Willi Heinz kommt mit nostalgischem Spielzeug auf den Esslinger Weihnachtsmarkt. Foto: Koch - Koch

Lichterglanz, Glühweinduft und weihnachtlich geschmückte Stände locken auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Besucher auf den Weihnachtsnmarkt.

EsslingenLichterglanz, Glühweinduft und weihnachtlich geschmückte Stände locken auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Besucherinnen und Besucher nach Esslingen. Seit 40 Jahren existiert der Esslinger Weihnachtsmarkt, vor 20 Jahren kam der Mittelaltermarkt hinzu. Die Beliebtheit des bunten Markttreibens ist seither stetig gewachsen. Letztes Jahr wurde Esslingen sogar zur schönsten Weihnachtsstadt Deutschlands gekürt. Die Marktbetreiber freut es – auch wenn das Wetter diesmal streckenweise zu wünschen übrig ließ.

Von der „durch und durch friedlichen Stimmung“ auf dem Marktplatz schwärmt etwa Susanne Zobel, die Betreiberin des „Hexenkessels“. Ein bunt gemischtes, internationales Publikum wärmt sich an ihrem Stand mit hausgemachtem Glühtrunk oder irischem „Hot Whiskey“ auf, und lässt sich dazu eine „Almpizza“ schmecken. Die Idee zur „Almpizza“ sei vor vielen Jahren bei einer Hüttenwanderung mit ihrem Mann und der damals noch kleinen Tochter entstanden, blickt Susanne Zobel zurück. Der knusprige Fladen ist mit Bergkäse, Lachs oder auch vegan erhältlich und hat sich inzwischen zum „Renner“ entwickelt.

Wetter wechselhaft

Ein Wermutstropfen ist für manche Betreiber diesmal allerdings das Wetter. „Der verregnete, stürmische Sonntag war unterirdisch“, sagt Willi Heinz, der nostalgische Spielwaren feilbietet. „Handpuppen, Kreisel, Blechspielzeug – das gab es alles schon in meiner Jugend“. Eine Kundin lässt sich eine Spieluhr mit tanzender Ballerina vorführen, und kauft das schöne Stück für ihre Enkelin.

Dass es „etwas mehr Besucher“ sein könnten, findet auch Ramona Walter, die an ihrem Stand diverse Senf-Kreationen verkauft. „Entweder sind die Leute gesättigt von den vielen Märkten, oder das Geld sitzt nicht mehr so locker“. Das Highlight an ihrem Stand sei diesmal der süße „Staufersenf“, sagt die Cannstatterin: Das Rezept mit Apfelessig und Senfkörnern sei vor 500 Jahren von den Staufern kreiert worden, „so sagt man zumindest“.

Wunschlos glücklich ist indes Carola Dietz, die in ihrer Kakao- und Kaffeebar ungewöhnliche Heißgetränke wie Lavendelkakao oder Winterkakao mit Lebkuchengewürzen zubereitet, auf Wunsch auch mit Mandelmilch. „Alles ist bio und fair gehandelt“, betont die Münchnerin. Von der Kundschaft ist sie begeistert: „Die Leute sind sehr nett, viele kommen immer wieder.“

Auf eine treue Stammkundschaft kann sich auch Dieter Lenz verlassen, der bereits beim allerersten Esslinger Weihnachtsmarkt dabei war, damals noch mit einer einzigen Platte zum Crêpes backen und einem Waffeleisen. Mittlerweile hat er das Equipment aufgestockt, doch die Kundschaft steht immer noch Schlange. Zum Inventar des Esslinger Marktes gehört auch der Holzschnitzer Helmut Höschle aus Berkheim. Besonders beliebt sind seine aus Lindenholz gefertigten Krippenfiguren. „Manche Kunden kaufen jedes Jahr ein paar dazu“, erzählt der 80-Jährige. Dass aufgrund des Wetters „anfangs etwas weniger Leute unterwegs waren“ trägt Höschle mit Fassung.

So sieht es auch Gudrun Münzenmayer, an deren Stand man traditionellen Weihnachtsschmuck aus dem Erzgebirge erstehen kann. Ihre Spezialität sind kunstvolle Fensterbilder, die sie extra mit Esslinger Motiven wie etwa dem Alten Rathaus, der Burg oder der Stadtkirche anfertigen lässt. Am Esslinger Markt schätzt sie besonders das historische Ambiente und „die perfekte Organisation“.

Voll des Lobes ist auch Wolfgang Wierer, der buntes Holzspielzeug aus aller Welt verkauft. Jedes Jahr freue er sich schon „ab August“ auf den Weihnachtsmarkt, verrät der Esslinger. „Man kann hier wunderbar Menschen aus einer anderen Perspektive beobachten, und es gibt schöne Begegnungen“.

Die entspannte Stimmung auf dem Weihnachts- und Mittelaltermarkt führt Petra Pfeiffer, Veranstaltungsleiterin der Esslinger Stadtmarketing und Tourismus Gesellschaft (EST), auf die sorgfältige Auswahl der Beschicker und das Kulturprogramm zurück. Auf der Weihnachtsmarktbühne wird zweimal täglich aufgespielt, „von Alphörnern über die Kantorei bis zu Posaunenchören“. Wichtig seien auch nicht kommerzielle Angebote wie die Wechselstände, die von Schulen, Kindergärten und Vereinen betrieben werden. „Wir haben ein sehr niveauvolles Publikum, es gibt kaum Zwischenfälle.“

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