Es ging um Klimaschutz versus Landschaftsveränderung beim Infoabend in Herrenberg: Soll es im Spitalwald Windräder geben oder nicht? Am 13. Juli wird abgestimmt.
Über eines war man sich beim Infoabend in der Herrenberger Stadthalle einig: Wer beim Bürgerentscheid am 13. Juli mit „nein“ stimmt, der sagt „ja“ zu den Windrädern im Herrenberger Spitalwald, wer mit „ja“ stimmt, der sagt „nein“ zum Projekt. Geschuldet ist die verquere Abstimmung der verqueren Frage, die dem Bürgerentscheid zugrunde liegt. Sonst gingen die Ansichten am Donnerstag weit auseinander, jedoch waren die Entscheidungen der 250 anwesenden Personen und der etwa 70 virtuell teilnehmenden Gäste längst gefallen. Als der Herrenberger Oberbürgermeister Nico Reith (parteilos) zu Beginn der Veranstaltung fragte, wer sich schon entschieden habe, gingen fast alle Hände nach oben.
Für den Oberbürgermeister ist der Klimawandel „real und spürbar, unsere Wälder und unsere Bäume leiden darunter, der Klimawandel schlägt mit voller Härte zu.“ Ihm ging es darum, nicht mit dem Finger auf andere zeigen, sondern selbst die Energiewende voranzutreiben. Die Windräder im Spitalwald könnten Strom für 30 000 bis 35 000 Haushalte erzeugen, die Stadt würde mit Millionen Euro jährlich profitieren.
Geld, wie Thomas Deines als Sprecher des Gemeinderates ausführte, das die Stadt in Schulen und Kindergärten investieren könne und das einen merklichen Anteil hätte an der Investitionsfähigkeit Herrenbergs.
Alle Beteiligten – Ämter, Behörden und verschiedene Bürgerinitiativen – hatten Stände im Foyer der Stadthalle aufgebaut. Manche in drastischer Bildsprache, die den Eindruck erwecken sollten, Windräder seien ein absoluter, ökologischer Supergau der Stromerzeugung. Andere waren moderater, wie etwa der städtische Forstbetrieb, der sagte, für die Windräder müssten 2065 Festmeter Holz geschlagen werden, also nur 20 Prozent des jährlichen Holzeinschlags in Herrenberg.
Größte Landschaftsveränderung aller Zeiten
Dirk Kegreiß ist einer der Vertrauensleute, die das Bürgerbegehren begonnen haben. Für ihn stehen „in dieser Stadt nicht mehr Mensch, Natur und Artenschutz im Vordergrund“, sondern die Energieerzeugung durch Windkraft. Er glaube nicht, dass die vorhergesagte Menge an Strom erzeugt werden könne, und gab zu bedenken, dass der Spitalwald in einem Grundwasserschutzgebiet liege. Die Einnahmen aus den Windrädern würden nur 1,4 Prozent des Haushalts ausmachen, „Dafür sollen wir unseren Spitalwald und unsere Lebensqualität aufgeben?“, fragte er.
Für die Bürgerinitiative Freie Horizonte Herrenberg sprach Martina Raimund, die verhindern will, dass der Spitalwald „industrialisiert werde“ und dass damit ein wertvolles, unersetzliches Naherholungsgebiet zerstört werde.
Pro Windrad knapp ein Hektar
Die Zahlen zum Projekt präsentierte Anne Zahn von der Stadtverwaltung. Bis zu sieben Windräder könnten im Spitalwald und den angrenzenden Wäldern gebaut werden, mit einer Höhe von je 285 Metern. Pro Windrad werde eine Fläche von knapp einem Hektar benötigt.
In einer guten Woche entscheidet der Bürger: Wenn das Quorum erreicht wird, wenn also 20 Prozent aller Wahlberechtigten entweder mit „Ja“ oder „Nein“ stimmen, dann wird der Beschluss bindend.