Übung macht den Meister – auf der Piste lassen sich gut die Grundlagen des Skifahrens erlernen. Foto: tki

Der Skiclub Schneesterne bietet seit diesem Jahr Kinderskikurse in Deizisau an. Schnee wird für die Piste nicht benötigt. Wie geht das?

Trotz winterlicher Temperaturen sind schneeweiße Wiesen seit mehreren Jahren ein seltener Anblick in Deizisau geworden – die vergangenen Tage mal ausgenommen. Doch auch an den schneefreien Tagen wird in diesem Jahr am Hügel oberhalb des Kinderhauses Arche Noah Ski gefahren. „Das ist schon ein wenig Pionierarbeit hier“, sagt Florian Bayer, Leiter Wintersport im Skiclub Schneesterne Deizisau.

Seit den frühen Morgenstunden sind etwa zehn Vereinsmitglieder mit dem Aufbau der Piste beschäftigt. Diese Piste besteht nämlich aus einem Metallgeflecht und darüberliegenden Matten mit borstenähnlichen Fasern. Mit langen Metallschrauben wird alles befestigt. „Da ist es natürlich geschickt, wenn der Boden noch gefroren ist“, sagt Bayer. So entsteht auf der grünen Wiese am Hügel eine 20 Meter lange Piste, die auch ganz ohne Schnee befahren werden kann.

„Das Skifahren nach Deizisau bringen“

„Wir wollten mit dem Angebot das Skifahren nach Deizisau bringen“, erklärt Bayer. Neben den regulären Skikursen und Skifreizeiten gibt es deshalb in diesem Jahr erstmals das zusätzliche Angebot vor Ort. Die Umsetzung ist dabei gar nicht so einfach. Denn für den Sport gebe es immer mehr Herausforderungen, vor allem die aufgrund des Klimawandels steigenden Temperaturen stellen die Skivereine immer häufiger vor schwierige Entscheidungen, erklärt Bayer. „Das bedeutet dann oft, dass man entweder keinen Kurs anbieten kann oder ins Allgäu fahren muss“, sagt er. Man dürfe allerdings die Kosten für einen solchen Skikurs nicht vergessen. „Die Fahrt, die Liftkarte und dann noch die Verpflegung – das alles kostet“, sagt Bayer.

„Man muss den Kindern die Angst nehmen.“

Florian Bayer, Leiter Wintersport im Skiclub Schneesterne

Und so haben sich an diesem Sonntagvormittag etwa 30 Kinder, begleitet von ihren Eltern, Tanten oder Großeltern, eingefunden, um Ski zu fahren. „Wir bieten etwas für jedes Kind, das Skifahren lernen will“, sagt Bayer. Die meisten der Kinder seien zwischen drei und acht Jahren alt. „Mit drei sind Kraft und Motorik für das Skifahren langsam da“, erklärt Bayer.

Kein Schnee? Kein Problem in Deizisau Foto: tki

Einige Kinder haben bereits Erfahrungen auf Skiern, andere fahren zum ersten Mal, wie beispielsweise auch Tom. Voll ausgestattet mit Skijacke und Helm steht er am Start. Während die Matten noch mal mit einem Gemisch aus Wasser und Spülmittel besprüht werden, um das Fahren zu erleichtern, prüft er seine Skier – alles sitzt. Dann geht es mit vollem Elan die Piste herunter.

„Wir sind aus Deizisau, daher ist das hier für uns sehr geschickt“, sagt seine Mutter, die Toms Fahrt vom Start aus beobachtet. „Anfangs weiß man ja nie, ob es den Kindern am Ende auch Spaß macht, daher ist es gut, dass der Kurs so nah ist“, erklärt sie. Tom ist mittlerweile am Ende der Piste angekommen. Ein letztes Mal formt er mit den Skiern eine sogenannte Pizza, neigt also die Spitzen zueinander, und kommt so vor den Skilehrern zum Stehen.

Grundlagen für das Skifahren erlernen

Insgesamt zwölf dieser Skilehrer betreuen den Kurs. Sie erklären den Kindern die richtigen Positionen, geben Anweisungen und verhindern im Notfall, dass die Kinder auf der Wiese landen. „Einige von ihnen habe ich früher noch selbst betreut, jetzt sind sie hier als Lehrer dabei“, sagt Nick Taxis, der selbst mit 14 Jahren bei den Skilehrern angefangen hat.

„Es geht bei diesem Kurs darum, dass die Kinder ein Gefühl für die Ski bekommen“, erklärt er. Vom ersten Anziehen der Ski, über eine einfache Abfahrt den Hügel hinunter bis hin zu ersten Kurven – die Grundlagen sind entscheidend. „Man muss den Kindern die Angst nehmen, das ist eine Grundvoraussetzung für das spätere Skifahren“, erklärt Bayer.

Den Deizisauer Skischülern gefällt es

Den ganzen Vormittag lang geht es zwischen Schafen und Streuobstwiesen die Piste hinab. „Übung macht den Meister“, sagt Bayer. Selbst mit der vergleichsweise kurzen Piste und geringeren Geschwindigkeit könnten die Kinder viel lernen. „Die Kinder nehmen das als Skifahren wahr“, erklärt Bayer. Und auch am Mittag wird weitergefahren. „Wir hatten anfangs vier Stunden am Stück, aber das wird krafttechnisch dann mit den Kindern schwierig. Deshalb haben wir den Kurs aufgeteilt“, erklärt Taxis.

In Zukunft seien für den Verein dann auch Kooperationen mit den Kindergärten und der Schule vor Ort denkbar. „Wir werden die Erfahrungen aus diesem Jahr mitnehmen und damit weitermachen“, sagt Bayer. Von den Kindern und Familien gibt es jedenfalls großen Zuspruch. „Nächstes Mal sind wir wieder dabei“, sagt eine junge Skifahrerin.

Die Schneesterne

Verein
Der Skiclub Schneesterne Deizisau wurde 1970 gegründet. Er gehört mit fast 1000 Mitgliedern zu den größten Skivereinen in der Region. Zu den Angeboten des Vereins zählen neben Wintersport auch Sommeraktivitäten wie Skigymnastik, Mountainbiken oder Nordic Walking.

Investition
Die Teile der Piste zum Aufbauen stammen vom Unternehmen „Mr. Snow“ aus Chemnitz. Insgesamt 17 000 Euro hat der Verein für die Ausstattung bezahlt. „Wenn der Förderantrag bewilligt wird, erhalten wir bis zu 5000 Euro Unterstützung durch den württembergischen Landessportverband“, erklärt Florian Bayer.

Hütte
Seit etwa 50 Jahren pachtet der Skiclub Schneesterne Deizisau eine Hütte westlich des Kleinwalsertals am Fuß des Hohen Ifen. Die Deizisauer Hütte bietet Schlafmöglichkeiten für mehr als 50 Gäste und dient als Ausgangspunkt für Skiausfahrten oder Wanderungen.