kennengelernt habe. Denn damals hatte ich Zeit als Single. Doch jetzt sage ich: Da gibt’s Wichtigeres. Ich lagere die meisten Sandproben bei meinen Eltern, weil sie viel Platz wegnehmen, geschätzt zwei bis drei Kubikmeter.

Sie tanzen Salsa Cubana. Hat das auch etwas mit ihrer Vorliebe für Sand zu tun, mit der warmen Temperatur etwa?

Helber: Ich habe irgendwann mal gesagt: Es sind diese drei S - Sonne, Salsa, Sand. Das passt irgendwie zusammen.

Hat das Fernsehen Ihr Hobby und Ihr Leben verändert?

Helber: Nein, eigentlich nicht. Man ist ein bisschen bekannter und die ein, zwei Wochen danach ein kleiner Promi, weil die Leute einen auf der Straße erkennen. Aber danach ist es wieder gut und ich bin froh darüber. Ich will nicht, dass mich ständig jemand anspricht. Ich gehe auch nicht in Fernsehshows, um berühmt zu werden, sondern um das einfach mal zu erleben, wie das abläuft mit dem Aufbau, den ganzen Proben und dem Drumherum backstage. Das ist schon interessant.

Thema des Fernsehgartens war ja Brasilien. Gucken sie denn bei Olympia aktuell Beach-Sportarten besonders gerne?

Helber: Olympia schaue ich nicht. Mich interessiert das Land viel mehr. Ich würde da auch gerne mal hinreisen.

Können Sie zumindest sagen, welcher Sand für Sport gut geeignet ist?

Helber: Da gibt es das nette Beispiel vom Sandburgenbauen: Dafür muss der Sand eher kantig sein. Wenn man eine Pyramide aus Würfeln baut, bleibt sie stehen. Wenn man sie aus Kugeln baut, fällt sie aber zusammen. Beim Beachvolleyball ist es wegen der Verletzungsgefahr aber besser, wenn der Sand eher rund ist. Da gibt es weniger Hautaufschürfungen.

Welche ihrer Sandproben aus Brasilien können Sie den Olympioniken denn empfehlen?

Helber: Der aus Rio von der Praia Vermelha ist zum Beispiel schön rund. Er sieht aus wie brauner Rohrzucker.

Das Interview führte Greta Gramberg.

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