Gegner der Corona-Maßnahmen dicht an dicht und maskenlos an der Theke des Biergartens Flora & Fauna Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Ohne Maske und ohne Abstand haben die Querdenker-Demonstranten auch den Biergarten Flora & Fauna besucht, um sich nach den Märschen durch die Stadt zu stärken. Den Betreibern tut das rückblickend leid, sie fühlten sich „hilflos“, wurden „überrollt“.

Stuttgart - Einige Gastronomen in Stuttgart bringen kein Verständnis für Szenen auf, die sich am Samstag im Rahmen der Querdenken-Demo am Biergarten Flora & Fauna nahe der Haltestelle Mineralbäder abgespielt haben: Die Demonstranten stärkten sich hier ohne Abstand und ohne Masken, drängten sich dicht an dicht an die Theke, wo To-go-Verpflegung angeboten wird. Hinter vorgehaltener Hand zeigen sich andere Gastronomen irritiert – sind es doch für alle harte Zeiten –, wenn jetzt jemand augenscheinlich von einem solchen Event, wo auf den Infektionsschutz gepfiffen wurde, profitiert. Auch in sozialen Medien wurden die Bilder kritisiert.

Die Betreiber bedauern rückblickend, was geschehen ist. „Leider sind auch wir am Samstag von den Demonstranten überrollt worden“, sagt Inhaber Hans Jürgen Neiss, „unsere Mitarbeiter haben am Anfang die Leute darauf hingewiesen, sich bitte an die Hygieneregeln zu halten, aber das wurde ignoriert.“ Neiss weiter: „Wir waren so hilflos, wie die Polizisten, die ebenfalls vor Ort waren.“

Interesse daran, dass Zahlen runtergehen

Die Gefahr einer Wiederholung der Szenen besteht laut Hans Jürgen Neiss nicht: „Falls so eine Demonstration noch mal vorkommen sollte, werden wir das Flora sicherlich nicht öffnen.“ Die Betreiber profitierten in erster Linie davon, wenn das Flora & Fauna wieder öffnen dürfe, was nur bei stark sinkenden Inzidenzen vorstellbar ist. „Wir sind also absolut daran interessiert, dass die Zahlen runter gehen und auch unten bleiben“, sagt Neiss.

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Die Querdenken-Demo am Samstag erregte bundesweit Aufmerksamkeit. Aktuell wird vor allem die Frage diskutiert, ob sie überhaupt hätte stattfinden dürfen, nachdem es bereits im Vorfeld Anzeichen dafür gab, dass gegen die Hygiene-Auflagen verstoßen werden würde – was dann auch eintraf. Während die Stadt darauf beharrt, keine rechtliche Handhabe gehabt zu haben, die Demo im Vorfeld zu verbieten, sieht es das Sozial- und Gesundheitsministerium anders und sagt, dass es durchaus Möglichkeiten für ein Verbot gegeben hätte. Das vergangene Demonstrationsgeschehen setzt auch den neuen OB Frank Nopper (CDU) und Ordnungsbürgermeister Clemens Maier (Freie Wähler) unter Druck – Teile des ökosozialen Lagers im Stuttgarter Gemeinderat fordern sogar den Rücktritt des letzteren.

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