In einer ausverkauften Schleyer-Halle hat David Garrett am Dienstagabend seine Fans begeistert. Sein aktuelles Album „Millennium Symphony“, mit dem er auf Tour ist, hat der Rock-Geiger als ein Herzensprojekt bezeichnet. Konzertkritik und Setlist.
„Millennium Symphony ist für mich ein absolutes Herzensprojekt“, sagt David Garrett direkt zu Beginn der Show am Dienstagabend in der ausverkauften Schleyerhalle über sein 17 Album. Der Grund ist: Es sind alles Songs der vergangenen 25 Jahre, die für ihn eine besondere Bedeutung haben, und die er für die Geige neu arrangiert hatte.
Auf der aktuellen Tour ist Garrett nicht nur mit seiner Band sondern auch mit einem Orchester unterwegs. Und wenn der 44-Jährige spielt, erstrahlt auf seinem Gesicht eine fast schon kindliche Freude über das, was er gerade tut. Und wenn er mit der Geige durch die Gänge der Halle läuft, über die Bühne gleitet, tänzelt, scheint es fast, als wäre das Instrument ein Teil von ihm. „Work hard, play easy“, sagt Garrett später selbst. Das heißt so viel wie: Was so leicht aussieht, ist das Resultat harter Arbeit.
Ein andauernder Superlativ
Das Konzert ist eine bunte Show, streckenweise ein andauernder Superlativ. Bunte Lichteffekte und Animationen verwandeln die Bühne in ein Lichtermeer, Feuerfontänen schießen in die Höhe, eine Akrobatin führt in schwindelerregender Höhe kunstvolle Choreografien auf. Sogar die Musikeranordnung ist außergewöhnlich: Während Band und der Pianist sich auf der Bühne befinden, sitzen die zwölf Streicher und Bläser in Kuben, die übereinander in die Bühnenwand integriert sind.
Zwischen den knalligen Darbietungen kommen immer mal wieder auch nahezu puristisch gehaltene. Despacito spielen sie als Quartett. Garrett wird vom Bass, Gitarre und Cajon Trommel begleitet. „The Loneliest“ der italienischen Band Måneskin, im Duett mit dem Pianisten. Garrett steht dabei auf dem Piano, und die Bühne versinkt in einem roten Licht und aufsteigendem Nebel.
Programmmusik: „Dance Monkey“
Der leise Latin-Pop-Hit „Señorita“ allerdings wirkt aufgrund seiner visuellen Darstellung dann doch etwas zu übertrieben: Garret und sein Gitarrist erscheinen links und rechts auf den Screens in erleuchteten Rundbogenfenstern. Das ist dann doch eine Spur zu viel Kitsch. Eine hervorragend arrangierte Nummer ist der Song „Take Me to Church“ des irischen Sängers Hozier. Der Song hat von sich aus schon eine enorme Eigendynamik. Garrett hat beim Neuarrangement Orgel- und Glockenklänge hinzugefügt, die Dramatik des Songs steigert sich langsam ohne sein Geigenspiel zu übertönen und gipfelt in einem imposanten Finale.
Garrett läuft durch die Gänge der Halle, spielt auf einem Podest in der Hallenmitte, spricht viel mit seinen Fans, zieht Vergleiche zwischen klassischer Musik und Pop. So habe Harry Styles „As It Was“ eine solche Leichtigkeit wie ein Rondo von Mozart. Erklärt auch mal Fachbegriffe, ohne dabei jemals überheblich zu wirken. Im Gegenteil, als er sich der Programmmusik widmet und erklärt, dass es sich darum handelt Situationen mit Musik nachzuempfinden, landet er bei „Dance Monkey“, dem Megahit der australischen Sängerin Tones and I. Einem Lied mit Spaßfaktor, wie Garrett sagt. Und Spaß haben dabei offenbar alle am Dienstagabend.
Dank an My Chemical Romance
In der 30-minütigen Pause läuft ein Film, der eine Art kurze Dokumentation ist zur Entstehung des Albums. Garrett nimmt die Zuschauer mit nach New York in die Jungle City Studios, wo er die Songs aufgenommen hat. Er erzählt von dem Weg, wie er sie für Geige arrangiert hatte und stellt die Menschen vor, die an der Arbeit beteiligt waren.
Im zweiten Teil des Konzerts macht er mit einem Medley-Schlenker, bei dem er noch Nirvana, Michael Jackson, Beethoven und Fluch der Karibik mitnimmt, auch einen Ausflug in seine eigene Vergangenheit. Auf dem Bildschirm erscheinen Fotos von Garrett mit fragwürdigen Vokuhila-Frisuren und einem Kleidungsstil, der noch sehr weit weg war von seinem heutigen. Aber er hatte das Publikum vorgewarnt.
Als das Konzert sich seinem Ende zuneigt, erinnert Garrett sich an seine eigenen Anfänge. New York 2005: Als er sein Studium beendet hatte und überzeugt war, man werde ihm jetzt die Türen einrennen, passierte nichts und er war geknickt. Am 3. September, einen Tag vor seinem Geburtstag, erschien das Album The Black Parade der Band My Chemical Romance und das habe ihm wieder Energie gegeben und ihm nicht nur seinen Geburtstag gerettet sondern auch zum Weitermachen animiert. Er bedankt sich bei der Band mit seinem Geigen-Arrangement von „Welcome to the Black Parade“.
Setlist bei David Garret in Stuttgart
- Seven Nation Army
- Naughty Girl
- Move it like Jagger
- Señorita
- As it Was
- Dance Monkey
- Take Me to Church
- Wake Me Up
- The Joker and the Queen
- Despacito
- Mein Herz brennt
- Shape of You
- Blinding Lights
- Russian Roulette
- Survivor
- The Loneliest
- Medley
- Smells like Teen Spirit
- Walk this Way
- Smooth Criminal
- The 5th
- Pirates
- Flowers
- Titanium
- Shake it Off
- Welcome to the Black Parade
- Viva La Vida